Das Rad wurde schon erfunden

Ich will nicht die Arbeit der anderen machen!

Derzeit ist die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in aller Munde, weil sie demnächst wirksam wird. Wie die aufgescheuchten Hühner rennen viele Unternehmen und Berater wild durcheinander und gackern lautstark. Andere verfahren nach der Vogel-Strauß-Taktik und stecken den Kopf in den Sand.

Täglich erreichen mich mehrere E-Mails von Unternehmen, die meine Daten bereits besitzen und mit meiner Zustimmung nutzen. Sie alle möchten noch einmal meine Zustimmung haben, diese weiterhin nutzen zu dürfen. Was für ein unnötiger und für mich extrem nerviger Aufwand!

Wie viel Arbeitszeit mögen wohl alle Unternehmen mit Sitz und mit Kunden in der EU insgesamt in Summe aufwenden, um den Anforderungen der DSGVO genüge zu leisten? Das müssen Kosten in Milliardenhöhe sein. Und ein Großteil dieser Aufwände und Kosten würde nicht anfallen, wenn der Gesetzgeber endlich so vernünftig wäre, diese aktiv zu vermeiden. Schuld ist das für mich völlig widersinnige Prinzip, dass jedes einzelne Unternehmen seit jeher verpflichtet wird, das Rad ständig neu zu erfinden. Die DSGVO ist da nur der Gipfel eines riesigen Bürokratie-Eisbergs.

Nehmen wir beispielsweise das Widerrufsrecht für private Endkunden in der EU. Wer ein Produkt online bei einem Unternehmen der EU kauft, hat innerhalb der ersten 14 Tage nach Lieferung der Ware ein Widerrufsrecht, kann also die Bestellung stornieren und die Waren zurücksenden. Im Prinzip eine gute Regelung.

Nur leider hat es sich der Gesetzgeber einfach gemacht: Obwohl das Widerrufsrecht automatisch gilt, ist jeder Unternehmer verpflichtet, den Kunden explizit darauf hinzuweisen. Dabei sind genaue Formen und Abläufe einzuhalten, sogar ein Musterformular für den Widerruf muss er den Kunden zur Verfügung stellen! Warum so kompliziert?

Warum gibt es nicht eine amtliche Online-Seite, auf der dieses Widerrufsrecht für jeden klar verständlich und rechtlich absolut wasserdicht erklärt wird und auf der ein Blanko-Widerrufsformular abrufbar ist. Warum muss jedes, wirklich jedes einzelne Unternehmen sich selbst die Arbeit machen, eben diese Texte zu erstellen, zu pflegen und dem Kunden zur Verfügung zu stellen – wo es doch ein Link auf die eine einzige offizielle Seite tun würde?

Damit werden tausende, wenn nicht Millionen von Arbeitsstunden jedes Jahr verbrannt! Hinzu kommt die Rechtsunsicherheit, da jede Widerrufsbelehrung potentiell Fehler enthält und somit oftmals das Ziel von Abmahnhaien wird, was eine Menge Geld kosten kann und kleinere Unternehmen schnell in den Ruin treiben kann – ohne dass diese irgendetwas falsch gemacht haben außer vielleicht beim Erstellen der Widerrufsbelehrung einen formalen Fehler eingebaut zu haben.

Auch wenn sie die Verfahren immer tadellos angewendet und niemals einem Kunden geschadet haben, können sie kostenpflichtig abgemahnt werden. Was für ein rechtlicher Wahnsinn!

Bei der DSGVO ist es nun ähnlich. Jeder muss eine Datenschutzerklärung verfassen und bereitstellen. Um dabei rechtlich wasserdicht zu sein, ist es notwendig, alle Begriffe sauber zu definieren und zu verwenden. Damit entstehen teilweise Texte, die mehrere Bildschirme füllen und die somit sowieso kein Kunde mehr lesen wird.

Auch hier wäre es viel einfacher für alle Beteiligten gewesen, wenn seitens der Behörden eine Online-Seite mit allen Grundlagen zur Verfügung gestellt worden wäre, auf die jeder verlinken kann. Diese könnte alle potentiellen Formen der Datenspeicherung und -verarbeitung strukturiert auflisten, und das jeweilige Unternehmen müsste nur noch zu jedem Punkt angeben, ob dieser genutzt wird oder nicht. Fertig wäre eine Datenschutzerklärung, die oftmals nur aus 3 Zeilen bestünde:

„Wir speichern Ihre Daten ausschließlich gemäß der Punkte A1, A2 und A5 der aktuellen Datenschutzverordnung [Link] und geben Ihre Daten ausschließlich gemäß der Punkte B3 und B7 an dritte weiter.“

Aber nein, der Gesetzgeber macht es sich einfach und verlangt von allen Unternehmen (die doch eigentlich gefördert und nicht gefoltert gehören), sich mit Rechtstexten zu beschäftigen, die keiner Seite irgendwelche Vorteile bringen. Die einzigen, die sich mal wieder freuen, sind die Rechtsanwälte…

So etwas macht mich einfach wahnsinnig!

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Des Loosers neue Kleider

Kleider allein machen noch keine Leute!

Mein Sohn hat mich kürzlich mit einer Bemerkung überrascht. Als wir morgens unterwegs zum Bahnhof waren, um ins Büro bzw. zur Universität zu fahren, kamen uns einige Passanten entgegen, einer davon in einem auffällig schicken Anzug mit weißem Hemd und Krawatte. Sein Kommentar dazu: „Der ist offensichtlich nicht wichtig genug!“

Woher kam diese Erkenntnis? Ich bin mir nicht bewusst, mit ihm schon einmal über meine Meinung zum Thema Kleidung (und vor allem Anzüge und Krawatten) gesprochen zu haben. Und trotzdem ist er offenbar der gleichen Ansicht wie ich: Jeder Mann, der einen Anzug trägt (oder vielmehr: tragen muss), kann einem einfach nur leidtun. Gleiches gilt natürlich auch für Kostüme und Hosenanzügen bei Frauen.

Der Anzug und das Kostüm sind die Arbeitsuniform der heutigen Büro- und Geschäftswelt. Millionen von Menschen werden von ihren Arbeitgebern genötigt, unverschämt teure, unbequeme und aufwändig zu reinigende Kleidung zu tragen. Am liebsten in dunkelblau oder dunkelgrau, mit weißem Hemd oder weißer Bluse, dazu noch eine Krawatte oder ein Tuch – fertig ist ein Büroroboter.

Und widersinniger weise führen einige Firmen dann im Gegenzug einen sogenannten „Casual Friday“ ein, an dem die Angestellten ausnahmsweise etwas legerer gekleidet bei der Arbeit erscheinen dürfen. Wie unsinnig – zeigt doch gerade diese, vielleicht wirklich gut gemeinte Geste, dass sich der Arbeitgeber durchaus bewusst ist, was seinen Angestellten mit den sonst geltenden, formalen Kleidungsvorschriften angetan wird.

Viele Unternehmen sind der Meinung, dass besonders gut gekleidete Angestellte das Ansehen des Unternehmens fördern, gegenüber den Kunden Verlässlichkeit und Seriosität ausstrahlen und so zu mehr Umsatz und besserer Kundenbindung führen.

Wenn ich allerdings als Kunde in ein Geschäft, eine Bank oder eine Versicherung gehe und mir steht dort ein Mensch in Anzug oder Kostüm gegenüber, dann denke ich nicht: Ist ja toll angezogen! So seriös! Da habe ich gleich ganz viel Vertrauen in die Beratung!

Im Gegenteil, ich denke: Was für ein armer Wicht, braucht einen edlen Fummel, um sich wichtig genug zu fühlen. Oder auch: Wie nötig muss dieser Mensch es haben, mir etwas zu verkaufen, dass eine solche Verkleidung notwendig scheint? Und dazu noch: Diesem Menschen gilt mein vollstes Mitgefühl – muss hier arbeiten und sich dazu auch noch derart verkleiden!

Da finde ich andere Unternehmen wesentlich angenehmer, die offen dazu stehen, dass ihre Mitarbeiter einheitlich gekleidet sein sollen. McDonalds beispielsweise. Oder die Deutsche Post. Da wird mit sinnvoller, praktischer Arbeitskleidung ein einheitliches Bild des Unternehmens mit hohem Wiedererkennungswert geschaffen, ohne dass die armen Mitarbeiter tausende Euro in Anzüge und Hemden investieren müssen.

Ich besitze übrigens einen Anzug. Genau einen. Und diesen auch schon seit mehr als 25 Jahren. Den habe ich zur Hochzeit meiner Schwester gekauft (oder besser: kaufen müssen) und hatte ihn seitdem nur wenige Male an. Wenn ich mich mal durch familiäre Zwänge genötigt sehe, mich etwas formeller zu kleiden, dann können es schon mal Hemd, Krawatte und Sakko sein. Aber nie freiwillig, sondern immer nur, weil andere es von mir erwarten (vor allem meine Frau). Und dann mit absolutem Widerwillen.

Wenn Kleider tatsächlich Leute machen, dann machen Anzüge und Kostüme Leute, die mir wirklich leidtun!

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Ballast in der Sackgasse

Räumt bitte endlich Windows gründlich auf!

Was für ein Typ Mensch sind Sie? Halten Sie immer penibel Ordnung, entsorgen Sie sofort alles, was nicht mehr zwingend benötigt wird? Sind Sie eher ein Mensch, der alles hortet, in der Hoffnung, man könne es mal wieder benutzen? Oder sind Sie gar ein Messie und können sich selbst von Abfall nicht trennen?

Wenn Sie zur zweiten oder dritten Gattung gehören, werden Sie irgendwann feststellen, dass die Lagerkapazität begrenzt ist und man irgendwann vor lauter Altlasten nicht mehr findet, was man sucht.

Kürzlich habe ich zufällig mal wieder einen Artikel gelesen, mit dem vor vielen Jahren OS X angekündigt wurde, das noch immer aktuelle Betriebssystem für Apple-Computer. Darin stand unter anderem, dass von rund 8.000 Schnittstellenbefehlen der beiden Vorgängersysteme mehr als 2.000 entfernt wurden, um das neue System möglichst schlank zu halten. Vorbildlich!

Leider ist so etwas bei Windows, dem weltweit dominierenden Desktop-Betriebssystem, nie passiert. Nicht nur, dass immer noch fast alle Schnittstellen aus der 16-Bit-Zeit von Windows 3.1 und Windows 95 erhalten geblieben sind, es wurden mittlerweile noch tausende neue Schnittstellenbefehle hinzugefügt.

Deutlich wird dies unter anderem im Bereich der Ausgabe von Grafiken auf dem Bildschirm. Ursprünglich geschah dies mit dem GDI (Graphics Device Interface) unter Nutzung von 16-Bit-Koordinaten. Mit der Umstellung auf 32 Bit wurde auch GDI auf 32 Bit umgestellt. Als Ergebnis gibt es im WMF-Dateiformat (eine Datei mit einer Folge von GDI-Befehlen) noch heute fast alles doppelt – einmal mit 16-Bit-Koordinaten, einmal mit 32-Bit-Koordinaten.

Bald stellte man fest, dass GDI allein nicht mehr ausreicht, um allen neuen Anforderungen gerecht zu werden. Also wurde GDI+ erfunden, eine Klassenbibliothek mit zusätzlichen Befehlen, die unter anderem Kantenglättung, Transparenz und bessere Bitmap-Funktionen anbot.

Leider ist diese Klassenbibliothek nur in Software realisiert, nutzt also keine Hardware-Beschleunigung seitens der modernen Grafikkarten und ist in vielen Situationen extrem langsam. Außerdem kann GDI+ nur auf dem Bildschirm genutzt, nicht aber ausgedruckt werden. Es ist somit von vornherein eine Sackgasse.

Als Microsoft dann irgendwann bemerkt hat, dass weder GDI noch GDI+ für vernünftige Spiele ausreichen, wurde als nächstes DirectDraw erfunden. Eine komplett neue Menge von Befehlen, realisiert als Klassenbibliothek, deren Hauptaugenmerk der direkte Zugriff auf leistungsfähige Grafikkartenchips und somit maximale Leistung war. Anfangs nur als Direct3D für 3D-Anwendungen verfügbar, wurde bald mit Direct2D ein spezieller Ableger für 2D-Anwendungen geschaffen, der von der Leistungsfähigkeit GDI und GDI+ weit in den Schatten stellte.

Leider aber kann auch diese Klassenbibliothek nur auf dem Bildschirm genutzt werden, nicht ausgedruckt. Sie ist somit wieder eine Sackgasse.

Wie kommt das? Ich sehe vor allem folgende Ursachen:

  • Sollte jemals GDI durch etwas Besseres (wie beispielsweise Direct2D) ersetzt werden, müssten geschätzt 90% aller Programme, die nicht auf Direct2D setzen, komplett umgeschrieben werden. Der Aufwand wäre zwar nicht sehr groß, aber trotzdem vorhanden. Und Microsoft befürchtet, damit Entwickler zu vergraulen.
  • Viel schlimmer wäre, dass dann alle (also 100%) der Druckertreiber neu geschrieben werden müssten. Egal, ob für einen einfachen S/W-Drucker, Farbdrucker oder PDF-Drucker. Komplett neu. Und Microsoft befürchtet, damit Hardware-Hersteller zu vergraulen.

Dabei stünden anschließend unglaubliche Möglichkeiten zur Verfügung, von denen Entwickler und Hardware-Hersteller heute doch eigentlich nur träumen können. Warum sollte dadurch jemand vergrault werden?

Was bleibt einem genervten Entwickler? Man pickt sich die Rosinen aus allen Möglichkeiten heraus und muss deshalb alle verschiedenen Systeme kennen und beherrschen. Vieles kann nicht oder nur sehr eingeschränkt ausgedruckt werden, anderes verträgt sich nicht untereinander.

Zusätzlich zu Vektorgrafik betrifft diese Baustelle auch alles, was mit Bitmaps zu tun hat. Auch hier ist man als Entwickler gezwungen, sich Befehle und Funktionen aus verschiedensten Quellen und Fremdbibliotheken zusammen zu suchen, um daraus ein schlüssiges Ganzes zu kreieren.

Da wünscht man ein wenig mehr Mut seitens Microsoft und den Willen, mal gründlich aufzuräumen und Ballast abzuwerfen. Aber spätestens seit Windows 10, welches uns anscheinend unter diesem Namen auf Dauer erhalten bleiben wird, ist die Wahrscheinlichkeit für eine solche Aufräumaktion gegen Null gesunken. Schade!

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Der oder die Sprache

Ich will nicht jedes Wort hinterfragen müssen!

Liebe Leser!

Oder vielmehr: Liebe Leserinnen und Leser!

Oder sollte ich besser schreiben: Liebe Leser/innen? Oder: Liebe Leser*innen? Wie wäre es mit: Liebe Lesende! Meine Güte, so viele Möglichkeiten und Entscheidungen, bevor ich mit dem eigentlichen Text beginnen kann…

Immer wieder gibt es Diskussionen, wenn sich irgendjemand irgendwo erdreistet, in einem offiziellen Text oder in einer Rede geschlechterspezifische Bezeichnungen zu verwenden, obwohl er doch alle meint: Frauen, Männer, Mädchen, Knaben und alle nicht ganz so eindeutigen Geschlechter dazwischen.

Hoppla – erstes Fettnäpfchen, Sie haben es bestimmt bemerkt. Da habe ich doch tatsächlich „er“ geschrieben. Viele werden jetzt sofort aufschreien: Damit können doch nur Männer gemeint sein! Was ist mit Frauen? Warum werden diese ausgeschlossen? Also gut, noch einmal für alle:

Immer wieder gibt es Diskussionen, wenn sich irgendjemand irgendwo erdreistet, in einem offiziellen Text oder in einer Rede geschlechterspezifische Bezeichnungen zu verwenden, obwohl sie oder er doch alle meint: Frauen, Männer, Mädchen, Knaben und alle nicht ganz so eindeutigen Geschlechter dazwischen.

Besser, aber immer noch nicht fettnapffrei. Denn „irgendjemand“ ist männlich, es heißt schließlich „der Jemand“ und nicht „die Jemand“. Noch immer schreien einige auf, wenngleich nicht ganz so viele. Hier der nächste Versuch:

Immer wieder gibt es Diskussionen, wenn sich irgendeine oder irgendeiner irgendwo erdreistet, in einem offiziellen Text oder in einer Rede geschlechterspezifische Bezeichnungen zu verwenden, obwohl sie oder er doch alle meint: Frauen, Männer, Mädchen, Knaben und alle nicht ganz so eindeutigen Geschlechter dazwischen.

Aus Sicht der Geschlechter-Hygiene (ja, dieses Wort wird tatsächlich in diesem Zusammenhang benutzt) ist dieser Satz schon ziemlich gut. Aber besser? Ich denke nicht… Außerdem: Wer sagt denn, dass die weibliche Form immer zuerst genannt werden muss? Da könnten sich die männlichen Adressaten doch benachteiligt vorkommen! Also immer schön weiterprobieren und umformulieren:

Immer wieder gibt es Diskussionen, wenn sich irgendwer irgendwo erdreistet, in einem offiziellen Text oder in einer Rede geschlechterspezifische Bezeichnungen zu verwenden, obwohl doch alle gemeint sind: Frauen, Knaben, Mädchen, Männer und alle nicht ganz so eindeutigen Geschlechter dazwischen.

So, jetzt dürften die meisten Aufschreie verstummt sein. Keine unnötige Geschlechtsdopplung, die Aufzählung der Geschlechter wurde (als Kompromiss) alphabetisch sortiert. Ist dadurch der Satz besser geworden? Oder die Aussage eine andere? Ich denke nicht. Aber was tut man nicht alles, um Menschen zufriedenzustellen.

(Übrigens, Sie haben richtig gelesen: „zufriedenzustellen“ und nicht „zufrieden zu stellen“. Auch wenn ich mich sehr bemühe, meine Texte gemäß den aktuellen Rechtschreibregeln korrekt zu schreiben, verweigere ich mich doch einigen neueren Regeln der Zusammen- und Getrenntschreibung. Aus meiner Sicht bedeutet „zufriedenstellen“ (ein Wort) etwas anderes als „zufrieden stellen“ (zwei Worte), Und viele, mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe, sehen es genauso. Aber das soll Thema eines zukünftigen Blogs sein…)

Warum muss Deutsch so eine „bedeutungsschwangere“ Sprache sein? Warum können wir nicht den ganzen Ballast der Geschlechter abwerfen und einfach nur entspannt miteinander kommunizieren? Derzeit ist mir Sprache einfach viel zu überladen mit allen möglichen unterschwelligen Interpretationsmöglichkeiten, die keinem helfen.

Fairerweise möchte ich erwähnen, dass es im Englischen auch nicht viel besser ist, obwohl dort die meisten Worte neutralen Geschlechts sind. Auch dort wird die Verwendung von „he“ (er, Singular) und „she“ (sie, Singular) vermieden, indem stattdessen „they“ (sie, Plural) benutzt wird – was im Deutschen dann wiederum als „sie“ übersetzt werden müsste und somit für uns keine Alternative ist.

Was bleibt? Entweder viele Menschen verärgern oder äußerst umständliche, sperrige Satzkonstruktionen schaffen. Dabei möchte ich doch einfach nur meine Meinung zum Ausdruck bringen und Menschen zum Nachdenken anregen. Alle Menschen, egal welchen Geschlechts, welcher Herkunft und welcher Bildung!

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Fortschrittsbremse Patent

Lasst den Ideen freien Lauf zum Wohle aller!

Ich weiß, dass mir viele Vertreter aus der Industrie und Wirtschaft, wahrscheinlich auch aus der Politik, jetzt schon aus Prinzip widersprechen werden, aber meiner Meinung nach sind Patente eine einzige, egoistische Fortschrittsbremse.

Natürlich verstehe ich den Wunsch eines jeden Erfinders, „seine“ Errungenschaft für sich zu sichern und davon finanziell möglichst lange und üppig zu profitieren. Und dass in den Bereichen, in denen es weniger um einfache Ideen, sondern vielmehr um aufwändige Prozesse mit kostspieligen Tests und Zulassungsverfahren geht, das Patent quasi die Rückversicherung dafür ist, die in die Entwicklung hineingesteckten Kosten über die Zeit wieder zurückzuerhalten.

Doch sobald etwas weniger egoistisch aus Sicht der Patentinhaber gedacht wird, wird klar, was Patente eigentlich tun – sie bremsen den Fortschritt. Warum?

Stellen wir uns einmal eine kleinere Firma vor, die eine wirklich gute Idee hat. Was kann sie nun tun? In der derzeitigen rechtlichen Situation hat eine solche Firma nur wenige Optionen.

  • Der naive Ansatz: Es wird schon niemand anderes unsere Idee gehabt haben. Also entwickeln wir das Produkt weiter, bringen es auf den Markt und hoffen, dass es sich gut verkauft. Allerdings kann jederzeit ein Schreiben eines Anwalts oder einer Patentverwertungsfirma bei uns eintrudeln, welches das Geschäft schlagartig beendet, da genau diese Idee bereits von jemand anderes patentiert wurde.
  • Der rechtlich korrekte Ansatz: Wir versuchen zuerst, unsere Idee zu patentieren. Dies kostet aber eine große Menge Zeit und Geld, und ob es jemals erfolgreich ist, kann niemand wissen. Dazu muss natürlich auch überprüft werden, ob die gleiche (oder zumindest eine sehr ähnliche) Idee bereits patentiert wurde. Das kann man nicht mal eben online abfragen. Zumal jedes Land seine eigenen Patente hat. Für ein solches Vorgehen fehlen jeder kleineren Firma die Ausdauer und das finanzielle Polster.
  • Der realistische Ansatz: Wir lassen es einfach sein, da die Risiken des naiven Ansatzes zu groß sind und wir uns den rechtlich korrekten Ansatz weder zeitlich noch finanziell leisten können.

Ergebnis: Wieder eine (vielleicht weltverändernde) Idee, die nie realisiert wird.

Doch nicht nur für „neue“ Ideen ist das Patent hinderlich, auch für die Weiterentwicklung bereits gefundener Ideen. Warum sollte eine Firma einen Prozess weiterentwickeln, für den eine andere Firma ein Patent innehat? Das gibt sowieso nur Ärger. Und die Firma, die das Patent besitzt, hat keinen großen Anreiz, es zu überarbeiten, denn sie dürfte mit dem bestehenden Patent bereits genug verdienen.

Einen wirklichen Schutz bieten Patente sowieso nicht, denn wer wirklich will, kann jedes Patent umgehen, indem er einen Prozess hinreichend abwandelt. Oder in ein Land geht, dass jenes Patent nicht interessiert. Und das führt schon wieder dazu, dass unnötiger Aufwand betrieben wird – auf Seiten des Patentinhabers, da ihm das ganze Patentieren nichts gebracht hat, und auf Seiten des Konkurrenten, da dieser das Patent aufwendig umgehen musste.

Noch viel allgemeiner betrachtet: Soll es wirklich das Ziel von Politik und Rechtsprechung sein, dass wie heute einige wenige, große Unternehmen über patent-gesicherte Quasi-Monopole oder mit Massen von eingekauften Patenten das große Geld machen (siehe auch Freiheit für die Daten) und damit die allgemeine Entwicklung bremsen, oder ist es nicht vielmehr wichtiger, die technische Entwicklung der Menschheit als Ganzes langfristig zu fördern? Wäre es nicht fair, wenn alle Ideen grundsätzlich für alle verfügbar wären?

Dann sollten endlich alle Patente abgeschafft werden, um der Entwicklung freien Lauf zu lassen! Im Gegenzug sollten die Kosten von Erfindungen, die der Menschheit helfen, von der Allgemeinheit übernommen und automatisch allen zur freien Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Damit würde die technische Entwicklung mit Sicherheit noch einmal deutlich beschleunigt werden!

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Arbeit gibt es eigentlich genug

Macht es einfacher, jemanden einzustellen!

Alle reden von den Millionen von Arbeitslosen. Davon, dass viele von ihnen gar nicht arbeiten wollen, und dass für die anderen nicht genug Arbeit vorhanden ist. Auch der Begriff der „Servicewüste Deutschland“ geht durch die Medien. Und mit was? Mit Recht!

Das große Aha-Erlebnis hatte ich, als ich vor nunmehr 20 Jahren in den USA war. Das Personal in den Geschäften war freundlich bis zum Erbrechen, und der König Kunde wurde vorzüglich bedient. Da wäre beispielsweise das Eintüten der Einkäufe im Supermarkt – versuchen Sie gar nicht erst, den Angestellten davon abzuhalten. Entweder, er will es nicht verstehen, oder er ist ernsthaft beleidigt! Oder die Bedienung in Restaurants – da wird Ihr Glas kostenlos nachgefüllt, bevor der letzte Schluck der vorherigen Füllung in Ihrem Magen angekommen ist. Fehlt eigentlich nur noch ein Klopapier-Abreißer auf jeder Toilette. Und selbst dieser würde seine Arbeit noch verrichten, als wäre sie die wichtigste auf der ganzen Welt.

Mit dieser Einstellung ließen sich auch bei uns hunderttausende Arbeitsplätze schaffen. Natürlich sind diese im Niedriglohnbereich. Aber was ist schlimm daran? Bevor ich mir den Hintern auf dem Sofa breitsitze und Hartz IV kassiere, arbeite ich doch lieber für mein Geld. Nur leider ist dies in Deutschland praktisch gesehen oftmals unmöglich.

Versuchen Sie mal, eine Reinigungskraft für wenige Stunden pro Monat zu bekommen. Da haben Sie genau zwei Möglichkeiten:

  • Entweder, Sie stellen jemanden „fest“ ein und kämpfen mit der überbordenden Bürokratie beim Finanzamt, bei der Krankenkasse, der gesetzlichen Unfallversicherung, der Sozialversicherung, und vieles mehr. Sie müssen im Krankheitsfall den Lohn fortzahlen und für Ersatz sorgen – das ist viel zu viel Arbeitsaufwand für wenige Stunden pro Monat.
  • Oder aber Sie suchen jemanden auf dem „freien Markt“ (auch Schwarzarbeit genannt), so, wie einige meiner Nachbarn und Bekannten. Da bleibt einem zwar der Bürokratieaufwand erspart, aber dafür ist es illegal und viel unsicherer.

Gleiches gilt für Hilfe bei der Gartenarbeit. Auch hier ist es unmöglich, jemanden zu finden, der regelmäßig, aber jeweils nur wenige Stunden pro Monat, vorbeikommt und beispielsweise Rasen mäht oder Unkraut zupft. Selbst Schüler sind sich mittlerweile zu fein, solche Arbeiten gegen ein (gar nicht mal kleines) Taschengeld auszuführen.

Was bleibt? Entweder nur ein paar Mal pro Jahr den Gärtner holen, was aber nicht wirklich funktioniert, oder auf die „Hilfe unter Freunden“ zurückgreifen, die entweder in Sachwerten oder Bar auf Tatze bezahlt wird.

Eine dritte Alternative gibt es meines Wissens nicht. Nach längerer Recherche war es mir nicht möglich, ein seriöses Unternehmen im Raum Braunschweig ausfindig zu machen, welches für Privatpersonen Putzhilfen auf Stundenbasis anbietet. Oder Hilfen für den Garten. Oder Einkaufsservice. Oder Kinderbetreuung.

Was bleibt dem eigentlich ehrlichen, Möchtegern-Arbeitgeber da noch für eine Möglichkeit, außer Schwarzarbeit zu unterstützen? Mangels der entsprechenden Anbieter für solche Dienstleistungen haben natürlich auch die eigentlich ehrlichen Arbeitssuchenden kaum eine Alternative dazu, schwarz zu arbeiten. Zumal man ganz leicht noch Hartz IV nebenbei kassieren kann.

Damit gehen dem Staat, der Sozial- und Krankenversicherung sicherlich viele Millionen, wenn nicht sogar Milliarden durch die Lappen. Und Schuld daran ist zu einem großen Teil der Regulierungs- und Vorschriftenwahn in Deutschland und Europa.

Ich zumindest habe die Suche schon seit langem aufgegeben. Denn weder Bürokratiewahn noch Schwarzarbeit sind für mich eine akzeptable Lösung. Da putze ich lieber selbst und mähe genervt den Rasen…

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Ausprogrammierte Paranoia

Sicherheitswahn kann ansteckend sein!

Bestimmt ist jeder von Ihnen schon einmal mit dem Zug gefahren. Ein meistens sehr angenehmes Verkehrsmittel, weil es vergleichsweise planbar und pünktlich ist, im Vergleich zum Bus und Flugzeug einen hohen Reisekomfort bietet und insgesamt sehr sicher ist.

Woher kommt dieser Sicherheit? Zum einen natürlich daher, dass der Zug auf „seiner“ Schiene unterwegs ist. Ein eigener Verkehrsweg, der fast komplett der Kontrolle der Bahn unterliegt (von lebensmüden Menschen am Gleis, bekloppten Autofahren an Bahnübergängen und ein paar Tieren mal abgesehen). Zum anderen aber daher, dass Entwickler bei der Bahn einem Sicherheitswahn verfallen sind, der nur noch von dem der Luft- und Raumfahrt übertroffen wird.

Ich hatte die zweifelhafte Freude, für einige Jahre bei einem großen Hersteller von Bahntechnik als externer Entwickler beschäftigt zu sein und muss sagen, dass dieser Sicherheitswahn, diese Paranoia, absolut ansteckend ist. Alles, aber auch alles, was bei der Bahntechnik entwickelt wird, muss vor allem eines sein: Sicher!

„Sicher“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass jedes System, egal, ob Hardware, Software oder eine Kombination daraus, einen sehr hohen Aufwand treibt, um Fehler in der Entwicklung zu vermeiden und einen noch höheren Aufwand treibt, um Fehler im Betrieb zu erkennen und darauf so zu reagieren, dass das System in einen definierten, sicheren Zustand zurückfällt. Bei der Bahn heißt das in Regel: Im Zweifelsfall gibt es eine Notbremsung. Ein Zug, der steht, kann keinen Schaden anrichten.

„Sicher“ bedeutet im Gegensatz nicht, dass das System zuverlässig und dauerhaft arbeitet. Lieber steht der Zug, als dass er sich unkontrolliert (oder unkontrollierbar) bewegt. Wichtiger als effizienter Code ist Code, der Fehler schon vom Design her erkennt und verlässlich definierte Fehlerzustände einnimmt.

Man lernt, dass auch solche Fehler als möglich anzunehmen sind, die eigentlich nie auftreten und bei normalen Programmen völlig vernachlässigt werden. Zum Beispiel, dass sich der Inhalt einer Speicherzelle einfach mal willkürlich ändert. Oder dass ein Sprung willkürlich an eine falsche Stelle im Code erfolgt.

Was folgert daraus? Da man willkürliche Datenfehler und Sprünge technisch nicht wirklich abfangen kann, greift man zur Redundanz. Jedes System wird doppelt ausgelegt, so dass zwei (am besten unterschiedliche) Hardware-Systeme parallel laufen und sich ständig gegenseitig abfragen, ob sie sich beide im gleichen Zustand befinden. Sind sie sich mal nicht einig, wird sofort der sichere Zustand eingenommen – Notbremsung!

Ganz verrückt wird es, wenn versucht wird, ein solches doppeltes Hardwaresystem zu vermeiden. Nun muss die Software selbst dafür sorgen, dass willkürliche Fehler mit hoher Wahrscheinlich erkannt werden. Die skurrilste Lösung dafür ist die sogenannte „diversifizierte Programmierung“. Alles, was irgendwie sicherheitsrelevant ist, wird doppelt programmiert und läuft parallel.

Einer der beiden Tasks muss alles „anders herum“ machen als der andere. Dazu werden alle Daten binär invers und mit umgekehrter Bitreihenfolge abgelegt, was ein gewaltiger Aufwand ist, denn jegliche Form der Datenmanipulation muss „von Hand“ gemacht bzw. als spezifische Klassen ausprogrammiert werden. Alle Datenstrukturen werden anders herum sortiert, selbst Felder und Liste müssen anders herum abgelegt werden. Und dann werden diese Daten auch noch regelmäßig (alle paar Millisekunden) miteinander verglichen, und zwar von beiden Tasks überkreuz. Tritt hierbei eine Abweichung zutage – zack! Notbremsung!

Was habe ich daraus gelernt? Vor allem eines: Fehler können auftreten. Auch unwahrscheinliche Fehler werden auftreten. Und ein erster Schritt in Richtung zuverlässiger Programmierung ist sichere Programmierung. Nur darf man das in normalen System nicht übertreiben, denn bei Programmen wie unserem CAD-System ist auch Effizienz wichtig. Trotzdem darf man nie die möglichen Fehler (seitens der Daten oder der Benutzer) vernachlässigen und sollte immer einen sicheren Zustand erreichen.

Ein bisschen Paranoia schadet nicht!

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