Doppelt und dreifach hält besser?

Macht Euch Gedanken, wieviel Verpackung sein muss!

Jeder Gang in den Supermarkt wird für mich zur geistigen Folter. Nicht, weil mich das große Angebot überfordern würde oder weil mir dort so erschreckend viele Leute über den Weg laufen, sondern weil ich mich immer wieder frage: Muss das denn sein?

Themen wie Umweltschutz, Klimaschutz und Tierschutz sind derzeit groß in Mode. Wer mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegt, muss sich (meiner Meinung nach zu Recht) schämen. Alle reden vom Elektroauto, auch wenn es insgesamt nur wenig Schadstoffe gegenüber einem sparsamen Auto mit Verbrennungsmotor einspart. Und Plastik gilt als besonders umweltschädigender Rohstoff.

Doch wenn das wirklich so ist, warum nimmt der Plastik-Anteil an der Verpackung gefühlt immer weiter zu?

Vor einiger Zeit hatte ich mal wieder Lust auf etwas Süßes. Ging also zum Kiosk bei unserem Büro um die Ecke. Eine Haselnusstafel sollte es sein, die Sorte, die es schon in meiner Kindheit gab. Knusprig, nussig, süß, lecker. Doch was musste ich sehen? Die Verpackung hatte sich mal wieder geändert – hin zu Plastik.

Vor Jahrzehnten gab es die Haselnusstafel einzeln verpackt in einer Metallfolie mit einem aufgeklebten Papieretikett, unter dem sich oftmals als Aktion ein toller Aufkleber befand. Das war eine gute Verpackung aus Sicht der Umwelt, denn die Metallfolie war komplett wiederverwertbar, genauso wie das Papieretikett.

Einen Nachteil hatte diese Verpackung allerdings: Sie war nicht luftdicht. Dazu kam, dass alle Verkäufer, egal ob Kiosk, Tankstelle oder Supermarkt, ein berechtigtes Interesse daran haben, möglich große Verpackungseinheiten zu verkaufen, um die Gewinnmarge zu erhöhen.

Also wurde vor ein paar Jahren eine neue Verpackung für die Haselnusstafeln erschaffen: Zwei dieser Tafeln, jeweils einzeln in einer Schale gefaltet aus Metallfolie liegend, wurden übereinandergestapelt und mittels einer bunt bedruckten Plastikhülle zusammengehalten. Voilà, beide Kritikpunkte erledigt: Luftdicht und eine größere Mindestmenge.

Bei dieser Verpackungsform konnte ich die Entscheidung, die Außenhülle aus Plastik zu fertigen, aus Sicht der Haltbarkeit noch verstehen. Doch weil es immer schlimmer kommt, dachte man sich vor nicht allzu langer Zeit anscheinend: Auweia, da wird noch viel zu wenig Plastik vergeudet! Schon tobten sich Produktdesigner aus und erfanden eine neue Verpackung:

Nun wird jede einzelne Haselnusstafel in eine durchsichtige Plastikfolie eingeschweißt. Zwei Stück davon werden nebeneinandergelegt und mittels einer zweiten, dickeren, bunt bedruckten Plastikfolie zu einem Produkt vereint. Aber warum? Bereits die erste Plastikfolie um jede Tafel gewährleistet die Haltbarkeit. Warum noch eine Schicht Plastik? Wo es beispielsweise auch Pappe oder Papier getan hätte?

Man könnte nun sagen: Na gut, ist nicht schön, aber das ist ein Produkt von vielen, das wirkt sich doch kaum aus. Schon richtig, nur solch Verpackungswahn gibt es bei noch viel mehr Produkten!

Nehmen wir beispielsweise die Stapelchips eines bekannten Herstellers. Früher befanden sich diese einfach in einer beschichteten Papprolle. Heute hingegen liegen die Chips sauber aufgereiht in einer Wanne aus Plastik, die ihrerseits dann noch in einer Plastikfolie eingeschweißt wird – das ganze kommt dann schließlich in eine Papprolle. Also drei Schichten Verpackung!

Oder nehmen wir die üblichen Keksverpackungen: Die Kekse liegen meist ebenfalls in einer Plastikwanne, die eingeschweißt und dann in einer Pappschachtel verpackt wird. Zweimal Plastik, wo es einmal auch tun würde.

Vor allem diese Wannen können problemlos auch aus Pappe gefertigt werden. Ein Hersteller, der diesen kürzlich endlich Schritt gegangen ist, wirbt mittlerweile sogar auf der Verpackung damit, dass sie damit Plastik einsparen würden! Das würde ich gern öfter sehen.

Noch schöner fände ich es allerdings, wenn die Hersteller und die Händler endlich echte Anstrengungen unternehmen würden, unnötige Verpackung einzusparen und Plastik, wo immer möglich, durch Pappe und Papier zu ersetzen. Dafür bin gerne bereit, hin und wieder einen zerbröselten Keks hinzunehmen!

Aber solange eine Verpackung schlechter ist als die nächste, habe ich als eigentlich kritischer Konsument leider kaum eine Wahl – die reinste Folter!

[EOF]

Ein Gedanke zu „Doppelt und dreifach hält besser?“

  1. Im Endeffekt ist es doch wichtig, Müllvermeidung zu vertreiben. Wieso müssen so viele Produkte überhaupt eine Schutzverpackung haben? Neben der beschriebenen 3-fach Verpackung der Haselnussschitten finde ich persönlich ganz besonders schlimm die Blisterverpackungen und nochmal in Plastik verpacktes Obst und Gemüse.

    Und ich möchte hier gerne Werbung für die schon in einigen Städten eröffneten Unverpacktläden machen. Sicherlich ist die Auwahl hier nicht so groß wie in den riesigen Supermärkten, aber wer braucht diese ganze Auswahl?

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