Der Lieferwahnsinn

Bequemlichkeit ist zwar verständlich, aber selten nachhaltig!

Weihnachten ist vorbei und in vielen Branchen beginnt das große Aufatmen. Im Einzelhandel hat man wieder mehr als einen Quadratmeter Platz pro Kunde, die Weihnachtsmärkte sind größtenteils geschlossen und die obligatorischen Weihnachtsfeiern sind abgefeiert. Man bekommt unter der Woche wieder einen Tisch im Lieblingsrestaurant und einen Platz im Parkhaus nebenan.

Vor allem aber können die vielen Paketdienste langsam wieder etwas entspannen. Die meisten Weihnachtsgeschenke sind angekommen, der Umtausch macht nur ein Bruchteil dessen aus, was in den Wochen zuvor gelaufen ist. Und die meisten Auftraggeber sind plötzlich wieder entspannt, weil der Stichtag „Heiligabend“ nicht mehr droht.

In all diesem Weihnachtstrubel frage ich mich: Warum? Warum tun wir uns und der Umwelt das eigentlich an? Warum kaufen wir immer mehr online und vor allem: Warum muss die Lieferung immer schneller gehen und immer günstiger sein – am besten kostenlos?

Am einfachsten wäre es jetzt zu sagen, dass die bösen Online-Händler schuld daran sind – vor allem der eine große, der zur Weihnachtszeit massiv Fernsehwerbung macht. Der quasi alles im Angebot hat und fast alles gegen eine jährliche Zahlung per Express kostenlos am nächsten Werktag liefert. Der jeden anderen Anbieter konsequent zu unterbieten versucht, auch wenn er dadurch letztlich kaum Gewinn macht.

Doch eigentlich sind wir alle schuld. Wir faulen, bequemen, verwöhnten Endkunden. Wir erwarten, dass immer alles verfügbar ist. Dinge des täglichen Bedarfs, Kleidung, Schuhe, Bücher, Technik, Geschenke für jeden wichtigen und unwichtigen Anlass. Ein Klick und ab geht die Post! Herrlich!

Denkt man einmal in Ruhe darüber nach, wird jedem klar, was für ein Wahnsinn das eigentlich ist. Wie viele Ressourcen für die Produktion, Lagerung und fürs Versenden und Rücksenden all dieser ach so wichtigen Dinge verbraucht werden.

Im Bereich der Musik, der Bücher und der Filme habe ich für mich schon lange eine Konsequenz daraus gezogen und beschaffe diese Sachen nur noch digital. Teilweise durch Download, teilweise durch Streaming. Erst kürzlich habe ich meine langjährige Mitgliedschaft in einer Versandvideothek gekündigt, die zwar immer noch in Sachen Auswahl jeden einzelnen Streamingdienst aussticht, aber gegen alle zusammen keine Chance hat. Auch in unserer Firma stellen wir für die Lieferung unserer Software komplett auf Download um, um weniger Verpackungsmüll und Versandaufwand zu erzeugen.

Einen kompletten Verzicht auf Versand-Bestellungen kann ich mir allerdings nicht vorstellen. Kleidung kann ich nicht vor Ort kaufen, denn kein Geschäft in Braunschweig hat eine vorzeigbare Auswahl an Kleidungsstücken in großen Größen. Im Bereich der Technik und Unterhaltungselektronik weiß ich zu genau, was ich möchte, und finde es garantiert nicht vor Ort. Gesellschaftsspiele kann ich vor Ort gar nicht kaufen, da es keinen Händler vor Ort gibt, der diese in hinreichender Auswahl führt oder bereit ist, diese auf Anfrage zu beschaffen.

Vielleicht schaffe ich es ja im kommenden Jahr zumindest, mich selbst etwas zu beschränken und mit weniger, besser kombinierten Lieferungen ohne Expressoption klarzukommen. Es muss ja nicht immer jedes Produkt einzeln bestellt und schon morgen kostenlos geliefert werden.

Damit ließe sich die Anzahl der Pakete pro Jahr deutlich reduzieren. Weniger Verpackungsmüll, weniger CO2-Ausstoß durch Lang- und Kurzstreckentransporte, weniger gestresste Paketdienstfahrer, die nur Vollgas und Vollbremsung kennen, um ihre Arbeitslast überhaupt noch schaffen zu können. Damit wäre vor allem der Umwelt geholfen!

Doch da höre ich schon wieder Leute schreien, dass damit ganz viele Arbeitsplätze in der Logistikindustrie und im Handel gefährdet würden. Und ich lese immer wieder, dass der Download eines Films letztlich fast genauso viel Energie frisst wie das Liefern einer DVD. Ist also auch wieder falsch…

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