Das allgegenwärtige Mode-Diktat

Die Bekleidungsindustrie bestimmt unser Äußeres!

Wann waren Sie zuletzt am Ende des Sommers in einem Kleidungsgeschäft und haben versucht, eine Sommerjacke zu kaufen? Haben Sie jemals versucht, die gleiche Hose, die Sie vor zwei Jahren gekauft haben, und die perfekt sitzt, noch einmal zu bekommen? Dann werden Sie verstehen, worüber ich mich jetzt auslassen möchte…

Wer mich kennt, weiß, dass ich weder klein noch schlank bin. Ich bin mit 1,82 Metern größer als der Durchschnitt und mit deutlich über 100 Kilogramm sehr umfangreich. Wenn ich mir also irgendwelche Kleidung kaufen möchte, habe ich grundsätzlich ein Problem. Denn die Auswahl oberhalb von Größe 60 oder 3XL ist stets spärlich. Selbst die vielen Online-Shops, die sich auf Mode für „Ganze Kerle“ oder „XXL-Männer“ spezialisiert haben, bieten nur einen winzigen Bruchteil der Auswahl, die dem Durchschnittsmann zur Verfügung steht.

Ich kann ja noch verstehen, dass es aufgrund beschränkter Lagerkapazität zu einem gewissen jahreszeitlichen Wechsel der verfügbaren Bekleidung kommt, zu einer Verschiebung der Anteile von leichten Blusen und Strickpullovern. Doch warum gibt es schon im August keine einzige Sommerjacke mehr zu kaufen und im Februar keine Winterjacke mehr?

Als wäre das nicht schon schlimm genug, kommt dann noch das Konzept der „Mode“ ins Spiel. Schon vor Jahrzehnten hat die Bekleidungsindustrie beschlossen, uns Menschen mit einem ständigen Wechsel der Kollektionen und des Zeitgeistes zu foltern. Kaum hat man mal ein Teil gefunden, dass einem sowohl passt als auch gefällt, ist es eigentlich schon „veraltet“ und in wenigen Wochen nicht mehr zu bekommen.

Selbst große Markenhersteller, die noch vor wenigen Jahren dafür bekannt waren, einige Standardprodukte jahrzehntelang völlig unverändert herzustellen und dem genervten Endkunden damit eine kleine Entspannung in Sachen Kleidungskauf zu gewähren, fangen mehr und mehr an, auf kurzfristige Produkte und ständige „Neuheiten“ zu setzen. Beispielsweise der Hosenhersteller Pioneer oder der Schuhfabrikant Birkenstock.

Und weil dieser ständige Wechsel dessen, was gerade „in“ und angesagt ist, natürlich auch in die Welt getragen werden muss, haben sich drumherum ganz viele Profiteure gefunden, die das Mode-Diktat mittragen und zu ihrem eigenen finanziellen Vorteil verbreiten. Mode- und Frauenzeitschriften, Fernsehsendungen, Fashion-Weeks und Mode-Blogger. Letztere teilweise sogar, und das finde ich noch schlimmer, nur zur Befriedigung des eigenen Geltungsbedürfnisses.

Aus wirtschaftlicher Sicht der Akteure ist das absolut zu verstehen, denn wie soll man mit einer qualitativ hochwertigen Hose oder Jacke, die jahrelang hält, Umsatz machen? Was hilft es ihnen, wenn ein Paar Schuhe auch nach 20 Jahren noch wie neu aussieht und bei Bedarf repariert werden kann? Gar nichts! Heutzutage ist es wichtig, dass jedes verkaufte Teil nach möglichst kurzer Zeit entweder abgenutzt oder „out“ ist. Denn nur so kann man mit den Billiglohnsklaven in Asien und anderswo möglichst viel Gewinn erwirtschaften.

Dass dabei die Menschlichkeit und die Umwelt vor die Hunde gehen, interessiert diese Unternehmen nicht. Und die meisten Kunden auch nicht, die wie Lemminge dem Trend folgen und sich freuen, dass sie eine Bluse für 4,99 Euro oder eine Hose für 9,99 Euro erstehen konnten. Wahrscheinlich sogar ein bisschen stolz auf sich sind, weil sie ein solches Schnäppchen niedergestreckt haben.

Also lesen wir morgen bereits in jeder Illustrierten, dass das, was wir heute gekauft haben, nicht mehr in Mode ist. Dass es unverzeihlich ist, nicht dem neuesten Trend zu entsprechen. Und dass wir dringend wieder etwas Neues kaufen müssen!

Ich versuche alles, mich diesem Trend zu widersetzen. Versuche, nur Kleidung zu kaufen, die ich wirklich benötige und bei der ich davon ausgehe, dass ich sie auch noch in einigen Jahren tragen kann und werde. Wenn ich damit „out“ bin, sei’s drum…

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