Muss das Runde ins Eckige?

Es gibt ein Leben neben dem Fußball!

Jetzt ist es wieder soweit: Vor allem durch die allgegenwärtige Werbung bekommt man gerade das Gefühl, dass es für uns alle in den nächsten Wochen nur noch ein Thema geben darf: Die kommende Fußball-Weltmeisterschaft!

Jedes Geschäft bietet Fußball-Fan-Artikel, Fußballsammelbilder, Fußballsammelfiguren, WM-Sonderangebote und -Aktionen. Alle Werbeprospekte kennen nur noch dieses Thema. Das ganze natürlich dekoriert mit ganz viel Schwarz-Rot-Gold und Rasengrün. Wie mich das ankotzt…

Zuerst einmal: Fußball ist ein Sport. Mit Betonung auf „ein“, denn es ist nur ein Sport unter ganz vielen. Für mich ein ziemlich langweiliger Sport. Wenn 22 Menschen stundenlang mehr oder weniger unkoordiniert über den Platz laufen und versuchen, sich gegenseitig den Ball abzujagen und „das Runde ins Eckige“ zu bekommen, passiert zwar einerseits immer irgendetwas, aber kaum etwas Besonderes. Für mich als Zuschauer ist das ungefähr so (un)spannend wie ein Straßenradrennen oder ein Marathonlauf.

Und damit dem Zuschauer die Langeweile nicht so leicht bewusst wird und ihn komplett übermannt bis zum Tiefschlaf, gibt es einen oder mehrere Kommentatoren, die ständig quasseln, dass einem die Ohren nur so qualmen. Dazu werden vor dem Spiel, in der Pause und nach dem Spiel ganz wichtige Experten vor die Kamera gestellt und dürfen so wichtige Sätze sagen wie: „Wir hätten den Sieg verdient!“

Plötzlich ist alles „wir“. Der Reporter spricht von „wir“, die Experten sprechen von „wir“, der Trainer spricht von „wir“, die Spieler sprechen von „wir“. Einzig den Spielern gestehe ich dies zu in der Hoffnung, dass sie sich tatsächlich als eine Mannschaft sehen und nicht als viele Einzelkämpfer. Aber mit welchen Recht sprechen die anderen von „wir“?

Auch strategisch und regeltechnisch ist Fußball meines Erachtens kein guter Sport. Die meisten Fußballspiele sind geprägt von nicht enden wollendem Hin- und Her-Gerenne auf dem Platz, unterbrochen durch ein paar eindrucksvolle Fouls und ganz selten mal von einem nennenswerten Torschuss. Oder meist eher: Torschussversuch.

Einerseits gibt es klare Regeln, was alles nicht erlaubt ist (vor allem im Bereich des Körperkontakts), andererseits wäre das Spiel ohne diesen Körperkontakt noch viel langweiliger, als es sowieso schon ist. Weshalb ein Großteil der eigentlichen Fouls ungeahndet bleibt.

Und wenn sich dann mal wieder ein Spieler anscheinend von Schmerzen geschüttelt auf dem Boden wälzt, um einen Frei- oder Strafstoß für die eigene Mannschaft herauszuschinden, läuft die Zeit auch noch weiter, um dann gegen Ende der Halbzeit umständlich mittels Nachspielzeit ausgeglichen zu werden.

Da lobe ich mir Sportarten, die solche Fälle besser im Griff haben. Nehmen wir beispielsweise American Football. Da gibt es eine echte, auf die Sekunde ermittelte Netto-Spielzeit und keine Schiedsrichterwillkür bezüglich einer Nachspielzeit. Die Regeln sind vielleicht etwas komplexer, dafür wird aber viel mehr abgedeckt. Und im Zweifelsfall gibt es eine Videoanalyse.

Alles in diesem Sport ist darauf ausgelegt, möglichst viele „tolle“ Momente pro Spiel zu erschaffen. Nicht endlose Langeweile! Das ganze Drumherum wie Cheerleader und Stadionsprecher ist vielleicht schon eine Nummer zu viel (typisch amerikanisch), stört aber nicht wirklich.

Noch lieber ist mir allerdings Snooker. Ein hochgradig strategischer Geschicklichkeitssport, der immer im direkten Duell zweier Spieler gegeneinander ausgetragen wird und völlig ohne jedes Brimborium drumherum auskommt. Extrem reizvoll und entspannend zugleich!

[EOF]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s