Ich glaube nicht

Trennt endlich Staat und Kirche!

(Vielleicht kennen Sie ja das gleichnamige Lied von Reinhard Mey. Es ist ein herrlicher Kommentar zur Institution „Kirche“. Doch das nur nebenbei…)

Zuerst möchte ich klarstellen, dass ich durchaus an etwas glaube. Nicht an einen personifizierten „Gott“, wie ihn die vorherrschenden Weltreligionen verehren, aber doch an so etwas wie eine höhere Macht. Eher im technisch-wissenschaftlichen als im spirituellen Sinn, aber dennoch mit allmächtiger Wirkung auf das gesamte Sein aller Dinge und Wesen.

Und ich halte die Kirche als Institution insofern in gewissem Rahmen für sinnvoll, als sie sich lokal vor Ort um das Seelenheil und den Zusammenhalt der Gemeinde kümmert. Aber dann hört es auch schon auf…

Mit welchem Recht erdreistet sich beispielsweise ein einzelner Mann in Rom, seinen Millionen von Schäfchen auf der Welt vorzuschreiben, was Gott für richtig oder falsch hält? Wurde er von seinen mehr als eine Milliarde Untertanen demokratisch gewählt? Oder kam Gott persönlich auf die Erde und sprach vor unabhängigen Zeugen zu ihm: „Du sollst mein Stellvertreter sein“? Mitnichten.

Doch das soll hier nicht das eigentliche Thema sein. Viel schlimmer als die verbalen Ergüsse der jeweiligen Inhaber des Papststuhls (die aufgrund ihrer Sterblichkeit häufig wechseln) und die Tatsache, dass diese Kirche immer noch ein reiner Männerverein ist, ist die ständige Einflussnahme der Kirche auf das tägliche Leben aller Menschen.

Es beginnt mit der Woche. Sie hat sieben Tage – wegen der Erschaffungsgeschichte der Erde in der Bibel. Der Sonntag ist für Christen ein heiliger Tag – weshalb die Kirche dem Staat vorschreibt, dass dieser Tag eine Sonderstellung haben muss! Es darf nur eingeschränkt gearbeitet werden, die meisten Geschäfte dürfen nicht öffnen.

An einigen Feiertagen, beispielsweise dem Totensonntag, sind sogar öffentliche Veranstaltungen verboten, die Freude in Form von Musik und Tanz vermitteln wollen. Unfassbar! Die Kirche schreibt dem Staat als Ganzes (und nicht nur den Gläubigen als Einzelnen) den Sonntag und die Feiertage vor. Und Kirchengelände gilt sogar immer noch als neutral.

Zusätzlich hat es die Kirche auch noch geschafft, den Staat als willigen Handlanger einzuspannen, der für sie die Kirchensteuern eintreibt. Es würde mich interessieren, ob die Kirche dafür wenigstens eine happige Verwaltungsgebühr zahlen muss. Aber auch da hat der Staat wahrscheinlich wieder aus Angst vor der Kirche den Schwanz eingekniffen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – ich habe kein Problem damit, wenn Menschen einen Glauben haben und diesen ausleben. Ich kann gut damit leben, wenn jemand aufgrund seines Glaubens an bestimmten Wochentagen grundsätzlich nicht arbeiten möchte, sei es nun der Freitag oder der Sonntag. Wenn er an bestimmten Tagen im Jahr grundsätzlich frei hat.

Aber nur, solange alle die, die keinem solchen Glauben anhängen, das Recht haben, zu allen ihnen genehmen Zeiten zu arbeiten und ihre Geschäfte zu öffnen. Und solange niemand die „Ungläubigen“ zwingt, sich aktiv an die Glaubensregeln anderer zu halten.

Natürlich soll niemand sieben Tage pro Woche rund um die Uhr arbeiten. Aber dafür Regelungen zu finden ist nicht Aufgabe der Kirche, und auch nicht Aufgabe des Staates. Beide mischen sich schon genug ein. Vielmehr ist dies eine klassische Aufgabe für die Gewerkschaften!

Kurz gesagt: Ich fordere Religionsfreiheit auch für Ungläubige! Das wäre die wahre Trennung zwischen Staat und Kirche. Aber ob das jemals Realität wird? Ich glaube nicht…

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