Das Rad wurde schon erfunden

Ich will nicht die Arbeit der anderen machen!

Derzeit ist die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in aller Munde, weil sie demnächst wirksam wird. Wie die aufgescheuchten Hühner rennen viele Unternehmen und Berater wild durcheinander und gackern lautstark. Andere verfahren nach der Vogel-Strauß-Taktik und stecken den Kopf in den Sand.

Täglich erreichen mich mehrere E-Mails von Unternehmen, die meine Daten bereits besitzen und mit meiner Zustimmung nutzen. Sie alle möchten noch einmal meine Zustimmung haben, diese weiterhin nutzen zu dürfen. Was für ein unnötiger und für mich extrem nerviger Aufwand!

Wie viel Arbeitszeit mögen wohl alle Unternehmen mit Sitz und mit Kunden in der EU insgesamt in Summe aufwenden, um den Anforderungen der DSGVO genüge zu leisten? Das müssen Kosten in Milliardenhöhe sein. Und ein Großteil dieser Aufwände und Kosten würde nicht anfallen, wenn der Gesetzgeber endlich so vernünftig wäre, diese aktiv zu vermeiden. Schuld ist das für mich völlig widersinnige Prinzip, dass jedes einzelne Unternehmen seit jeher verpflichtet wird, das Rad ständig neu zu erfinden. Die DSGVO ist da nur der Gipfel eines riesigen Bürokratie-Eisbergs.

Nehmen wir beispielsweise das Widerrufsrecht für private Endkunden in der EU. Wer ein Produkt online bei einem Unternehmen der EU kauft, hat innerhalb der ersten 14 Tage nach Lieferung der Ware ein Widerrufsrecht, kann also die Bestellung stornieren und die Waren zurücksenden. Im Prinzip eine gute Regelung.

Nur leider hat es sich der Gesetzgeber einfach gemacht: Obwohl das Widerrufsrecht automatisch gilt, ist jeder Unternehmer verpflichtet, den Kunden explizit darauf hinzuweisen. Dabei sind genaue Formen und Abläufe einzuhalten, sogar ein Musterformular für den Widerruf muss er den Kunden zur Verfügung stellen! Warum so kompliziert?

Warum gibt es nicht eine amtliche Online-Seite, auf der dieses Widerrufsrecht für jeden klar verständlich und rechtlich absolut wasserdicht erklärt wird und auf der ein Blanko-Widerrufsformular abrufbar ist. Warum muss jedes, wirklich jedes einzelne Unternehmen sich selbst die Arbeit machen, eben diese Texte zu erstellen, zu pflegen und dem Kunden zur Verfügung zu stellen – wo es doch ein Link auf die eine einzige offizielle Seite tun würde?

Damit werden tausende, wenn nicht Millionen von Arbeitsstunden jedes Jahr verbrannt! Hinzu kommt die Rechtsunsicherheit, da jede Widerrufsbelehrung potentiell Fehler enthält und somit oftmals das Ziel von Abmahnhaien wird, was eine Menge Geld kosten kann und kleinere Unternehmen schnell in den Ruin treiben kann – ohne dass diese irgendetwas falsch gemacht haben außer vielleicht beim Erstellen der Widerrufsbelehrung einen formalen Fehler eingebaut zu haben.

Auch wenn sie die Verfahren immer tadellos angewendet und niemals einem Kunden geschadet haben, können sie kostenpflichtig abgemahnt werden. Was für ein rechtlicher Wahnsinn!

Bei der DSGVO ist es nun ähnlich. Jeder muss eine Datenschutzerklärung verfassen und bereitstellen. Um dabei rechtlich wasserdicht zu sein, ist es notwendig, alle Begriffe sauber zu definieren und zu verwenden. Damit entstehen teilweise Texte, die mehrere Bildschirme füllen und die somit sowieso kein Kunde mehr lesen wird.

Auch hier wäre es viel einfacher für alle Beteiligten gewesen, wenn seitens der Behörden eine Online-Seite mit allen Grundlagen zur Verfügung gestellt worden wäre, auf die jeder verlinken kann. Diese könnte alle potentiellen Formen der Datenspeicherung und -verarbeitung strukturiert auflisten, und das jeweilige Unternehmen müsste nur noch zu jedem Punkt angeben, ob dieser genutzt wird oder nicht. Fertig wäre eine Datenschutzerklärung, die oftmals nur aus 3 Zeilen bestünde:

„Wir speichern Ihre Daten ausschließlich gemäß der Punkte A1, A2 und A5 der aktuellen Datenschutzverordnung [Link] und geben Ihre Daten ausschließlich gemäß der Punkte B3 und B7 an dritte weiter.“

Aber nein, der Gesetzgeber macht es sich einfach und verlangt von allen Unternehmen (die doch eigentlich gefördert und nicht gefoltert gehören), sich mit Rechtstexten zu beschäftigen, die keiner Seite irgendwelche Vorteile bringen. Die einzigen, die sich mal wieder freuen, sind die Rechtsanwälte…

So etwas macht mich einfach wahnsinnig!

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