Der Social-Media-Messaging-Wahn

Schickt mir bloß keine süßen Katzenvideos!

Mehr als zehn Jahre ist es nun her, dass es „Social Media“ unter dieser Bezeichnung gibt. Mindestens so lange gilt es als „das“ Medium der Zukunft und ständig hört man, dass man dabei unbedingt mitmachen müsse. Ich fürchte, an mir ist es komplett vorbeigegangen…

Naja, nicht wirklich komplett. Auf Xing bin ich mit einem kleinen Eintrag vertreten, und der Blog, den Sie gerade lesen, gehört wohl auch ein bisschen dazu. Aber von dem sonstigen Social-Media-Messaging-Wahn bekomme ich nur die negativen Seiten ab.

Kaum jemand kann heute anscheinend noch ohne Smartphone überleben. Wo immer ich auch bin, überall ist der Griff zum elektronischen Zweithirn allgegenwärtig. Denn diese kleinen fiesen Teile tun alles, um die Aufmerksamkeit ihrer Besitzer zu erlangen. Sie piepen, sie klingeln, sie tröten, sie brummen. Und belohnen jeden Griff zum Smartphone mit „wichtigen“ Informationen oder „niedlichen“ Videos oder Bildern. Das perfekte Suchtmedium!

Kaum befindet man sich mal in einem Gespräch (so richtig mit gesprochenen Worten und physikalisch anwesenden Gesprächspartnern, also absolut altmodisch), schon setzt das Geräuschfeuerwerk ein und Menschen werden zu Marionetten, die wie fremdgesteuert zum Smartphone greifen. Als Folge hat sich das Gespräch erledigt.

Stattdessen wird mir ein viel zu kleiner, bunter Bildschirm mit etwas vor die Nase gehalten, was ich mir angeblich lebensnotwendig ansehen (oder anhören) müsste. Und wenn ich, wie meistens, dazu keine Lust habe, kommt unweigerlich die Frage: Findest Du das denn nicht süß? Oder witzig? Oder interessant?

Nein, ich finde es nicht süß! Auch nicht witzig oder interessant – ich finde es einfach nur störend, unpassend und vor allem extrem unhöflich, andere Leute ständig mit derart sinnlosen Unterbrechungen zu malträtieren. Wie soll man sich jemals wieder in Ruhe mit irgendetwas und irgendjemandem befassen, wenn es ständig von allen Seiten Unterbrechungen gibt?

Erschwerend kommt hinzu, dass von wenigen Informationen, die nach dem Herausfiltern aller Katzenvideos und dummen Sprüche übrigbleiben, noch einmal zu 95% oder mehr irgendwelche Statusmeldungen von (Möchtegern-)Promis und Influencern sind, die mich nun wirklich nicht die Bohne interessieren. Warum sollte ich mir freiwillig diesen Blödsinn, der letztlich mit Werbung gleichzusetzen ist, antun?

Das bedeutet nicht, dass ich ein Problem mit den Möglichkeiten der Kommunikation hätte. Im Gegenteil, ich finde E-Mail absolut spitze! Solange man sie so benutzt, dass sie ihren größten Vorteil ausspielen kann: Die Asynchronität.

Ich kann eine E-Mail jederzeit senden, egal, wo sich der Empfänger befindet und ob er derzeit Zugriff auf seine E-Mails hat. Der Empfänger kann dann zu einer Zeit seiner Wahl antworten und muss sich ebenfalls keine Gedanken machen, wo ich mich befinde und wann sie lesen werde. Und bei korrekter Einrichtung habe ich alle E-Mails, die ich jemals gesendet oder empfangen habe, auf allen meinen Geräten komplett im Zugriff. So geht entspannte Kommunikation!

Wenn man dann noch einsieht, dass kaum eine der vielen Informationen, die einen täglich auf elektronischem Weg erreichen, wirklich wichtig oder gar zeitlich kritisch ist, kann man ganz entspannt mit der modernen Technik leben.

Mein Smartphone, eins von denen mit angebissenem Kernobst darauf, kann ich gottseidank so einstellen, dass es keinerlei Töne oder Vibrationen von sich gibt – außer jemand ruft mich an. Und gewisse Programme. deren einziger Zweck zu sein scheint, unnütze Videos, Bilder und Sprüche möglichst schnell weltweit zu verbreiten, werden darauf bestimmt nicht installiert.

Die Technik soll schließlich uns dienen, und nicht wir der Technik!

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