Der Tod ist nicht das Ende

Lasst sie doch sterben, wie sie wollen!

So langsam ist es für mich an der Zeit, über den Tod nachzudenken. Noch nicht so sehr über meinen eigenen Tod, sondern mehr über den der anderen. In der Generation meiner Eltern gibt es ganz viele Menschen, mit denen ich verwandt oder bekannt bin, die in nicht allzu ferner Zukunft von uns gehen werden.

Was wird mit ihnen nach dem Tod geschehen? Ich möchte hier jetzt keine philosophische oder religiöse Diskussion beginnen. Ob es ein Leben nach dem Tod oder eine Wiedergeburt oder was auch immer gibt, soll nicht das Thema sein. Sondern die Frage: Was passiert mit der sterblichen Hülle?

In Deutschland ist der Tod bis ins letzte Detail reglementiert und monetarisiert. Ist man erst einmal gestorben, hat man selbst keine Probleme mehr – wohl aber die lieben Verwandten. Es beginnt mit der offiziellen Feststellung des Todes. Dafür ist ein Totenschein erforderlich, der von einem Arzt ausgestellt wird und Gebühren kostet. Die Krankenkassen argumentieren, dass der Tote zum Zeitpunkt der Totenscheinerstellung bereits tot ist (in jedem Fall rechtlich, meist aber auch tatsächlich) und er somit nicht mehr krankenversichert ist. Der Arzt muss von den Angehörigen also privat gezahlt werden.

Dann muss der Tote beerdigt werden. Und da wird es richtig teuer. Bei uns gelten unter anderem eine Bestattungspflicht und eine Friedhofspflicht. Somit sind die Hinterbliebenen verpflichtet, den Toten offiziell zu bestatten und seinen Leichnam oder seine Asche auf einem Friedhof beizusetzen. Mit Ausnahme der selten genutzten (weil ebenso teuren) Seebestattung gibt es keinen zulässigen Weg, beispielsweise die Asche irgendwo zu lagern oder zu verstreuen.

Da fragt man sich doch, warum? Natürlich ist es seuchentechnisch sinnvoll, dass die „Entsorgung“ des Verstorbenen geregelt wird. Es müssen Fristen gesetzt werden. Und für den Fall, dass jemand im Sarg bestattet wird, ist ein kontrolliertes Begräbnis notwendig, um gewisse Standards zu gewährleisten (Mindesttiefe, keine fürs Grundwasser schädlichen Stoffe, etc.).

Aber warum Friedhofspflicht? Wenn der Verstorbene eingeäschert wurde, warum nicht die Asche in einen Fluss oder auf eine Wiese streuen – ist ja angeblich bester Dünger? Oder die Urne auf den Kaminsims stellen? Warum nicht den Sarg im eigenen Garten begraben? Die einzig sinnvolle Erklärung, die ich dafür habe, ist, dass die Städte und Gemeinden am Tod mitverdienen möchten, beispielsweise durch Friedhofsgebühren.

Und auch die ganze Bestattungs-Industrie ist darauf ausgerichtet, den Hinterbliebenen mit vielen „Optionen“ und der Vermittlung von ganz viel schlechtem Gewissen und gesellschaftlichen Konventionen möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen.

Dazu kommen noch die Kirchen, die mit viel Pomp und Selbstverliebtheit den (noch) Lebenden einzureden versuchen, was sie alles für Pflichten gegenüber den Toten hätten, um sich selbst wichtig zu machen.

Letztlich bleibt nur eines – alle wollen vom Tod des anderen profitieren!

Noch einmal zur Klarstellung: Ich habe kein Problem damit, wenn jemand mit ganz viel Aufwand und Prunk nach einem Trauergottesdienst mit tausend Gästen in einem Eichensarg mit Goldbeschlägen im riesigen Familiengrab mit Marmor-Grabstein und Tonnen von Blumenkränzen beerdigt wird. Mein Problem liegt in der Verpflichtung. Warum lässt man den Verstorbenen oder die Hinterbliebenen nicht entscheiden, ob und wie viel Gedenkstätte man benötigt?

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