Moderne babylonische Verhältnisse

Ich brauche nur eine Programmiersprache!

Ganz früher hing in meinem Wohn- und Arbeitszimmer das Bild „Großer Turmbau zu Babel“ von Pieter Brueghel. Ich weiß gar nicht mehr, wie es dorthin kam. Woran ich mich aber noch erinnere, ist, dass ich irgendwann wissen wollte, was das Bild eigentlich darstellt und dass ich mich dann auch mit der Idee dahinter beschäftigt habe.

Damals dachte ich noch, dass dort geschilderte Problem, eine ausbordende Vielsprachigkeit, für die reale Welt durchaus zutraf, aber in naher Zukunft deutlich zurückgehen würde. Viele gesprochene Sprachen und Dialekte waren dabei, auszusterben, und Englisch setzte sich als Standardsprache für die Wissenschaft durch. Auch im Bereich der Programmiersprachen gab es nur wenige, die am Markt relevant waren, gefühlt sogar nur zwei: Basic und C. Dazu vielleicht noch Fortran für alte, bestehende Systeme.

Umso mehr erstaunt es mich, wie viele neue Programmiersprachen in den letzten Jahren das Licht der IT-Welt erblickt haben. Während es vor einigen Jahren vor allem Skriptsprachen waren, die im Zusammenhang mit dem Internet entstanden (Java, Javascript, Perl, Ruby, Python) und die zumindest grundsätzlich notwendig waren (wenn auch nicht in der Anzahl), scheint es inzwischen für jede größere Firma Pflicht zu sein, eine eigene, universelle Programmiersprache zu entwickeln und zu vermarkten (C#, Swift, Rust).

Auch wenn ich grundsätzlich sehe, dass all diese universellen Sprachen gute Konzepte beinhalten, die so in keiner der jeweils anderen Sprachen verfügbar sind, frage ich mich doch, was der tatsächliche Nutzen davon ist. Schon C war eine universelle Programmiersprache, mit der praktisch alles möglich war. Spätestens das aktuelle C++ bietet alle Möglichkeiten für eine schnelle und sichere, objektorientierte Programmierung. Man muss sie nur richtig nutzen und alle gebotenen Möglichkeiten konsequent ausschöpfen.

Letztlich führt die Vielfalt an Programmiersprachen meines Erachtens zu mehreren grundsätzlichen Problemen:

  • Je mehr Sprachen ein Entwickler lernen muss, umso schlechter wird er jede einzelne dieser Sprache beherrschen.
  • Je mehr Sprachen in einem Unternehmen im Einsatz sind, umso häufiger kommt es zu Problemen in der Zusammenarbeit unterschiedlicher Projekte, da im wahrsten Sinne des Wortes nicht die gleiche Sprache gesprochen wird.
  • Anbieter von Bibliotheken und Klassensammlungen können ihre Produkte entweder nur für eine Sprache anbieten oder müssen sich die Mühe machen, mehrere Variante davon zu entwickeln und zu pflegen.
  • Der Frust bei der Programmierung steigt. Denn keine der Sprachen bietet alles, und ständig ärgert man sich, dass die aktuelle Sprache das gerade benötigte und aus einer anderen Sprache bekannte Konstrukt nicht bietet.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Nachteile und die damit verbundenen Kosten in Form von Zeit und Geld von den möglichen Vorteilen, die die eine Programmiersprache gegenüber der anderen tatsächlich bietet, jemals aufgewogen werden.

Was also haben sich Microsoft, Apple, Mozilla und all die anderen dabei gedacht? Ging es ihnen nur ums Prestige? Schaut her: Wir haben unsere eigene Sprache! Sind wir nicht toll? Denn wirklich rentabel kann die Entwicklung einer solchen Sprache, verbunden mit dem Aufwand, alle laufenden Projekte auf diese umzustellen, doch nicht gewesen sein. Oder?

Was bin ich froh, dass ich weiterhin in C++ programmieren kann. Da weiß ich, was ich habe! Guten Abend.

[EOF]

 

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