Das Leben ist schon laut genug

Überflüssige Geräusche nerven wirklich!

Gerade ging das Thema wieder durch die Medien: Elektro-Autos sind leise. Angeblich zu leise. Sie gefährden Fußgänger, die sich mehr mit den Ohren als mit den Augen orientieren, obwohl sie nicht gut hören können. Da Elektro-Autos, vor allem im langsamen Stadtverkehr, deutlich leiser als normale Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sind, besteht angeblich die Gefahr, dass sie überhört werden und es zu vermehrten Unfällen mit Fußgängern kommt.

Und was ist die geniale Lösung der Industrie? Machen wir doch einfach die Elektro-Autos wieder lauter! Ganze Abteilungen beschäftigen sich damit, spezielle Geräusche zu entwickeln, die die akustische Erkennung durch Fußgänger erleichtern sollen.

Was bitte!? Anstatt sich zu freuen, dass jedes Elektro-Auto die sowieso schon viel zu lauten Verkehrsgeräusche (vor allem in der Stadt) reduziert, soll es nun unnötigen, künstlichen Lärm machen! Für mich absolut unfassbar. Fehlt nur noch, dass ab sofort auch jeder Radfahrer einen Geräuschgenerator mitführen muss, damit ihn die Fußgänger nicht überhören können. Haben Sie als Kind nicht auch mal einen Holzspatel mit Gummi am Fahrradrahmen so zwischen den Speichen befestigt, damit es beim Fahren fast so toll knattert wie ein Motorrad? So in etwa stelle ich mir das vor…

Da muss ich an die Zeit zurückdenken, als die ersten IDSN-Telefone auf dem Markt kamen. Was habe ich mich gefreut, endlich eine digitale, rauschfreie Sprachübertragung zu bekommen. Und was war? Ätsch war! Weil angeblich die Benutzer davon irritiert waren, dass es bei bestehender Verbindung keinerlei Rauschen mehr gab (bei Sprachlosigkeit beider Gesprächspartner als Indikator dafür, dass die Leitung steht), wurde dem Signal absichtlich ein Rauschen beigemischt.

Und auch heute, wo analoge und ISDN-Telefonie durch VOIP abgelöst wird, also ebenfalls eine rein digitale Übertragung, wird dieses Konzept beibehalten: Es rauscht bei einer komplett digitalen Verbindung so kräftig, als stünde mein Gesprächspartner im Urwald während der Regenzeit.

Und warum das Ganze? Weil die Politik oder die Hersteller den Anwendern nicht zutrauen, sich umzustellen. Natürlich wäre es anfangs ungewohnt gewesen, wenn die Leitung komplett still gewesen wäre. Natürlich ist es anders, wenn ein Elektro-Smart mit Tempo 30 an einem vorbeigleitet und man außer leisen Reifenabrollgeräuschen nichts hört. Aber ich bin sicher, dass es nach einer kurzen Umstellung keinerlei Probleme gegeben hätte. Bleiben würde nur die Freude über die Stille.

Aber nein, der dumme, unfähige Anwender muss mal wieder vor sich selbst geschützt werden und alle müssen, bewusst oder nicht, darunter leiden. Immerhin ist hinreichend nachgewiesen, dass regelmäßiger Lärm krank macht. Warum tut ihr euch das an? Ist das Leben heutzutage nicht schon laut genug? Werden wir nicht mit genug akustischen Eindrücken bombardiert?

Da surrt der Receiver im Wohnzimmer, weil die Hersteller immer noch laute Festplatten anstatt leiser SSDs einbauten. Da macht ein PKW im Inneren ständig (künstliche) Geräusche als Warnung oder Hinweis. Die Türen der Straßenbahnen piepen trommelfellzerreißend beim Öffnen und erst recht beim Schließen. Und schließlich piepen und brummen die Smartphones rings um einen herum, weil niemand sich traut, die Töne auszuschalten, in der Befürchtung, mal etwas „Wichtiges“ zu verpassen.

Kann ich nicht einfach meine Ruhe haben? Bitte?

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