Hört bloß niemals auf zu spielen

Gesellschaftsspiele sind nicht nur für Kinder!

Einige von Ihnen haben vielleicht schon mitbekommen, dass ich mich neben meiner Softwarefirma auch leidenschaftlich für eine andere Sache engagiere: Fürs moderne Gesellschaftsspiel und seine Verbreitung vor allem bei Menschen, die die Schule hinter sich gelassen haben und noch keine Rente beziehen.

Bestimmt kennen Sie mindestens einen sogenannten Klassiker der Gesellschaftsspiele, also beispielsweise Monopoly, Mensch ärgere Dich nicht, Risiko, Uno oder Obstgarten. Vielleicht haben Sie es schon als Kind gespielt, oder mussten es mitspielen, weil Ihr Kind oder Enkel es spielen wollte. Und letztlich waren Sie dann froh, wenn es endlich vorbei war. Schade!

Denn dann wäre es Ihnen wie so vielen Menschen gegangen, die den Einstieg in die Spielewelt mit einem Spiel versucht haben, welches zwar millionenfach verkauft wird, aber trotzdem nicht wirklich gut ist. Nicht immer ist das, was alle kennen und kaufen, auch die beste Lösung…

Rund 10 Jahre beschäftige ich mich nun mit Gesellschaftsspielen aus verschiedenster Perspektive: Als Spieler, als Spieleerklärer, als Spieleautor (oder auch „Spieleerfinder“), als Redakteur und als Grafiker. Diese intensive Beschäftigung hat mir vor allem eines gezeigt: Für wirklich jeden gibt es Spiele, die begeistern. Das Problem für viele ist nur, diese ausfindig zu machen und passende Mitspieler zu finden.

Dabei ist es heute eigentlich gar kein Problem mehr. Nur sollte man nicht den Fehler machen, zu erwarten, in irgendeinem Spielwarengeschäft fündig zu werden.

Im Internet gibt es zahlreiche Seiten, die sich dem Gesellschaftsspiel (oft auch Brettspiel genannt) widmen und Besprechungen zu aktuellen Spielen veröffentlichen. Es gibt Foren, in denen man Fragen zu Spielen stellen und Mitspieler suchen kann. Und es gibt im ganzen Land regelmäßige Spieletreffen. Das beginnt mit kleinen, eher private Runden von ein paar Leute und geht hin bis zu Spieletagen und -wochen, bei denen sich mehrere hundert oder gar tausend Spielerinnen und Spieler treffen, um gemeinsam Spiele zu spielen und eine tolle Zeit zu haben.

Hier in Braunschweig organisieren wir beispielsweise einmal im Jahr Brauschweig spielt! mit rund 800 Besuchern, sowie einige kleinere Veranstaltungen und einen wöchentlichen, offenen Spieletreff.

Wenn man den inneren Schweinehund erst einmal überwunden hat und bei einer solchen Veranstaltung auftaucht, wird man meist mit offenen Armen empfangen. Natürlich darf man nicht erwarten, dass man dort die „guten alten Schätzchen“ spielt, sondern stattdessen die modernen, guten, zeitgemäßen Gesellschaftsspiele. Man muss bereit sein, in eine neue, bessere Welt abzutauchen.

Die Auswahl an Spielen ist heutzutage riesengroß. Jedes Jahr erscheinen mehrere hundert neue Spiele. Regelmäßige Teilnehmer an solchen Veranstaltungen kennen viele davon und können spontan bei der Suche nach dem „richtigen“ Spiel helfen. Für alle es etwas dabei: Spiele für 2 Spieler, Spiele für große Gruppen, sogar Solo-Spiele. Es gibt kurze und lange Spiele, Kartenspiele, Würfelspiele, Legespiele, einfache Spaßspiele, komplexe Strategiespiele, Wissensspiele, Geschicklichkeitsspiele, und, und, und…

Auch Mitspieler lassen sich dort finden, sofern man sich traut, den Mund aufzumachen. Das kann in öffentlichen Spielerunden sein, in privaten Runden oder auf anderen Veranstaltungen, von denen man dort erfährt.

Wenn Sie es dann erst einmal geschafft haben, werden Sie feststellen, dass man das Spielen miteinander (also mit richtigen Menschen, die einem gegenüber sitzen und in die Augen schauen können) nicht mit dem einsamen Gedaddel vor dem PC oder der Konsole vergleichen kann. Und es ist allemal besser als alleine Videos zu gucken oder zu lesen. Spannender, kommunikativer, gemeinsamer.

Deshalb nutze ich jede Gelegenheit, mit Gleichgesinnten zu spielen und neue Spiele zu entwerfen, um auch in Zukunft ganz viel Spaß beim Spielen zu haben! Vielleicht zusammen mit Ihnen?

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Selbst ist der Mann! Und die Frau!

Warum Selbermachen bei Software oftmals die bessere Lösung ist!

Als Softwareentwickler in einer kleinen Firma wird man immer wieder vor die Frage gestellt: Selbermachen oder zukaufen? Es gibt tausende von Bibliotheken und Frameworks, die einem das Blaue vom Himmel versprechen und angeblich für wenig Geld die fertige Lösung für jedes Problem bieten. Doch tun sie das wirklich?

Unsere Erfahrungen dazu sind sehr zwiespältig, was vor allem daran liegen dürfte, dass wir nicht ständig neue Projekte starten, sondern ein Projekt über mehrere Jahrzehnte warten und weiterentwickeln möchten. Unser Hauptprodukt, die CAD-Software, ist in ihrer ersten Windows-Version bereits 1991 erschienen, also mittlerweile mehr als 25 Jahre am Leben.

In dieser Zeit hat sich eine Menge getan: Beginnend mit Windows 3.1, einem 16-bit-Betriebssystemaufsatz auf MS-DOS, ging die Entwicklung über Windows NT (dem ersten alleinstehenden Windows), Windows XP und Windows 7 zum heutigen Windows 10, meist als 64-bit-System.

Insgesamt also zwei grundsätzliche Technologiesprünge (von 16- auf 32-bit und von 32- auf 64-bit) und zahlreiche kleine Sprünge, die jedes Mal teils heftige Anpassungen an der Software erforderten. Jedes Mal waren wir froh, dass wir so wenig wie möglich mittels zugekaufter Bibliotheken erledigen – denn oftmals blieben diese Bibliotheken beim Technologiewechsel auf der Strecke oder wurden mittendrin einfach mal vom Markt genommen.

In jedem dieser Fälle begann eine zeit- und geldraubende Suche nach einer neuen Bibliothek, die die bisherige möglichst komplett ersetzt. War diese gefunden, begann der Umstellungs- und Testaufwand. Und oftmals stellte sich heraus, dass der Ersatz nicht wirklich vollständig ist und eine Menge eigener Entwicklung notwendig wird, um den bisherigen Funktionsumfang wieder herzustellen.

Teilweise waren sogar mehrere Bibliotheken notwendig, um eine alte zu ersetzen, was den Aufwand noch weiter erhöhte. Und jedes Mal merkten wir, dass der ursprüngliche Kauf der Bibliothek zwar damals Entwicklungszeit gespart hatte, aber der dadurch hervorgerufenen Mangel an Eigenwissen in dem jeweiligen Teilbereich spätestens jetzt negativ zurückschlug.

Hätten wir gar auf komplette Frameworks wie beispielsweise MFC (Microsoft Foundation Classes) oder .NET gesetzt, hätten wir bei jedem größeren Wechsel nicht nur kleine Teile der Software ersetzen oder anpassen müssen, sondern gleich das ganze System. Das wäre völlig unmöglich gewesen und hätte unseren Ruin bedeutet.

Hinzu kommt, dass gerade die Frameworks wie MFC und .NET unter Windows installations- und versionskontrollseitig eine Katastrophe sind. Es liefert nicht einfach jedes Programm die notwendigen Dateien in der jeweils notwendigen Version mit und installiert sie ins eigene Programmverzeichnis – oh nein!

Die Frameworks wollen eigenständig an anderer Stelle im System installiert werden, und es wurde ein Monster von Kontrollstruktur geschaffen, um sicherzustellen, dass jedes Programm möglichst auf die richtige Version seines Frameworks zugreift. Plötzlich liegende dutzende Versionen eines Frameworks auf der Festplatte herum, weil niemand mehr einen Überblick darüber hat, welches Programm überhaupt welche Version benötigt.

Ich habe mal nachgesehen: Auf meinem Computer sind alleine 26 (!) Versionen der Runtime-Library für Microsoft Visual Studio installiert. Und davon ist keine einzige für unser CAD-System, denn wir installieren natürlich all solche Dateien direkt in unser Verzeichnis und löschen sie bei der Deinstallation wieder ordnungsgemäß!

Bevor wir also eine Bibliothek benutzen, überlegen wir erst einmal ganz genau, ob der kurzfristige Nutzen davon wirklich die langfristigen Probleme, die sie garantiert bringen wird, überwiegt. Denn Selbermachen kostet zwar anfangs etwas mehr Zeit und somit Geld. Aber langfristig hilft es, zu wissen, was man tut, und man macht sich von niemandem abhängig.

Leider ist das nicht in allen Situationen möglich, denn alles wissen und können auch wir nicht…

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Allmorgendlicher Dosenfisch

Leute, fahrt mehr Bus und Bahn, dann wird es schön kuschelig!

Seit einigen Jahren wohne ich nun schon nicht mehr in der Stadt, in der unser Büro liegt, sondern in einem kleinen Ort in deren Nähe. Ruhiger ist es dort, geruhsamer, geradezu idyllisch. Fernab von jeder Hektik lässt es sich dort sehr angenehm leben. Nur einen Nachteil hat das Ganze: Ich wurde „Pendler“. Da ich es aus ökologischen wie ökonomischen Gründen ablehne, jeden Tag eine Tonne Blech und Plastik 15 km hin und her zu wuchten, musste ich mich in die Fänge des öffentlichen Nahverkehrs begeben.

Im Prinzip habe ich nichts dagegen. Die kurze Fahrt gibt einem morgens Zeit, um sich aufs Tagesgeschäft geistig vorzubereiten, und schafft abends Luft, um wieder zur Ruhe zu kommen. Manchmal trifft man Bekannte und führt anregende Gespräche. Doch leider scheinen sich die Betreiber unserer öffentlichen Nahverkehrsbetriebe in den Kopf gesetzt zu haben, die Geduld der Pendler immer weiter herauszufordern. Noch bin ich nicht sicher, ob es eher ein makabres psychologisches Experiment, ein Zeichen bloßer Zurschaustellung von Macht über den „schwachen“ Pendler, schlichtes Desinteresse oder absolute Unfähigkeit ist.

Als ich begann, regelmäßig die jetzige Strecke zurückzulegen, dauerte der Weg von Tür zu Tür noch weniger als 30 Minuten – ohne Umsteigen. Das Ganze in einem Bus, der zwar immer gut gefüllt, aber nie überfüllt war. Denn er fuhr oft genug. Mittlerweile, nach mehreren grundsätzlichen Änderungen an Routen und Fahrplänen, dauert der Weg von Tür zu Tür, wenn es wirklich perfekt läuft, 40 Minuten. Allerdings mit einmaligem Umsteigen, und genau dort liegt das Problem. Der Regionalzug hat regelmäßig eine Verspätung von ein oder zwei Minuten, womit der optimale Anschluss schon weg ist. Schon sind es 45 Minuten. Oder gar 50 Minuten.

Und selbst wenn es „perfekt“ klappt, macht die Fahrt wirklich keinen Spaß mehr. Denn die letzte Etappe erfolgt oftmals als Fisch in der Dose. Bis vor wenigen Jahren wurden selbst im dichtesten Berufsverkehr uralte Straßenbahnen von 1974 und 1977 eingesetzt – kurze Fahrzeuge, meist ohne Anhänger. Mittlerweile haben die Verkehrsbetriebe zwar viel Geld in neue, große Straßenbahnen investiert, doch jetzt in den Sommerferien hilft das auch nicht weiter.

Denn zum einen wirft eine Gleisbaustelle das Liniennetz komplett über den Haufen (dadurch ist eine der zwei Linien am Bahnhof nicht mehr sinnvoll nutzbar) und der Ferienfahrplan erhöht zusätzlich die Taktzeiten deutlich. Und das zu einer Zeit, wenn am Bahnhof mehrere stark frequentierte Regionalzüge gleichzeitig eintreffen und sich wahre Menschenmassen aus dem Bahnhof ergießen. Das Ergebnis ist regelmäßig eine komplett überfüllte Straßenbahn. Da wird gedrängelt und gequetscht, und der Schweiß fließt trotz Klimatisierung in den neuen Straßenbahnen in Strömen.

Regelmäßig bin ich gezwungen, die zweite Linie zu nutzen (einige Minuten später), die derzeit aber nicht mehr bis zum Büro fährt, sondern nur noch bis zu einem Knotenpunkt, an dem man in einen Ersatzbus umsteigen darf (einige Minuten Wartezeit). Dauert also noch länger, und ist mindestens genauso eng und kuschelig.

Da hört und liest man immer wieder, dass mehr Individualverkehr in der Stadt auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen soll. Beim jetzigen Zustand des öffentlichen Nahverkehrs in meiner Region kann ich aber jeden gut verstehen, der darauf verzichtet.

Meist bin ich froh, dass meine Geburtsstadt eine vergleichsweise kleine und übersichtliche Stadt ist. Doch im Bereich des Nahverkehrs scheint es mir manchmal geradezu provinziell. Zwar gibt es ein Straßenbahnnetz, doch dieses ist schon seit Jahren völlig überfordert und hat ein gewaltiges Nadelöhr im Stadtkern. Der gesamte Nordwesten der Stadt ist nicht angeschlossen, und trotz jahrzehntelanger Diskussionen tut sich hier nichts. Nun sollen stattdessen bestehende Strecken um jeweils ein paar Hundert Meter verlängert werden, anstatt endlich die wirklich wichtigen Punkte wie die zweite Strecke in der Innenstadt und die Anbindung des Nordwestens anzugehen. Auf eine U-Bahn oder zumindest einige unterirdische Teilstrecken in der Innenstadt (wie in Hannover) muss man gar nicht erst hoffen.

Lieber spielen die Verantwortlichen mit Elektrobussen auf Induktionsbasis, versenken viele Millionen in die entsprechenden Busse und die notwendige Infrastruktur wie induktive Ladestationen, um damit genau eine (!) Linie zu bestücken. Wobei Elektrobusse, die im regulären Verkehr mitfahren müssen, niemals die Zuverlässigkeit und Schnelligkeit einer Straßenbahn erreichen können.

Aber ich bleibe tapfer! Jeden Tag stopfe ich mich zu allen anderen armen Pendlern in die Züge, Straßenbahnen und Busse. Damit der Schweiß im Sommer üppig fließt, und der Fisch in der Dose auch schön stinkt!

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Als man Takte noch zählen konnte

Früher war Programmieren etwas für harte Kerle!

Vor einiger Zeit sind mir beim Ausmisten ein paar Andenken an lang vergangene Pioniertage des Computerzeitalters in die Hände gefallen: Ausgedruckte Programmlistings von Assembler-Quelltexten mit 68000er-Befehlen für den Atari ST. Noch so richtig von Hand codiert, ohne tolle Entwicklungsumgebung, ohne unnötigen Schnickschnack wie Autovervollständigung, Debugger oder Online-Hilfe. Ach ja, das waren noch Zeiten…

Warum eigentlich? Natürlich war früher nicht alles besser, das weiß man spätestens seit Jochen Malmsheimer seinem Wurstbrot hinterhergetrauert hat (unbedingt online ansehen). Aber trotzdem gab es für mich früher häufiger Momente, in denen man das Gefühl hatte, so richtig etwas geleistet zu haben. Nicht unbedingt, weil die eigene Leistung so besonders groß oder weltbewegend war, sondern vielmehr, weil sie in nackte Zahlen zu packen war!

In Zeiten, in denen Computer gemessen an heutigen Verhältnissen geradezu erbärmlich langsam waren (ein Prozessorkern mit 8 MHz, da sind heutige Systeme um bis zu Faktor 2.000 schneller) und lächerlich wenig Speicherplatz hatten (maximal 4 MB RAM – der Rechner, auf dem ich diesen Text gerade schreiben, hat 4.000-mal so viel Speicher), lag die Herausforderung vor allem darin, dass das Ergebnis mit wenig Platz und noch weniger Rechenleistung auskam.

Die letzte Version unseres Grafikprogramms für den Atari ST, welches immerhin aus zwei Teilen (Bildbearbeitung und Vektorgrafik) bestand, war letztlich nur 600 KB groß und setzte in Sachen Geschwindigkeit in vielen Punkten Maßstäbe. Das war nur zu schaffen, indem ein Großteil des Programms von Hand in Maschinencode geschrieben und gnadenlos optimiert wurde.

Das wichtigste Hilfsmittel war eine sogenannte Takttabelle, die für jeden einzelnen Prozessor-Befehl und alle möglichen Rahmenbedingungen die jeweilige Anzahl an Prozessortakten auflistete, die dieser Befehl für die Ausführung benötigte. Somit konnte für jedes Codesegment exakt ermittelt werden, wie lange dessen Ausführung dauern würde, ohne es zu implementieren und ausprobieren zu müssen. Für jede Funktion wurden viele verschiedene Umsetzungen erdacht und durchgerechnet. Von den rechnerisch schnellsten Lösungen wurde dann in der Regel die kleinste verwendet, um gleichzeitig auch Platz zu sparen.

Bei einigen besonders zeitkritischen Funktionen wurde sogar selbstmodifizierender Code verwendet, d.h. Teile im Inneren einer Schleife wurde ja nach Rahmenbedingung vor der Ausführung durch andere Befehle ersetzt, um weder den ganzen Code mehrfach vorhalten zu müssen noch im inneren einer Schleife immer wieder die gleiche (zeitraubende) Abfrage durchlaufen zu müssen.

Diese extrem effiziente Methode ist mit heutigen Prozessoren leider nicht mehr möglich, da diese viel weniger linear auf die Befehle zugreifen und Schreibzugriffe auf Programmcode aus Sicherheitsgründen komplett verhindern. Trotzdem reizt es mich noch immer, ein Stückchen Code oder ein ganzes Anwendungsgebiet unseres Programms hemmungslos zu optimieren.

Vor einigen Jahren gab es eine solche, mehrwöchige Optimierungsphase, die dazu führte, dass das Öffnen und Speichern von Dateien um Faktor 2-3 beschleunigt wurde, der Bildaufbau sogar um bis zu Faktor 8. Natürlich ohne dass dafür neue Hardware erforderlich wäre, einfach nur die neuere Programmversion!

Solche extremen Beschleunigungen sind nicht durch eine einzelne Änderung möglich, sondern durch eine Vielzahl an Optimierungen an ganz unterschiedlichen Stellen im Programm, die optimal auf einander abgestimmt werden müssen. Eine Menge Arbeit, die sich aber vor allem für die Anwender auszahlt. Viel mehr, als irgendwelche esoterischen neuen Funktionen, die niemand wirklich benötigt.

Ich wünschte mir, die großen Standardsoftware-Hersteller würden sich mehr auf die Optimierung konzentrieren, als ständig neue unnötige Spezialfunktionen anzubieten. Wenn der Start eines Textprogramms 10 Sekunden und der Start des E-Mail-Programms sogar 30 Sekunden und länger benötigt, dann ist das einfach nur nervig!

Ich freue mich schon darauf, mich mal wieder so richtig in den Code hineinzufressen und das letzte Quäntchen an Geschwindigkeit herauszuquetschen. Denn das macht einfach Spaß!

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You can say you to me

Schulbildung ist nicht immer alles!

Ist Ihnen beim Lesen dieser Überschrift auch ein Schauer über den Rücken gelaufen? Fanden Sie sie witzig? Oder eher peinlich? Auch wenn diese gruselige Satzschöpfung gerne benutzt wird, um den Unterschied zwischen deutscher und englischer Anrede zu veralbern, so steckt dahinter doch ein weitgehendes Problem, vor allem in dem, was einem an einer deutschen Schule über Englisch (nicht) beigebracht wird.

Als ich das Gymnasium verließ und somit 9 Jahre lang Englischunterricht genossen hatte, teilweise sogar als Prüfungsfach, dachte ich eigentlich, man hätte mir die wichtigsten Aspekte dieser Sprache beigebracht, und vor allem: Keine Fehlinformationen. Leider weit gefehlt…

Seit nunmehr 30 Jahren beschäftige ich mich nun auch beruflich mit der englischen Sprache (meist als Konsument, oft aber auch als Produzent). Und fast diese ganze Zeit hat es gebraucht, bis mir endlich (und zufällig) eine der vielen Fehlinformationen bewusst wurde, die mir in der Schule beigebracht wurden.

Glaubte ich jahrelang, im Englischen würden sich alle duzen, so weiß ich mittlerweile, dass es genau anders herum ist: Es wird immer gesiezt! „How are you feeling?“ bedeutet direkt übersetzt „Wie fühlt Ihr Euch?“ (zweite Person Plural), sinngemäß im Alltagsdeutsch eher zu übersetzen mit „Wie fühlen Sie sich?“ – aber eben nicht „Wie fühlst du dich?“.

Wollte man im Englischen tatsächlich jemanden duzen, hieße es „How art thou feeling?“ Doch das macht schon seit langem kaum jemand mehr. Außer vielleicht im hohen Norden der britischen Insel, in Gebeten oder beim guten alten Shakespeare. Die Engländer haben einfach mal eine Form der Anrede als unnütz unter den Tisch fallen lassen und kollektiv beschlossen, einfach immer höflich zu sein!

Und faul, wie Englischsprechende oftmals sind, wurde eine möglichst kurze und einfache Universalform übrig gelassen. Wenn auch nicht frei von Missinterpretationsmöglichkeiten, da „How are you feeling?“ eben auch als echte Plural-Anrede genutzt wird, wenn eine ganze Gruppe gemeint ist.

Die einzige Unterscheidung zwischen formeller und informeller Anrede besteht darin, dass bei der formellen Anrede „Mr.“, „Mrs.“, oder „Ms.“ verwendet wird (teilweise auch „Sir“ oder „Madam“). Sobald es etwas vertrauter wird, wird stattdessen der Vorname verwendet, was aber nicht notwendigerweise informell sein muss, und noch lange nicht dem deutschen „du“ entspricht.

Entsprechend ist die Schwelle im Englischen zur Ansprache mit Vornamen auch wesentlich leichter überschritten als zum Duzen im Deutschen. Stellt sich jemand mit Vornamen vor, erwartet er auch als Antwort einen Vornamen.

Was bedeutet das nun für mich? Gerade jetzt, wo ich mir des Unterschieds bewusst bin, sehe ich die Unterscheidung zwischen „du“ und „Sie“ viel gelassener, ich kann sie viel besser würdigen und spüre keinen Drang mehr, auf Biegen und Brechen alle zu duzen. Ich finde es gut, dass es in der deutschen Sprache die Unterscheidung der beiden Anreden (noch) gibt, auch wenn ich finde, dass das „du“ durchaus wesentlich öfter genutzt werden könnte.

Es wäre schön gewesen, wenn das schon während des Englischunterrichts in der Schule thematisiert worden wäre. Das hätte mir Jahrzehnte falschen Sprachempfindens erspart!

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Daten auf Wolke Sieben

Ich habe meine Daten lieber vor Ort im Zugriff!

Seit Jahren zieht sich das Thema „Cloud“ durch die IT-Welt. Wahre Wunder wurden dieser Wolke zugesprochen und allen, die sie ignorieren, wurde der Untergang prophezeit. Doch was ist die Cloud eigentlich?

Primär ist die Cloud ein ausgelagerter Datenspeicher irgendwo auf der Welt, auf den alle Berechtigten über das Internet zugreifen können. In der Cloud werden aber auch ganze Lösungen angeboten, d.h. Systeme aus Software und Daten, wie beispielsweise Datenbanken oder Warenwirtschaftssysteme.

Sie hat durchaus Vorteile: Die Daten liegen zentral an einem (logischen) Ort, der eine quasi unbegrenzte Kapazität hat. Betrieb und Wartung der benötigten Technik übernimmt der Cloud-Anbieter, genauso wie die Sicherung der Daten und den Ausbau der Infrastruktur. Mit all dem hat man als Nutzer also keinen Aufwand. Man speichert und nutzt einfach seine Daten und gut. Klingt gut, oder?

Gerade erst konnte ich lesen, dass laut Analysten von Gartner viele Unternehmen in Deutschland zwar auf die Cloud umgestellt hätten, aber von den ersten Abrechnungen nach Regelbetrieb regelrecht entsetzt gewesen seien. Die Kosten waren teilweise deutlich höher als ursprünglich angenommen und somit auch höher als die Kosten für die Datenspeicherung vor Ort gewesen wäre.

Dazu kommt, dass vielen Unternehmen erst im Regelbetrieb mit entsprechend vielen Nutzer auffällt, dass selbst 50 oder 100 MBit/s für den Datentransport nicht wirklich schnell ist. Von den Latenzen beim Zugriff auf Server, die beispielsweise in Irland oder gar in den USA stehen, mal ganz abgesehen. Dabei hätte einem das der gesunde Menschenverstand schon vorher sagen können.

Ich entsinne mich da an meine Jahre als externer Entwickler bei einem Anbieter für Eisenbahnsteuerungssysteme, bei dem die Entwickler oft mehrere Stunden pro Woche damit verbrachten, auf ihre Versionsverwaltung mit der dahinter liegenden Datenbank zu warten. Denn der Zugriff auf den Datenbankserver erfolgte zwar lokal im Haus, aber mit einer einzigen 100 MBit/s Leitung für alle mehr als 100 Entwickler vor Ort – macht nur noch 1 MBit/s pro Arbeitsplatz. Ungefähr so muss sich die Cloud in größeren Firmen anfühlen!

Wichtiger für meine Vorliebe, Daten lieber vor Ort zu speichern, sind aber andere Aspekte. Da wäre vor allem die Datensicherheit. Damit meine ich nicht, ob Daten verloren gehen, sondern wer sich die Daten alles ansehen kann: Der Betreiber der Cloud, dessen Mitarbeiter theoretisch alle meine Daten einsehen können. Alle Hacker weltweit, denn immer, wenn ich Daten speichere oder abrufe, sind sie im Internet unterwegs. Zwar mehr oder weniger gut verschlüsselt, aber wer weiß?

Zum anderen ist da die Frage der (vor allem in Zeiten der DSGVO wieder aktuell gewordenen) Datensparsamkeit. In einer geschäftlichen Cloud, die in der Regel mit unbegrenzter (oder zumindest exorbitant großer) Speicherkapazität wirbt, ist man als Nutzer versucht, einfach mal alles abzuspeichern. Egal, ob und wann man es je wieder braucht.

Liegen Daten hingegen lokal vor Ort, ist jemand aus dem eigenen Betrieb für deren Speicherung und Sicherung zuständig. Derjenige wird im Zweifelsfall die Notbremse ziehen und den Mitarbeitern die korrekte Datenspeicherung erläutern. Ein Cloud-Anbieter wird das nicht tun – denn sein Ziel ist es, Ihnen noch mehr Kapazität für noch mehr Geld zu verkaufen!

Zentral kann man Daten auch vor Ort speichern. Ein NAS-System lässt sich in jedem Netzwerk integrieren, mit umfangreichen Einstellungen zu Zugriffsrechten und Datenvolumen für jeden einzelnen Benutzer. Die Größe ist praktisch unbegrenzt, und Datensicherung ist bereits integriert im Form von Redundanzen und regelmäßiger Sicherung auf andere Speichermedien. Warum also meine Daten kreuz und quer durch die Welt jagen, wenn sie zuhause viel besser aufgehoben sind?

Natürlich gibt es auch einige Anwendungen, für die eine Cloud sinnvoll ist. Aber die sind erstens selten und zweitens umfassen sie dann meist nur wenige Daten. Meine Firma wird Sie gerne beraten bei der Suche nach einem optimalen Weg für Ihre Daten.

Ich bin jedenfalls froh, dass sich 99% meiner Daten lokal vor Ort befinden!

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Pünktlichkeit ist eine Zier

Warum hält sich niemand mehr an Zeiten?

Angeblich sind wir Deutschen ein Volk, welches Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit hoch hält. Doch leider kann ich davon derzeit kaum etwas spüren, und es wird immer schlimmer.

Da wäre vor allem der öffentliche Nahverkehr. Dieses Thema wird schon öffentlich diskutiert: Kaum ein Zug, kaum ein Bus, kaum eine Straßenbahn fährt wirklich pünktlich. Mit „pünktlich“ meine ich den klassischen „Dienst nach Vorschrift“! Wenn also die Abfahrt laut Fahrplan 8.41 Uhr sein soll, dann erwarte ich, dass sich das Gefährt keinesfalls vor 8.41 Uhr, aber auch nicht viel später als 8.41 Uhr in Bewegung setzt – das ist immerhin ein Zeitfenster von 60 Sekunden. Dabei hat es egal zu sein, wieviel los ist!

Aufgrund der engen und unflexiblen Planung aller Fahrpläne ist dies allerdings kaum möglich. Zu Zeiten des Berufsverkehrs ist manchmal so viel los, dass allein das Ein- und Aussteigen mehrere Minuten dauern kann. Das müsste eigentlich bedeuten, dass der Bus oder die Bahn bereits entsprechend früher an der Haltestelle eintreffen muss (also beispielsweise um 8.39 Uhr), um pünktlich um 8.41 Uhr wieder abfahren zu können. Aber nein – zumeist wird mit „Ankunftszeit gleich Abfahrtszeit“ geplant. Das kann nicht funktionieren!

Außerdem werden die Fahrzeiten unabhängig von der Tageszeit geplant. Da benötigt der Bus nachts um 23 Uhr angeblich genauso lange für die 15 Kilometer lange Strecke mit mehr als 20 Haltestellen wie morgens oder nachmittags im dicksten Berufsverkehr. Wie soll das gehen?

Ein etwas lockerer gesetzter Fahrplan mit realistischen Fahrzeiten würde hier einiges bewirken. Aber das trauen sich die Verantwortlichen nicht, da dann nominell die Fahrtzeit erhöht wird. Praktisch wäre dies natürlich nur eine Anpassung an die realen Zeiten, aber trotzdem wird davor zurückgeschreckt. Lieber werden chronische Verspätungen in Kauf genommen.

Und ganz besonders schlimm wird es in unserer Stadt, weil hier Fahrscheine immer noch (fast ausschließlich) beim Fahrer gekauft werden müssen. Sogar Mehrfach- und Monatskarten kann man beim Fahrer kaufen. Haben Sie eine Vorstellung, wie lange es am ersten Schultag eines Monats dauert, wenn an einer Haltestelle 10 Fahrgäste mit Kartenkaufwunsch einsteigen, davon mehrere Schüler, bei denen der Fahrer zusätzlich jeweils noch eine Kundennummer abtippen muss?

Ticketautomaten sind zwar mittlerweile im Gespräch, aber erst einmal nur in den Straßenbahnen. Selbst an großen Hauptknotenpunkten, an denen regelmäßig 20 oder mehr Fahrgäste einsteigen, stehen immer noch keine Automaten. Sowas von ineffizient, vor allem, wenn man die Zeit in Betracht zieht, die alle Fahrgäste, die bereits an Bord sind, durchs Warten auf die neu einsteigenden Fahrkartenkäufer verlieren!

Doch nicht nur im Verkehr wird Pünktlichkeit nicht mehr ernst genommen. Auch in Funk und Fernsehen werden Zeiten bestenfalls noch als Richtlinien benutzt. Kaum eine Sendung fängt genau zu der Zeit an, die im Programm angegeben ist. Einige Minuten früher oder später ist schon der Regelfall. Vor allem bei den Privatsendern, aber zunehmend auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern.

Da beginnt die Nachrichtensendung im Radio nicht um Punkt 8 Uhr, sondern schon zwei Minuten früher – prompt verpasst. Ein Bericht soll angeblich um 21.30 Uhr ausgestrahlt werden, beginnt aber ohne erkennbaren Grund (keine Programmänderung!) erst um 21.40 Uhr. Was soll dieser Blödsinn?

Ich habe das Gefühl, dass die Programmverantwortlichen entweder absolut unfähig sind, ein Programm im Voraus exakt zu planen, oder uns ganz bewusst verarschen wollen. Denn wenn diese verlässliche Unpünktlichkeit absichtlich herbeigeführt wird, kann das eigentlich nur einem Zweck dienen: Eine mündige Planung des Fernsehgenusses zu verhindern.

Denn wenn Programmzeiten bestenfalls noch Richtwerte sind, ist eine bewusste, zielstrebige Auswahl von Einzelsendungen so gut wie unmöglich. So wird man gezwungen, neben den paar guten Sendungen auch noch eine unangenehm große Menge Müll drumherum zu sehen!

Für mich ist Pünktlichkeit wirklich eine Zier, denn sie macht allen das Leben leichter!

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