Doppelt und dreifach hält besser?

Macht Euch Gedanken, wieviel Verpackung sein muss!

Jeder Gang in den Supermarkt wird für mich zur geistigen Folter. Nicht, weil mich das große Angebot überfordern würde oder weil mir dort so erschreckend viele Leute über den Weg laufen, sondern weil ich mich immer wieder frage: Muss das denn sein?

Themen wie Umweltschutz, Klimaschutz und Tierschutz sind derzeit groß in Mode. Wer mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegt, muss sich (meiner Meinung nach zu Recht) schämen. Alle reden vom Elektroauto, auch wenn es insgesamt nur wenig Schadstoffe gegenüber einem sparsamen Auto mit Verbrennungsmotor einspart. Und Plastik gilt als besonders umweltschädigender Rohstoff.

Doch wenn das wirklich so ist, warum nimmt der Plastik-Anteil an der Verpackung gefühlt immer weiter zu?

Vor einiger Zeit hatte ich mal wieder Lust auf etwas Süßes. Ging also zum Kiosk bei unserem Büro um die Ecke. Eine Haselnusstafel sollte es sein, die Sorte, die es schon in meiner Kindheit gab. Knusprig, nussig, süß, lecker. Doch was musste ich sehen? Die Verpackung hatte sich mal wieder geändert – hin zu Plastik.

Vor Jahrzehnten gab es die Haselnusstafel einzeln verpackt in einer Metallfolie mit einem aufgeklebten Papieretikett, unter dem sich oftmals als Aktion ein toller Aufkleber befand. Das war eine gute Verpackung aus Sicht der Umwelt, denn die Metallfolie war komplett wiederverwertbar, genauso wie das Papieretikett.

Einen Nachteil hatte diese Verpackung allerdings: Sie war nicht luftdicht. Dazu kam, dass alle Verkäufer, egal ob Kiosk, Tankstelle oder Supermarkt, ein berechtigtes Interesse daran haben, möglich große Verpackungseinheiten zu verkaufen, um die Gewinnmarge zu erhöhen.

Also wurde vor ein paar Jahren eine neue Verpackung für die Haselnusstafeln erschaffen: Zwei dieser Tafeln, jeweils einzeln in einer Schale gefaltet aus Metallfolie liegend, wurden übereinandergestapelt und mittels einer bunt bedruckten Plastikhülle zusammengehalten. Voilà, beide Kritikpunkte erledigt: Luftdicht und eine größere Mindestmenge.

Bei dieser Verpackungsform konnte ich die Entscheidung, die Außenhülle aus Plastik zu fertigen, aus Sicht der Haltbarkeit noch verstehen. Doch weil es immer schlimmer kommt, dachte man sich vor nicht allzu langer Zeit anscheinend: Auweia, da wird noch viel zu wenig Plastik vergeudet! Schon tobten sich Produktdesigner aus und erfanden eine neue Verpackung:

Nun wird jede einzelne Haselnusstafel in eine durchsichtige Plastikfolie eingeschweißt. Zwei Stück davon werden nebeneinandergelegt und mittels einer zweiten, dickeren, bunt bedruckten Plastikfolie zu einem Produkt vereint. Aber warum? Bereits die erste Plastikfolie um jede Tafel gewährleistet die Haltbarkeit. Warum noch eine Schicht Plastik? Wo es beispielsweise auch Pappe oder Papier getan hätte?

Man könnte nun sagen: Na gut, ist nicht schön, aber das ist ein Produkt von vielen, das wirkt sich doch kaum aus. Schon richtig, nur solch Verpackungswahn gibt es bei noch viel mehr Produkten!

Nehmen wir beispielsweise die Stapelchips eines bekannten Herstellers. Früher befanden sich diese einfach in einer beschichteten Papprolle. Heute hingegen liegen die Chips sauber aufgereiht in einer Wanne aus Plastik, die ihrerseits dann noch in einer Plastikfolie eingeschweißt wird – das ganze kommt dann schließlich in eine Papprolle. Also drei Schichten Verpackung!

Oder nehmen wir die üblichen Keksverpackungen: Die Kekse liegen meist ebenfalls in einer Plastikwanne, die eingeschweißt und dann in einer Pappschachtel verpackt wird. Zweimal Plastik, wo es einmal auch tun würde.

Vor allem diese Wannen können problemlos auch aus Pappe gefertigt werden. Ein Hersteller, der diesen kürzlich endlich Schritt gegangen ist, wirbt mittlerweile sogar auf der Verpackung damit, dass sie damit Plastik einsparen würden! Das würde ich gern öfter sehen.

Noch schöner fände ich es allerdings, wenn die Hersteller und die Händler endlich echte Anstrengungen unternehmen würden, unnötige Verpackung einzusparen und Plastik, wo immer möglich, durch Pappe und Papier zu ersetzen. Dafür bin gerne bereit, hin und wieder einen zerbröselten Keks hinzunehmen!

Aber solange eine Verpackung schlechter ist als die nächste, habe ich als eigentlich kritischer Konsument leider kaum eine Wahl – die reinste Folter!

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Eine Welt voller Fremdschämer und Gaffer

Habt ihr wirklich nichts Besseres zu tun als zu glotzen?

Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, möchte ich voranstellen, dass ich mittlerweile so gut wie kein lineares Fernsehen mehr gucke. Die guten Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sender genieße ich lieber in der Mediathek zu einem Zeitpunkt meiner Wahl und sehenswerte Sendungen im privaten Fernsehen, die nicht bei einem Streamingdienst verfügbar sind, sind so selten, dass sich die Suche danach gar nicht mehr lohnt.

Trotzdem lässt es sich in einem Haushalt mit drei Personen, von denen die anderen beiden immer noch regelmäßig Fernsehen schauen, leider nicht vermeiden, auch die Niederungen der modernen Medienwelt zu erleben. Wobei „modern“ heutzutage für mich bedeutet: kostenlos, massentauglich, werbefinanziert, profitorientiert, grell, menschenverachtend.

Besonders ist mir dabei aufgefallen, dass sich immer mehr Sendungen zu reinen Fremdschäm-Orgien entwickeln. Als Beispiel möchte ich „Schweigertochter gesucht“ anführen. Dort werden regelmäßig Menschen mit unterentwickelten sozialen und mentalen Fähigkeiten vorgeführt, auf dass sich das gemeine Volk daran ergötzen und es genießen kann, dass andere Menschen noch erfolgloser, unbeholfener oder „dümmer“ sind als sie selbst. Man sitzt gemütlich vor der Glotze und fühlt sich besser, weil man sich ihnen überlegen fühlen kann.

Natürlich ist das seitens der Sender genau so gewollt! Diese Suche nach Bestätigung, und wenn es nur ein simples Überlegenheitsgefühl ist, scheint den meisten Menschen ein grundlegendes Bedürfnis zu sein.

Wenn die Sender nun ihre Protagonisten möglichst dümmlich darstellen, ist die Anzahl der Zuschauer, die sich ihnen überlegen fühlen können, umso höher. Und je höher die Zuschauerzahlen, desto höher die Werbeeinnahmen. Besonders interessant sind dabei Menschen mit eher durchschnittlicher Bildung, da diese für die dort vorherrschende Form der Fernsehwerbung einerseits zugänglich sind, andererseits aber genug Geld auszugeben haben. Perfekt!

Und wenn es dann mit dem Fremdschämen mal nicht so gut funktioniert, dann wird an den nächsten niederen Trieb des Menschen appelliert: Lasst uns gaffen! Ein Hoch auf die Schadenfreude und die Sensationsgier!

Dutzende Sendungen zeigen Internetvideos, in denen Leute sich ungeheuer dämlich anstellen oder in Extremsituationen kommen, was je nach Ausrichtung mal die Schadenfreude und mal die Sensationsgier stillt. Dumme Jungs, die einen ganz tollen Stunt probieren, der natürlich gewaltig scheitert und dessen Ergebnis schon beim Zusehen körperliche Schmerzen zufügt. Live-Aufnahmen einer Schießerei oder Verfolgungsjagd. Stürze oder Unfälle bei Sportveranstaltungen (ernsthaft: wer würde noch die Formel 1 sehen, wenn es dort niemals einen Unfall gäbe?).

Wo ist die Zeit geblieben, als die Medien noch versucht haben, Bildung zu verbreiten? Oder Vorbilder zu porträtieren, an denen sich zu orientieren einen Menschen voranbringen könnte? Die Zeit, in der die Menschen, die für die Medieninhalte verantwortlich sind, sich noch als Botschafter verstanden haben und ihre Darsteller und Figuren menschlich behandelt haben.

Natürlich habe ich nichts gegen Unterhaltungssendungen. Auch ich verbringe viel Zeit mit dem Konsum von letztlich komplett zweckfreien TV-Serien und Spielfilmen. Aber zum einen lasse ich mich nicht zum Gucken von Werbung zwingen (lieber zahle ich die Kosten direkt über Mitgliedschaften oder Leihgebühren), zum anderen lege ich Wert darauf, dass auch die fiktiven Personen mit Anstand und Respekt behandelt werden.

Zumal es für mich einen großen Unterschied ausmacht, ob eine Geschichte ein rein fiktives Produkt ist und dazu steht, oder ob (wie heutzutage leider viel zu häufig der Fall) versucht wird, als echt wahrgenommen zu werden. Stichwort „Doku-Soap“ und „Skripted Reality“ – viele billige Laiendarsteller, sensationslüsterne Stories voller Banalitäten, gespickt mit „echten Rettungskräften“ und „frei nacherzählt aufgrund wahrer Begebenheiten.“ Grausam!

Warum sollte ich als Medienkonsument freiwillig zum Vollhonk oder zum primitiven Tier werden und mir so etwas antun?

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Keine freie Fahrt für Egomanen

Ein Tempolimit ist kein Angriff auf die Freiheit!

Zugegeben, auch ich fahre gerne mal schnell. Richtig schnell. Manchmal sogar zu schnell. Doch was ist schon „zu schnell“? Ist auf einer leeren, dreispurigen Autobahn, die schnurgerade durchs Land verläuft, Tempo 160 oder 200 zu schnell? Ja und nein.

Irgendwie scheint Deutschland eine ganz eigene Beziehung zur (Reise-)Geschwindigkeit zu haben. Da muss das Auto mindestens 250 Kilometer pro Stunde schnell sein, der Zug bitte auch, und das Flugzeug ist sowieso der Gipfel an Geschwindigkeit…

Mittlerweile frage ich mich, was dieser Geschwindigkeitsfanatismus bringen soll. Warum müssen Autos heutzutage immer stärkere Motoren haben und immer schneller fahren können? Wer kann denn bitte diese Geschwindigkeit überhaupt noch nutzen? Von den knapp 20.000 Kilometern, die unser Auto jedes Jahr zurücklegt, werden nicht einmal die Hälfte auf Autobahnen gefahren. Und davon könnte man, wenn es hochkommt, vielleicht auf 1.000 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von mehr als 130 Kilometern pro Stunde fahren – wenn der Verkehr es überhaupt zulässt. Was mit etwas Glück eine Zeitersparnis von 1 bis 2 Stunden ergibt – im Jahr! Braucht es dafür einen Rennwagen?

Ich fände ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen absolut richtig. Ob es nun bei 120, 130 oder 160 Kilometern pro Stunde liegt, ist dabei relativ egal. Für einen flüssigen Verkehrsablauf ist es wichtig, die Differenz zwischen der Maximal- und der Durchschnittgeschwindigkeit zu reduzieren. Wenn niemand schneller als 130 fahren darf (also real so gut wie niemand schneller als 150 fährt), sind Spurwechsel und Überholmanöver wieder sinnvoll möglich, das Rechtsfahrgebot kann eingehalten werden, und alle fahren entspannter und umweltfreundlicher.

Je schneller ein Auto unterwegs ist, umso mehr steigen der Kraftstoffverbrauch und somit der Schadstoffausstoß. Gleiches gilt für den Verschleiß der Straße und die Lärmentwicklung. Und das ganze nur, damit die paar wenigen, die mit Bleifuß unterwegs sind, ein paar Minuten Zeit sparen und ihr Ego gestärkt wird.

Wer die freie Fahrt gewohnt ist, kann sich wahrscheinlich nicht vorstellen, wie angenehm nach kurzer Gewöhnung das Fahren auf Autobahnen sein kann, wenn die Spitzengeschwindigkeit gekappt wird. Kaum ist man aber beispielsweise ein paar Tage mit dem Auto in den USA unterwegs, merkt man, wie viel entspannter das Reisen dadurch wird. Wenn niemand mehr rasen darf, sind alle ruhiger und der Verkehr fließt anstatt zu brodeln.

Sehr positiv finde ich übrigens die Nachricht, dass Volvo demnächst die Höchstgeschwindigkeit seiner Neufahrzeuge generell begrenzen will. Leider nur auf Tempo 180, aber immerhin ein Anfang!

Ein völlig falsches Zeichen hingegen ist der Trend, der sich gerade bei der Werbung für die Elektro- und Hybridfahrzeuge abzeichnet. Alle Hersteller werben vor allem mit zwei Dingen: Reichweite und Beschleunigung. Fahrzeuge wie die von Tesla verkaufen sich vor allem deshalb so gut, weil sie wie Sportwagen beworben werden: flach, schnell, geil!

Doch eine hohe Reichweite führt zu unnötig großen und somit schweren Akkus, die wiederum kräftigere Motoren verlangen, was wiederum die Reichweite senkt oder einen noch größeren Akku verlangt – ein Teufelskreis! Wer ernsthaft ein Elektrofahrzeug im Alltag fahren will, muss doch sowieso regelmäßig Strom tanken können. Warum dann nicht täglich einstöpseln und dafür nur einen kleinen, leichten Akku herumfahren? Stattdessen stellt die Autoindustrie riesige und schwere SUVs mit Monster-Akku und drei Motoren vor und wirbt mit Beschleunigungswerten, die manchen Porsche-Fahrer neidisch werden lassen.

Andere moderne Formen der Kleinmobilität hingegen, vor allem das E-Bike und E-Scooter, werden gleich von Anfang an komplett ausgebremst, indem ihnen völlig unzureichende Maximalgeschwindigkeiten auferlegt werden. Maximal 25 km/h für ein E-Bike und sogar nur 20 km/h für einen E-Scooter, der noch nicht einmal auf dem Fußweg fahren darf. Deutlicher kann die Politik wohl nicht machen, dass ihr entweder die Umwelt egal ist oder sie von der Automobilindustrie gekauft ist. Oder beides!

Ich fahre heute mit Straßenbahn und Regionalexpress nach Hause. Voll elektrisch und ohne Hektik. Geht wunderbar, ist aber natürlich nicht so „geil“ wie so manches Auto. Doch darauf verzichte ich gerne!

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Der Lieferwahnsinn

Bequemlichkeit ist zwar verständlich, aber selten nachhaltig!

Weihnachten ist vorbei und in vielen Branchen beginnt das große Aufatmen. Im Einzelhandel hat man wieder mehr als einen Quadratmeter Platz pro Kunde, die Weihnachtsmärkte sind größtenteils geschlossen und die obligatorischen Weihnachtsfeiern sind abgefeiert. Man bekommt unter der Woche wieder einen Tisch im Lieblingsrestaurant und einen Platz im Parkhaus nebenan.

Vor allem aber können die vielen Paketdienste langsam wieder etwas entspannen. Die meisten Weihnachtsgeschenke sind angekommen, der Umtausch macht nur ein Bruchteil dessen aus, was in den Wochen zuvor gelaufen ist. Und die meisten Auftraggeber sind plötzlich wieder entspannt, weil der Stichtag „Heiligabend“ nicht mehr droht.

In all diesem Weihnachtstrubel frage ich mich: Warum? Warum tun wir uns und der Umwelt das eigentlich an? Warum kaufen wir immer mehr online und vor allem: Warum muss die Lieferung immer schneller gehen und immer günstiger sein – am besten kostenlos?

Am einfachsten wäre es jetzt zu sagen, dass die bösen Online-Händler schuld daran sind – vor allem der eine große, der zur Weihnachtszeit massiv Fernsehwerbung macht. Der quasi alles im Angebot hat und fast alles gegen eine jährliche Zahlung per Express kostenlos am nächsten Werktag liefert. Der jeden anderen Anbieter konsequent zu unterbieten versucht, auch wenn er dadurch letztlich kaum Gewinn macht.

Doch eigentlich sind wir alle schuld. Wir faulen, bequemen, verwöhnten Endkunden. Wir erwarten, dass immer alles verfügbar ist. Dinge des täglichen Bedarfs, Kleidung, Schuhe, Bücher, Technik, Geschenke für jeden wichtigen und unwichtigen Anlass. Ein Klick und ab geht die Post! Herrlich!

Denkt man einmal in Ruhe darüber nach, wird jedem klar, was für ein Wahnsinn das eigentlich ist. Wie viele Ressourcen für die Produktion, Lagerung und fürs Versenden und Rücksenden all dieser ach so wichtigen Dinge verbraucht werden.

Im Bereich der Musik, der Bücher und der Filme habe ich für mich schon lange eine Konsequenz daraus gezogen und beschaffe diese Sachen nur noch digital. Teilweise durch Download, teilweise durch Streaming. Erst kürzlich habe ich meine langjährige Mitgliedschaft in einer Versandvideothek gekündigt, die zwar immer noch in Sachen Auswahl jeden einzelnen Streamingdienst aussticht, aber gegen alle zusammen keine Chance hat. Auch in unserer Firma stellen wir für die Lieferung unserer Software komplett auf Download um, um weniger Verpackungsmüll und Versandaufwand zu erzeugen.

Einen kompletten Verzicht auf Versand-Bestellungen kann ich mir allerdings nicht vorstellen. Kleidung kann ich nicht vor Ort kaufen, denn kein Geschäft in Braunschweig hat eine vorzeigbare Auswahl an Kleidungsstücken in großen Größen. Im Bereich der Technik und Unterhaltungselektronik weiß ich zu genau, was ich möchte, und finde es garantiert nicht vor Ort. Gesellschaftsspiele kann ich vor Ort gar nicht kaufen, da es keinen Händler vor Ort gibt, der diese in hinreichender Auswahl führt oder bereit ist, diese auf Anfrage zu beschaffen.

Vielleicht schaffe ich es ja im kommenden Jahr zumindest, mich selbst etwas zu beschränken und mit weniger, besser kombinierten Lieferungen ohne Expressoption klarzukommen. Es muss ja nicht immer jedes Produkt einzeln bestellt und schon morgen kostenlos geliefert werden.

Damit ließe sich die Anzahl der Pakete pro Jahr deutlich reduzieren. Weniger Verpackungsmüll, weniger CO2-Ausstoß durch Lang- und Kurzstreckentransporte, weniger gestresste Paketdienstfahrer, die nur Vollgas und Vollbremsung kennen, um ihre Arbeitslast überhaupt noch schaffen zu können. Damit wäre vor allem der Umwelt geholfen!

Doch da höre ich schon wieder Leute schreien, dass damit ganz viele Arbeitsplätze in der Logistikindustrie und im Handel gefährdet würden. Und ich lese immer wieder, dass der Download eines Films letztlich fast genauso viel Energie frisst wie das Liefern einer DVD. Ist also auch wieder falsch…

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Sag‘ beim Abschied leise Danke

Umgangsformen helfen auch bei Nutzung moderner Kommunikation!

Gerade wurde von einer weiteren Studie berichtet, die untersucht hat, wie sich verschiedene Schlussformeln in E-Mails auf die Wahrscheinlichkeit auswirken, ob und wie schnell geantwortet wird. Dabei kam heraus, dass eine Anfrage per E-Mail – welch Überraschung – immer dann am häufigsten zum Erfolg führt, wenn man sich zum Ende der E-Mail höflich im Voraus bedankt.

Wow! Eine absolut unerwartete Erkenntnis!

Sollte der Adressat einer E-Mail etwa auch ein Mensch sein, der das Gefühl haben möchte, als solcher ernstgenommen zu werden? Der zu Recht erwartet, freundlich behandelt zu werden? Also so richtig altmodisch?

Seit einiger Zeit habe ich den Eindruck, dass die allgemeinen Umgangsformen verrohen. Dass immer mehr Menschen mit einer sehr hohen Erwartungshaltung an geschäftliche wie zwischenmenschliche Interaktionen herangehen und Dinge, die nicht wie erhofft verlaufen, sehr schnell persönlich nehmen.

Natürlich hat jemand ein Recht, sich zu ärgern, wenn ein gekauftes Produkt nicht wie erhofft funktioniert oder nach kurzer Zeit defekt ist. Natürlich ist man nicht erfreut, wenn Termine nicht wie gewünscht verfügbar sind oder sich unerwartete Wartezeiten ergeben. Und natürlich kann ich Menschen verstehen, die in solchen Fällen die Servicehotline anrufen, per E-Mail Kontakt aufnehmen oder gar persönlich vorbeigehen, um sich zu beschweren. Aber bevor sie das tun, sollten sie sich bewusst werden, dass fast immer derjenige, der die Beschwerde abbekommt, nicht derjenige ist, der sie verursacht hat!

Bei den meisten Unternehmen, vor allem bei kleineren, sitzen ganz oft Menschen am anderen Ende der Kommunikation, die wirklich helfen möchten. Denen es ein echtes Anliegen ist, dem enttäuschten Kunden zu helfen und eine Lösung für dessen Problem zu finden. Da hilft es wenig, die gute Erziehung zu vergessen und unhöflich zu werden.

Bei größeren Unternehmen sind es eher Call-Center-Mitarbeiter, die auf ihre vordefinierten Prozesse, Verfahren und ablaufgesteuerten Fragenkataloge festgelegt sind. Sie haben meist keinerlei Möglichkeit, die Problemlösung selbst herbeizuführen, und können (und dürfen) keine Informationen herausgeben, die über ihren Fragenkatalog hinausgehen.

Egel, auf welche Sorte man trifft – jeder hat es verdient, mit Respekt und Höflichkeit behandelt zu werden. Auch wenn sie für den „Feind“ arbeiten, sind sie doch Menschen wie du und ich, die ihren Job entweder aus Berufung oder aus der Not heraus machen und sicher selbst genauso unglücklich über den Verlauf sind wie der sich Beschwerende.

Auch innerhalb von großen Unternehmen, in denen häufig ein Klüngel innerhalb der Abteilungen und eine entsprechende Rivalität zu allen anderen Abteilungen existiert, arbeiten letztlich Menschen mit Wünschen und Gefühlen. Warum also den Anstand vergessen und die Kommunikation verrohen lassen?

Selbst wenn der eigene Lebensentwurf darin besteht, möglichst schnell in der Hierarchie aufzusteigen und man dafür viele andere „unter“ sich zurücklassen muss, kann dies trotzdem höflich geschehen. Ich bin davon überzeugt, dass gerade Höflichkeit und Aufrichtigkeit die am häufigsten unterschätzten Eigenschaften von wirklich erfolgreichen Führungspersonen sind.

Natürlich muss ein Chef auch klar sagen, wo es langgehen soll, aber entscheidend fürs Arbeitsklima und somit für den langfristigen Erfolg ist auch die Art, wie dies geschieht.

Fangen wir also im Kleinen damit an und sind wir ab sofort noch eine Stufe netter zueinander. Überlegen wir vor dem nächsten Wutausbruch erst einmal, ob der geplante Adressat diese „Ansprache“ wirklich verdient hat. Und nehmen wir uns vor allem auch in Zeiten der rasend schnellen Sofort-Kommunikation die Zeit, die kleine Dinge in der zwischenmenschlichen Kommunikation richtig zu machen. Für eine Anrede und ein paar freundliche Worte sollte immer genug Zeit sein.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

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Neue deutsche Schlechtschreibung

Keiner kümmert sich mehr ums korrekte Schreiben!

Neulich gehe ich entspannt zum Mittagessen und werfe einen kurzen Blick auf ein Plakat an einer Litfaßsäule. Es lässt mich schaudern: Ein hochoffizielles Veranstaltungsplakat mit einem Schreibfehler in einer der beiden besonders großen Textzeilen (siehe Foto oben). Das brachte das Fass endgültig zum Überlaufen!

Ist es heutzutage wirklich allen völlig egal, wie sie etwas schreiben? Seit einiger Zeit stolpere ich zunehmend über Schreib- oder Layoutfehler an allen möglichen Stellen. In unserer Tageszeitung, auf Plakaten, in Büchern, in offiziellen Briefen. Und ich frage mich, warum.

Gerade läuft in der Presse eine Diskussion darüber, wie Kinder in der Grundschule am bestem die Rechtschreibung lernen. Studien dazu haben gezeigt, dass es – oh welch Wunder – sinnvoll ist, von Anfang an die korrekte Schreibweise zu lehren. Dabei wurde doch seit Jahren gepredigt, dass man die armen Kinderlein erst einmal schreiben lassen soll, wie sie wollen. Auf gar keinen Fall dürfe man schon die Kleinen maßregeln, indem man ihnen ihre Fehler aufzeigt und sie korrigiert. Damit würden sie jegliche Lust am Lernen verlieren.

Da frage ich mich erst einmal: Wie kommt man auf solche Ideen? Doch wenn ich weiter darüber nachdenke, wundert es mich nicht. Kommen doch solche Aussagen und „Lern“-Methoden von den gleichen Entscheidern, die auch für die Odyssee unseres Sohnes zuständig waren.

Er verbrachte sein erstes Schuljahr damit, eine gut lesbare und für alle Zwecke verwendbare Druckschrift zu lernen, geschrieben mit Bleistift. So weit, so gut. Doch dann kam das zweite Schuljahr und alles wurde anders. Anstatt das bisher Behandelte (die Druckschrift) zu vertiefen, wurde wieder bei Null angefangen und es musste die vereinfachte Ausgangsschrift sein. Nicht mehr mit Bleistift, sondern mit einem Tintenroller. Letzteres kann ich ja noch verstehen, aber warum bitte müssen unsere Kinder heutzutage, wo längere Texte sowieso am Computer entstehen, noch so etwas Sinnloses wie die vereinfachte Ausgangsschrift lernen?

Doch damit nicht genug – kaum hatten sich die Kinder vom Bleistift auf den Tintenroller umgewöhnt und konnten die meisten Buchstaben in dieser komischen Schrift schreiben, sollte jetzt auch noch ein Füller (pardon: Füllfederhalter) angeschafft werden. Dies bedeutete die zweite Umstellung der Schreibhaltung, und ist nun wirklich ein Relikt aus der Steinzeit. Es gibt wesentlich bessere Schreibgeräte als den Füllfederhalter, und das Schriftbild mit einem Tintenroller oder einem guten Kugelschreiber ist um Welten klarer als beim Füller. Von der Kleckserei, die manche Füller anrichten, mal ganz abgesehen.

Fehlt eigentlich nur noch, dass Schulhefte wieder durch Schiefertafeln ersetzt werden! Mal ernsthaft: Gibt es nicht viel wichtigere Dinge, die wir unseren Kindern beibringen können, als zwei Schriften und drei Schreibhaltungen? Zum Beispiel eine gut lesbare Schrift und sinnvolles Formulieren?

Doch bleiben wir bei der Rechtschreibung: Eigentlich sollte es heute viel einfacher sein, einen Text ohne Rechtschreibfehler zu erstellen. So ziemlich jedes Schreibprogramm hat eine automatische Rechtschreibkontrolle, die 99% der Fehler erkennt. Nur leider scheint niemand zu verstehen, dass das verbleibende 1% immer noch eine ganze Menge mögliche Fehler bedeutet, die man nur findet, wenn man einen Text noch einmal in Ruhe durchliest und am besten von einem weiteren, neutralen Leser kontrollieren lässt.

Doch selbst bei professionellen Druckwerken wie Büchern und Zeitschriften scheint dies nicht mehr als wichtig angesehen zu werden. Kaum ein neueres Buch, in dem ich nicht über mehrere Fehler stolpere. Allein auf der Titelseite unserer heutigen Tageszeitung sprangen mich drei Fehler an – einer davon in einer Überschrift. Wie sollen unsere Kinder bei solchen Vorbildern lernen, dass Rechtschreibung eine Tugend und kein zu vernachlässigendes Übel ist?

Natürlich sind auch meine Texte nicht völlig frei von Fehlern, aber ich gebe mir zumindest ernsthaft Mühe. Mehr verlange ich auch nicht von Bloggern, Autoren und Redakteuren!

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Das allgegenwärtige Mode-Diktat

Die Bekleidungsindustrie bestimmt unser Äußeres!

Wann waren Sie zuletzt am Ende des Sommers in einem Kleidungsgeschäft und haben versucht, eine Sommerjacke zu kaufen? Haben Sie jemals versucht, die gleiche Hose, die Sie vor zwei Jahren gekauft haben, und die perfekt sitzt, noch einmal zu bekommen? Dann werden Sie verstehen, worüber ich mich jetzt auslassen möchte…

Wer mich kennt, weiß, dass ich weder klein noch schlank bin. Ich bin mit 1,82 Metern größer als der Durchschnitt und mit deutlich über 100 Kilogramm sehr umfangreich. Wenn ich mir also irgendwelche Kleidung kaufen möchte, habe ich grundsätzlich ein Problem. Denn die Auswahl oberhalb von Größe 60 oder 3XL ist stets spärlich. Selbst die vielen Online-Shops, die sich auf Mode für „Ganze Kerle“ oder „XXL-Männer“ spezialisiert haben, bieten nur einen winzigen Bruchteil der Auswahl, die dem Durchschnittsmann zur Verfügung steht.

Ich kann ja noch verstehen, dass es aufgrund beschränkter Lagerkapazität zu einem gewissen jahreszeitlichen Wechsel der verfügbaren Bekleidung kommt, zu einer Verschiebung der Anteile von leichten Blusen und Strickpullovern. Doch warum gibt es schon im August keine einzige Sommerjacke mehr zu kaufen und im Februar keine Winterjacke mehr?

Als wäre das nicht schon schlimm genug, kommt dann noch das Konzept der „Mode“ ins Spiel. Schon vor Jahrzehnten hat die Bekleidungsindustrie beschlossen, uns Menschen mit einem ständigen Wechsel der Kollektionen und des Zeitgeistes zu foltern. Kaum hat man mal ein Teil gefunden, dass einem sowohl passt als auch gefällt, ist es eigentlich schon „veraltet“ und in wenigen Wochen nicht mehr zu bekommen.

Selbst große Markenhersteller, die noch vor wenigen Jahren dafür bekannt waren, einige Standardprodukte jahrzehntelang völlig unverändert herzustellen und dem genervten Endkunden damit eine kleine Entspannung in Sachen Kleidungskauf zu gewähren, fangen mehr und mehr an, auf kurzfristige Produkte und ständige „Neuheiten“ zu setzen. Beispielsweise der Hosenhersteller Pioneer oder der Schuhfabrikant Birkenstock.

Und weil dieser ständige Wechsel dessen, was gerade „in“ und angesagt ist, natürlich auch in die Welt getragen werden muss, haben sich drumherum ganz viele Profiteure gefunden, die das Mode-Diktat mittragen und zu ihrem eigenen finanziellen Vorteil verbreiten. Mode- und Frauenzeitschriften, Fernsehsendungen, Fashion-Weeks und Mode-Blogger. Letztere teilweise sogar, und das finde ich noch schlimmer, nur zur Befriedigung des eigenen Geltungsbedürfnisses.

Aus wirtschaftlicher Sicht der Akteure ist das absolut zu verstehen, denn wie soll man mit einer qualitativ hochwertigen Hose oder Jacke, die jahrelang hält, Umsatz machen? Was hilft es ihnen, wenn ein Paar Schuhe auch nach 20 Jahren noch wie neu aussieht und bei Bedarf repariert werden kann? Gar nichts! Heutzutage ist es wichtig, dass jedes verkaufte Teil nach möglichst kurzer Zeit entweder abgenutzt oder „out“ ist. Denn nur so kann man mit den Billiglohnsklaven in Asien und anderswo möglichst viel Gewinn erwirtschaften.

Dass dabei die Menschlichkeit und die Umwelt vor die Hunde gehen, interessiert diese Unternehmen nicht. Und die meisten Kunden auch nicht, die wie Lemminge dem Trend folgen und sich freuen, dass sie eine Bluse für 4,99 Euro oder eine Hose für 9,99 Euro erstehen konnten. Wahrscheinlich sogar ein bisschen stolz auf sich sind, weil sie ein solches Schnäppchen niedergestreckt haben.

Also lesen wir morgen bereits in jeder Illustrierten, dass das, was wir heute gekauft haben, nicht mehr in Mode ist. Dass es unverzeihlich ist, nicht dem neuesten Trend zu entsprechen. Und dass wir dringend wieder etwas Neues kaufen müssen!

Ich versuche alles, mich diesem Trend zu widersetzen. Versuche, nur Kleidung zu kaufen, die ich wirklich benötige und bei der ich davon ausgehe, dass ich sie auch noch in einigen Jahren tragen kann und werde. Wenn ich damit „out“ bin, sei’s drum…

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