Sag‘ beim Abschied leise Danke

Umgangsformen helfen auch bei Nutzung moderner Kommunikation!

Gerade wurde von einer weiteren Studie berichtet, die untersucht hat, wie sich verschiedene Schlussformeln in E-Mails auf die Wahrscheinlichkeit auswirken, ob und wie schnell geantwortet wird. Dabei kam heraus, dass eine Anfrage per E-Mail – welch Überraschung – immer dann am häufigsten zum Erfolg führt, wenn man sich zum Ende der E-Mail höflich im Voraus bedankt.

Wow! Eine absolut unerwartete Erkenntnis!

Sollte der Adressat einer E-Mail etwa auch ein Mensch sein, der das Gefühl haben möchte, als solcher ernstgenommen zu werden? Der zu Recht erwartet, freundlich behandelt zu werden? Also so richtig altmodisch?

Seit einiger Zeit habe ich den Eindruck, dass die allgemeinen Umgangsformen verrohen. Dass immer mehr Menschen mit einer sehr hohen Erwartungshaltung an geschäftliche wie zwischenmenschliche Interaktionen herangehen und Dinge, die nicht wie erhofft verlaufen, sehr schnell persönlich nehmen.

Natürlich hat jemand ein Recht, sich zu ärgern, wenn ein gekauftes Produkt nicht wie erhofft funktioniert oder nach kurzer Zeit defekt ist. Natürlich ist man nicht erfreut, wenn Termine nicht wie gewünscht verfügbar sind oder sich unerwartete Wartezeiten ergeben. Und natürlich kann ich Menschen verstehen, die in solchen Fällen die Servicehotline anrufen, per E-Mail Kontakt aufnehmen oder gar persönlich vorbeigehen, um sich zu beschweren. Aber bevor sie das tun, sollten sie sich bewusst werden, dass fast immer derjenige, der die Beschwerde abbekommt, nicht derjenige ist, der sie verursacht hat!

Bei den meisten Unternehmen, vor allem bei kleineren, sitzen ganz oft Menschen am anderen Ende der Kommunikation, die wirklich helfen möchten. Denen es ein echtes Anliegen ist, dem enttäuschten Kunden zu helfen und eine Lösung für dessen Problem zu finden. Da hilft es wenig, die gute Erziehung zu vergessen und unhöflich zu werden.

Bei größeren Unternehmen sind es eher Call-Center-Mitarbeiter, die auf ihre vordefinierten Prozesse, Verfahren und ablaufgesteuerten Fragenkataloge festgelegt sind. Sie haben meist keinerlei Möglichkeit, die Problemlösung selbst herbeizuführen, und können (und dürfen) keine Informationen herausgeben, die über ihren Fragenkatalog hinausgehen.

Egel, auf welche Sorte man trifft – jeder hat es verdient, mit Respekt und Höflichkeit behandelt zu werden. Auch wenn sie für den „Feind“ arbeiten, sind sie doch Menschen wie du und ich, die ihren Job entweder aus Berufung oder aus der Not heraus machen und sicher selbst genauso unglücklich über den Verlauf sind wie der sich Beschwerende.

Auch innerhalb von großen Unternehmen, in denen häufig ein Klüngel innerhalb der Abteilungen und eine entsprechende Rivalität zu allen anderen Abteilungen existiert, arbeiten letztlich Menschen mit Wünschen und Gefühlen. Warum also den Anstand vergessen und die Kommunikation verrohen lassen?

Selbst wenn der eigene Lebensentwurf darin besteht, möglichst schnell in der Hierarchie aufzusteigen und man dafür viele andere „unter“ sich zurücklassen muss, kann dies trotzdem höflich geschehen. Ich bin davon überzeugt, dass gerade Höflichkeit und Aufrichtigkeit die am häufigsten unterschätzten Eigenschaften von wirklich erfolgreichen Führungspersonen sind.

Natürlich muss ein Chef auch klar sagen, wo es langgehen soll, aber entscheidend fürs Arbeitsklima und somit für den langfristigen Erfolg ist auch die Art, wie dies geschieht.

Fangen wir also im Kleinen damit an und sind wir ab sofort noch eine Stufe netter zueinander. Überlegen wir vor dem nächsten Wutausbruch erst einmal, ob der geplante Adressat diese „Ansprache“ wirklich verdient hat. Und nehmen wir uns vor allem auch in Zeiten der rasend schnellen Sofort-Kommunikation die Zeit, die kleine Dinge in der zwischenmenschlichen Kommunikation richtig zu machen. Für eine Anrede und ein paar freundliche Worte sollte immer genug Zeit sein.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

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Neue deutsche Schlechtschreibung

Keiner kümmert sich mehr ums korrekte Schreiben!

Neulich gehe ich entspannt zum Mittagessen und werfe einen kurzen Blick auf ein Plakat an einer Litfaßsäule. Es lässt mich schaudern: Ein hochoffizielles Veranstaltungsplakat mit einem Schreibfehler in einer der beiden besonders großen Textzeilen (siehe Foto oben). Das brachte das Fass endgültig zum Überlaufen!

Ist es heutzutage wirklich allen völlig egal, wie sie etwas schreiben? Seit einiger Zeit stolpere ich zunehmend über Schreib- oder Layoutfehler an allen möglichen Stellen. In unserer Tageszeitung, auf Plakaten, in Büchern, in offiziellen Briefen. Und ich frage mich, warum.

Gerade läuft in der Presse eine Diskussion darüber, wie Kinder in der Grundschule am bestem die Rechtschreibung lernen. Studien dazu haben gezeigt, dass es – oh welch Wunder – sinnvoll ist, von Anfang an die korrekte Schreibweise zu lehren. Dabei wurde doch seit Jahren gepredigt, dass man die armen Kinderlein erst einmal schreiben lassen soll, wie sie wollen. Auf gar keinen Fall dürfe man schon die Kleinen maßregeln, indem man ihnen ihre Fehler aufzeigt und sie korrigiert. Damit würden sie jegliche Lust am Lernen verlieren.

Da frage ich mich erst einmal: Wie kommt man auf solche Ideen? Doch wenn ich weiter darüber nachdenke, wundert es mich nicht. Kommen doch solche Aussagen und „Lern“-Methoden von den gleichen Entscheidern, die auch für die Odyssee unseres Sohnes zuständig waren.

Er verbrachte sein erstes Schuljahr damit, eine gut lesbare und für alle Zwecke verwendbare Druckschrift zu lernen, geschrieben mit Bleistift. So weit, so gut. Doch dann kam das zweite Schuljahr und alles wurde anders. Anstatt das bisher Behandelte (die Druckschrift) zu vertiefen, wurde wieder bei Null angefangen und es musste die vereinfachte Ausgangsschrift sein. Nicht mehr mit Bleistift, sondern mit einem Tintenroller. Letzteres kann ich ja noch verstehen, aber warum bitte müssen unsere Kinder heutzutage, wo längere Texte sowieso am Computer entstehen, noch so etwas Sinnloses wie die vereinfachte Ausgangsschrift lernen?

Doch damit nicht genug – kaum hatten sich die Kinder vom Bleistift auf den Tintenroller umgewöhnt und konnten die meisten Buchstaben in dieser komischen Schrift schreiben, sollte jetzt auch noch ein Füller (pardon: Füllfederhalter) angeschafft werden. Dies bedeutete die zweite Umstellung der Schreibhaltung, und ist nun wirklich ein Relikt aus der Steinzeit. Es gibt wesentlich bessere Schreibgeräte als den Füllfederhalter, und das Schriftbild mit einem Tintenroller oder einem guten Kugelschreiber ist um Welten klarer als beim Füller. Von der Kleckserei, die manche Füller anrichten, mal ganz abgesehen.

Fehlt eigentlich nur noch, dass Schulhefte wieder durch Schiefertafeln ersetzt werden! Mal ernsthaft: Gibt es nicht viel wichtigere Dinge, die wir unseren Kindern beibringen können, als zwei Schriften und drei Schreibhaltungen? Zum Beispiel eine gut lesbare Schrift und sinnvolles Formulieren?

Doch bleiben wir bei der Rechtschreibung: Eigentlich sollte es heute viel einfacher sein, einen Text ohne Rechtschreibfehler zu erstellen. So ziemlich jedes Schreibprogramm hat eine automatische Rechtschreibkontrolle, die 99% der Fehler erkennt. Nur leider scheint niemand zu verstehen, dass das verbleibende 1% immer noch eine ganze Menge mögliche Fehler bedeutet, die man nur findet, wenn man einen Text noch einmal in Ruhe durchliest und am besten von einem weiteren, neutralen Leser kontrollieren lässt.

Doch selbst bei professionellen Druckwerken wie Büchern und Zeitschriften scheint dies nicht mehr als wichtig angesehen zu werden. Kaum ein neueres Buch, in dem ich nicht über mehrere Fehler stolpere. Allein auf der Titelseite unserer heutigen Tageszeitung sprangen mich drei Fehler an – einer davon in einer Überschrift. Wie sollen unsere Kinder bei solchen Vorbildern lernen, dass Rechtschreibung eine Tugend und kein zu vernachlässigendes Übel ist?

Natürlich sind auch meine Texte nicht völlig frei von Fehlern, aber ich gebe mir zumindest ernsthaft Mühe. Mehr verlange ich auch nicht von Bloggern, Autoren und Redakteuren!

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Das allgegenwärtige Mode-Diktat

Die Bekleidungsindustrie bestimmt unser Äußeres!

Wann waren Sie zuletzt am Ende des Sommers in einem Kleidungsgeschäft und haben versucht, eine Sommerjacke zu kaufen? Haben Sie jemals versucht, die gleiche Hose, die Sie vor zwei Jahren gekauft haben, und die perfekt sitzt, noch einmal zu bekommen? Dann werden Sie verstehen, worüber ich mich jetzt auslassen möchte…

Wer mich kennt, weiß, dass ich weder klein noch schlank bin. Ich bin mit 1,82 Metern größer als der Durchschnitt und mit deutlich über 100 Kilogramm sehr umfangreich. Wenn ich mir also irgendwelche Kleidung kaufen möchte, habe ich grundsätzlich ein Problem. Denn die Auswahl oberhalb von Größe 60 oder 3XL ist stets spärlich. Selbst die vielen Online-Shops, die sich auf Mode für „Ganze Kerle“ oder „XXL-Männer“ spezialisiert haben, bieten nur einen winzigen Bruchteil der Auswahl, die dem Durchschnittsmann zur Verfügung steht.

Ich kann ja noch verstehen, dass es aufgrund beschränkter Lagerkapazität zu einem gewissen jahreszeitlichen Wechsel der verfügbaren Bekleidung kommt, zu einer Verschiebung der Anteile von leichten Blusen und Strickpullovern. Doch warum gibt es schon im August keine einzige Sommerjacke mehr zu kaufen und im Februar keine Winterjacke mehr?

Als wäre das nicht schon schlimm genug, kommt dann noch das Konzept der „Mode“ ins Spiel. Schon vor Jahrzehnten hat die Bekleidungsindustrie beschlossen, uns Menschen mit einem ständigen Wechsel der Kollektionen und des Zeitgeistes zu foltern. Kaum hat man mal ein Teil gefunden, dass einem sowohl passt als auch gefällt, ist es eigentlich schon „veraltet“ und in wenigen Wochen nicht mehr zu bekommen.

Selbst große Markenhersteller, die noch vor wenigen Jahren dafür bekannt waren, einige Standardprodukte jahrzehntelang völlig unverändert herzustellen und dem genervten Endkunden damit eine kleine Entspannung in Sachen Kleidungskauf zu gewähren, fangen mehr und mehr an, auf kurzfristige Produkte und ständige „Neuheiten“ zu setzen. Beispielsweise der Hosenhersteller Pioneer oder der Schuhfabrikant Birkenstock.

Und weil dieser ständige Wechsel dessen, was gerade „in“ und angesagt ist, natürlich auch in die Welt getragen werden muss, haben sich drumherum ganz viele Profiteure gefunden, die das Mode-Diktat mittragen und zu ihrem eigenen finanziellen Vorteil verbreiten. Mode- und Frauenzeitschriften, Fernsehsendungen, Fashion-Weeks und Mode-Blogger. Letztere teilweise sogar, und das finde ich noch schlimmer, nur zur Befriedigung des eigenen Geltungsbedürfnisses.

Aus wirtschaftlicher Sicht der Akteure ist das absolut zu verstehen, denn wie soll man mit einer qualitativ hochwertigen Hose oder Jacke, die jahrelang hält, Umsatz machen? Was hilft es ihnen, wenn ein Paar Schuhe auch nach 20 Jahren noch wie neu aussieht und bei Bedarf repariert werden kann? Gar nichts! Heutzutage ist es wichtig, dass jedes verkaufte Teil nach möglichst kurzer Zeit entweder abgenutzt oder „out“ ist. Denn nur so kann man mit den Billiglohnsklaven in Asien und anderswo möglichst viel Gewinn erwirtschaften.

Dass dabei die Menschlichkeit und die Umwelt vor die Hunde gehen, interessiert diese Unternehmen nicht. Und die meisten Kunden auch nicht, die wie Lemminge dem Trend folgen und sich freuen, dass sie eine Bluse für 4,99 Euro oder eine Hose für 9,99 Euro erstehen konnten. Wahrscheinlich sogar ein bisschen stolz auf sich sind, weil sie ein solches Schnäppchen niedergestreckt haben.

Also lesen wir morgen bereits in jeder Illustrierten, dass das, was wir heute gekauft haben, nicht mehr in Mode ist. Dass es unverzeihlich ist, nicht dem neuesten Trend zu entsprechen. Und dass wir dringend wieder etwas Neues kaufen müssen!

Ich versuche alles, mich diesem Trend zu widersetzen. Versuche, nur Kleidung zu kaufen, die ich wirklich benötige und bei der ich davon ausgehe, dass ich sie auch noch in einigen Jahren tragen kann und werde. Wenn ich damit „out“ bin, sei’s drum…

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Wir sind alle süchtig

Die wahren Alltagsdrogen sind überall und unvermeidbar!

Vor nicht allzu langer Zeit gab es für mich einen familiären Anlass, über das Thema Alltagsdrogen nachzudenken. Und anfangs war ich sehr mit mir zufrieden: Schon vor Jahren habe ich den Konsum von Alkohol komplett eingestellt (wobei er auch zuvor nie nennenswert war). Ich trinke so gut wie keinen Tee mehr, Kaffee habe ich nie getrunken, andere Getränke mit Ausputschmitteln wie Cola werden nur extrem selten getrunken. Weder habe ich jemals „richtige“ Drogen konsumiert noch geraucht (außer passiv in den Zeiten, als das Rauchen in Gaststätten noch gestattet war). An Medikamenten nehme ich im Schnitt vielleicht eine Schmerztablette pro Monat.

Man könnte meinen, ich wäre praktisch drogenfrei. Doch leider weit gefehlt. Die heute viel alltäglicheren Drogen gehen auch an mir nicht vorbei!

Vor allem ist da der Zucker. Streng genommen benötigt der Körper nur ganz kleine Mengen von mit der Nahrung aufgenommenem Zucker. Darüber hinaus hilft der Zucker uns nicht, er schadet nur. Und dennoch schütten wir ihn geradezu in uns hinein. Mehr als 30 Kilogramm Zucker pro Jahr, unsere Kinder teilweise sogar 50 Kilogramm pro Jahr.

Studien haben gezeigt, dass ein Übermaß an Zucker ähnlich wirkt wie Kokain. Einmal auf Zucker trainiert, will der Körper ihn immer wieder haben. Jede Aufnahme von Zucker schafft ein kleines „High“. Auf Zucker zu verzichten ist heutzutage viel schwerer, als es bei allen anderen zuvor genannten Drogen ist. Denn Zucker ist überall! In so ziemlich jedem Fertigprodukt, das man im Supermarkt kaufen kann, ist Zucker enthalten. Auch in solchen, bei denen man es gar nicht erwartet.

Die Gründe dafür sind vielfältig und durchaus verständlich: Zucker wirkt als Konservierungsmittel, ist vergleichsweise günstig zu beschaffen und es gibt eine ganze Zuckerindustrie, die viel Geld in die Vermarktung des Zuckers steckt – nicht nur beim Endverbraucher, sondern auch bei den Produzenten unserer Lebensmittel.

Eine echte Alternative zu Zucker gibt es nicht. Obwohl viele Firmen versuchen, das Problem nur dem Raffinadezucker zuzuschreiben und mit Begriffen wie „fruchteigenem Zucker“ oder „ohne Zuckerzusatz“ zu punkten. Zucker ist trotzdem enthalten, und fast immer in unnötig hohem Maße.

Gar keine Alternative sind künstliche Süßstoffe, von denen es mittlerweile eine unüberschaubare Vielzahl gibt. Sie sind bestenfalls eine Ersatzdroge für Diabetes-Patienten, aber keine Lösung. Wer seinem Körper ständig vorgaukelt, er bekäme lecker Zucker, aber stattdessen Chemie in sich hineinkippt, lebt meines Erachtens auch nicht gesünder, eher im Gegenteil. Da kommt der Körper erst so richtig durcheinander.

Wer auf Zucker weitestgehend verzichten möchte, kann sich auf eine langwierige Entwöhnung gefasst machen. Ungefähr drei Monate dauert es angeblich, bis sich der Stoffwechsel wieder normalisiert hat. In dieser Zeit ist mit üblichen Entzugserscheinungen wie Schlafstörungen, Unruhe und starken Stimmungsschwankungen zu rechnen.

Eine weitere aktuelle Alltagsdroge ist das, was ich als Medienkonsum zusammenfassen möchte. Also der regelmäßige, teilweise extensive Konsum der „geistigen“ Drogen Fernsehen, Streaming, Internet und Social Media. Die ständige Bombardierung des Gehirns mit riesigen Mengen an (meist nutzlosen) Geschichten und Informationen. Dutzende von Nachrichten pro Tag, noch mehr Updates von Abonnements bei Facebook, Twitter & Co. Hunderte „süße“ und „witzige“ Fotos und Videos, und dazu TV-Serien und Daily Soaps, die problemlos die gesamte Lebenszeit dutzendfach füllen können.

Was dabei verloren geht, ist jegliche Form der Selbstreflexion und der Ruhe. Kaum etwas führt zu so viel Kreativität wie eine gepflegte, störungsfreie Langeweile. Ein stundenlanger Spaziergang in der Natur ohne störendes Handy-Gepiepe. Das Hören instrumentaler Musik in einem abgedunkelten Raum. Doch wann kann man das heute noch genießen?

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Hört bloß niemals auf zu spielen

Gesellschaftsspiele sind nicht nur für Kinder!

Einige von Ihnen haben vielleicht schon mitbekommen, dass ich mich neben meiner Softwarefirma auch leidenschaftlich für eine andere Sache engagiere: Fürs moderne Gesellschaftsspiel und seine Verbreitung vor allem bei Menschen, die die Schule hinter sich gelassen haben und noch keine Rente beziehen.

Bestimmt kennen Sie mindestens einen sogenannten Klassiker der Gesellschaftsspiele, also beispielsweise Monopoly, Mensch ärgere Dich nicht, Risiko, Uno oder Obstgarten. Vielleicht haben Sie es schon als Kind gespielt, oder mussten es mitspielen, weil Ihr Kind oder Enkel es spielen wollte. Und letztlich waren Sie dann froh, wenn es endlich vorbei war. Schade!

Denn dann wäre es Ihnen wie so vielen Menschen gegangen, die den Einstieg in die Spielewelt mit einem Spiel versucht haben, welches zwar millionenfach verkauft wird, aber trotzdem nicht wirklich gut ist. Nicht immer ist das, was alle kennen und kaufen, auch die beste Lösung…

Rund 10 Jahre beschäftige ich mich nun mit Gesellschaftsspielen aus verschiedenster Perspektive: Als Spieler, als Spieleerklärer, als Spieleautor (oder auch „Spieleerfinder“), als Redakteur und als Grafiker. Diese intensive Beschäftigung hat mir vor allem eines gezeigt: Für wirklich jeden gibt es Spiele, die begeistern. Das Problem für viele ist nur, diese ausfindig zu machen und passende Mitspieler zu finden.

Dabei ist es heute eigentlich gar kein Problem mehr. Nur sollte man nicht den Fehler machen, zu erwarten, in irgendeinem Spielwarengeschäft fündig zu werden.

Im Internet gibt es zahlreiche Seiten, die sich dem Gesellschaftsspiel (oft auch Brettspiel genannt) widmen und Besprechungen zu aktuellen Spielen veröffentlichen. Es gibt Foren, in denen man Fragen zu Spielen stellen und Mitspieler suchen kann. Und es gibt im ganzen Land regelmäßige Spieletreffen. Das beginnt mit kleinen, eher private Runden von ein paar Leute und geht hin bis zu Spieletagen und -wochen, bei denen sich mehrere hundert oder gar tausend Spielerinnen und Spieler treffen, um gemeinsam Spiele zu spielen und eine tolle Zeit zu haben.

Hier in Braunschweig organisieren wir beispielsweise einmal im Jahr Brauschweig spielt! mit rund 800 Besuchern, sowie einige kleinere Veranstaltungen und einen wöchentlichen, offenen Spieletreff.

Wenn man den inneren Schweinehund erst einmal überwunden hat und bei einer solchen Veranstaltung auftaucht, wird man meist mit offenen Armen empfangen. Natürlich darf man nicht erwarten, dass man dort die „guten alten Schätzchen“ spielt, sondern stattdessen die modernen, guten, zeitgemäßen Gesellschaftsspiele. Man muss bereit sein, in eine neue, bessere Welt abzutauchen.

Die Auswahl an Spielen ist heutzutage riesengroß. Jedes Jahr erscheinen mehrere hundert neue Spiele. Regelmäßige Teilnehmer an solchen Veranstaltungen kennen viele davon und können spontan bei der Suche nach dem „richtigen“ Spiel helfen. Für alle es etwas dabei: Spiele für 2 Spieler, Spiele für große Gruppen, sogar Solo-Spiele. Es gibt kurze und lange Spiele, Kartenspiele, Würfelspiele, Legespiele, einfache Spaßspiele, komplexe Strategiespiele, Wissensspiele, Geschicklichkeitsspiele, und, und, und…

Auch Mitspieler lassen sich dort finden, sofern man sich traut, den Mund aufzumachen. Das kann in öffentlichen Spielerunden sein, in privaten Runden oder auf anderen Veranstaltungen, von denen man dort erfährt.

Wenn Sie es dann erst einmal geschafft haben, werden Sie feststellen, dass man das Spielen miteinander (also mit richtigen Menschen, die einem gegenüber sitzen und in die Augen schauen können) nicht mit dem einsamen Gedaddel vor dem PC oder der Konsole vergleichen kann. Und es ist allemal besser als alleine Videos zu gucken oder zu lesen. Spannender, kommunikativer, gemeinsamer.

Deshalb nutze ich jede Gelegenheit, mit Gleichgesinnten zu spielen und neue Spiele zu entwerfen, um auch in Zukunft ganz viel Spaß beim Spielen zu haben! Vielleicht zusammen mit Ihnen?

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Selbst ist der Mann! Und die Frau!

Warum Selbermachen bei Software oftmals die bessere Lösung ist!

Als Softwareentwickler in einer kleinen Firma wird man immer wieder vor die Frage gestellt: Selbermachen oder zukaufen? Es gibt tausende von Bibliotheken und Frameworks, die einem das Blaue vom Himmel versprechen und angeblich für wenig Geld die fertige Lösung für jedes Problem bieten. Doch tun sie das wirklich?

Unsere Erfahrungen dazu sind sehr zwiespältig, was vor allem daran liegen dürfte, dass wir nicht ständig neue Projekte starten, sondern ein Projekt über mehrere Jahrzehnte warten und weiterentwickeln möchten. Unser Hauptprodukt, die CAD-Software, ist in ihrer ersten Windows-Version bereits 1991 erschienen, also mittlerweile mehr als 25 Jahre am Leben.

In dieser Zeit hat sich eine Menge getan: Beginnend mit Windows 3.1, einem 16-bit-Betriebssystemaufsatz auf MS-DOS, ging die Entwicklung über Windows NT (dem ersten alleinstehenden Windows), Windows XP und Windows 7 zum heutigen Windows 10, meist als 64-bit-System.

Insgesamt also zwei grundsätzliche Technologiesprünge (von 16- auf 32-bit und von 32- auf 64-bit) und zahlreiche kleine Sprünge, die jedes Mal teils heftige Anpassungen an der Software erforderten. Jedes Mal waren wir froh, dass wir so wenig wie möglich mittels zugekaufter Bibliotheken erledigen – denn oftmals blieben diese Bibliotheken beim Technologiewechsel auf der Strecke oder wurden mittendrin einfach mal vom Markt genommen.

In jedem dieser Fälle begann eine zeit- und geldraubende Suche nach einer neuen Bibliothek, die die bisherige möglichst komplett ersetzt. War diese gefunden, begann der Umstellungs- und Testaufwand. Und oftmals stellte sich heraus, dass der Ersatz nicht wirklich vollständig ist und eine Menge eigener Entwicklung notwendig wird, um den bisherigen Funktionsumfang wieder herzustellen.

Teilweise waren sogar mehrere Bibliotheken notwendig, um eine alte zu ersetzen, was den Aufwand noch weiter erhöhte. Und jedes Mal merkten wir, dass der ursprüngliche Kauf der Bibliothek zwar damals Entwicklungszeit gespart hatte, aber der dadurch hervorgerufenen Mangel an Eigenwissen in dem jeweiligen Teilbereich spätestens jetzt negativ zurückschlug.

Hätten wir gar auf komplette Frameworks wie beispielsweise MFC (Microsoft Foundation Classes) oder .NET gesetzt, hätten wir bei jedem größeren Wechsel nicht nur kleine Teile der Software ersetzen oder anpassen müssen, sondern gleich das ganze System. Das wäre völlig unmöglich gewesen und hätte unseren Ruin bedeutet.

Hinzu kommt, dass gerade die Frameworks wie MFC und .NET unter Windows installations- und versionskontrollseitig eine Katastrophe sind. Es liefert nicht einfach jedes Programm die notwendigen Dateien in der jeweils notwendigen Version mit und installiert sie ins eigene Programmverzeichnis – oh nein!

Die Frameworks wollen eigenständig an anderer Stelle im System installiert werden, und es wurde ein Monster von Kontrollstruktur geschaffen, um sicherzustellen, dass jedes Programm möglichst auf die richtige Version seines Frameworks zugreift. Plötzlich liegende dutzende Versionen eines Frameworks auf der Festplatte herum, weil niemand mehr einen Überblick darüber hat, welches Programm überhaupt welche Version benötigt.

Ich habe mal nachgesehen: Auf meinem Computer sind alleine 26 (!) Versionen der Runtime-Library für Microsoft Visual Studio installiert. Und davon ist keine einzige für unser CAD-System, denn wir installieren natürlich all solche Dateien direkt in unser Verzeichnis und löschen sie bei der Deinstallation wieder ordnungsgemäß!

Bevor wir also eine Bibliothek benutzen, überlegen wir erst einmal ganz genau, ob der kurzfristige Nutzen davon wirklich die langfristigen Probleme, die sie garantiert bringen wird, überwiegt. Denn Selbermachen kostet zwar anfangs etwas mehr Zeit und somit Geld. Aber langfristig hilft es, zu wissen, was man tut, und man macht sich von niemandem abhängig.

Leider ist das nicht in allen Situationen möglich, denn alles wissen und können auch wir nicht…

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Allmorgendlicher Dosenfisch

Leute, fahrt mehr Bus und Bahn, dann wird es schön kuschelig!

Seit einigen Jahren wohne ich nun schon nicht mehr in der Stadt, in der unser Büro liegt, sondern in einem kleinen Ort in deren Nähe. Ruhiger ist es dort, geruhsamer, geradezu idyllisch. Fernab von jeder Hektik lässt es sich dort sehr angenehm leben. Nur einen Nachteil hat das Ganze: Ich wurde „Pendler“. Da ich es aus ökologischen wie ökonomischen Gründen ablehne, jeden Tag eine Tonne Blech und Plastik 15 km hin und her zu wuchten, musste ich mich in die Fänge des öffentlichen Nahverkehrs begeben.

Im Prinzip habe ich nichts dagegen. Die kurze Fahrt gibt einem morgens Zeit, um sich aufs Tagesgeschäft geistig vorzubereiten, und schafft abends Luft, um wieder zur Ruhe zu kommen. Manchmal trifft man Bekannte und führt anregende Gespräche. Doch leider scheinen sich die Betreiber unserer öffentlichen Nahverkehrsbetriebe in den Kopf gesetzt zu haben, die Geduld der Pendler immer weiter herauszufordern. Noch bin ich nicht sicher, ob es eher ein makabres psychologisches Experiment, ein Zeichen bloßer Zurschaustellung von Macht über den „schwachen“ Pendler, schlichtes Desinteresse oder absolute Unfähigkeit ist.

Als ich begann, regelmäßig die jetzige Strecke zurückzulegen, dauerte der Weg von Tür zu Tür noch weniger als 30 Minuten – ohne Umsteigen. Das Ganze in einem Bus, der zwar immer gut gefüllt, aber nie überfüllt war. Denn er fuhr oft genug. Mittlerweile, nach mehreren grundsätzlichen Änderungen an Routen und Fahrplänen, dauert der Weg von Tür zu Tür, wenn es wirklich perfekt läuft, 40 Minuten. Allerdings mit einmaligem Umsteigen, und genau dort liegt das Problem. Der Regionalzug hat regelmäßig eine Verspätung von ein oder zwei Minuten, womit der optimale Anschluss schon weg ist. Schon sind es 45 Minuten. Oder gar 50 Minuten.

Und selbst wenn es „perfekt“ klappt, macht die Fahrt wirklich keinen Spaß mehr. Denn die letzte Etappe erfolgt oftmals als Fisch in der Dose. Bis vor wenigen Jahren wurden selbst im dichtesten Berufsverkehr uralte Straßenbahnen von 1974 und 1977 eingesetzt – kurze Fahrzeuge, meist ohne Anhänger. Mittlerweile haben die Verkehrsbetriebe zwar viel Geld in neue, große Straßenbahnen investiert, doch jetzt in den Sommerferien hilft das auch nicht weiter.

Denn zum einen wirft eine Gleisbaustelle das Liniennetz komplett über den Haufen (dadurch ist eine der zwei Linien am Bahnhof nicht mehr sinnvoll nutzbar) und der Ferienfahrplan erhöht zusätzlich die Taktzeiten deutlich. Und das zu einer Zeit, wenn am Bahnhof mehrere stark frequentierte Regionalzüge gleichzeitig eintreffen und sich wahre Menschenmassen aus dem Bahnhof ergießen. Das Ergebnis ist regelmäßig eine komplett überfüllte Straßenbahn. Da wird gedrängelt und gequetscht, und der Schweiß fließt trotz Klimatisierung in den neuen Straßenbahnen in Strömen.

Regelmäßig bin ich gezwungen, die zweite Linie zu nutzen (einige Minuten später), die derzeit aber nicht mehr bis zum Büro fährt, sondern nur noch bis zu einem Knotenpunkt, an dem man in einen Ersatzbus umsteigen darf (einige Minuten Wartezeit). Dauert also noch länger, und ist mindestens genauso eng und kuschelig.

Da hört und liest man immer wieder, dass mehr Individualverkehr in der Stadt auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen soll. Beim jetzigen Zustand des öffentlichen Nahverkehrs in meiner Region kann ich aber jeden gut verstehen, der darauf verzichtet.

Meist bin ich froh, dass meine Geburtsstadt eine vergleichsweise kleine und übersichtliche Stadt ist. Doch im Bereich des Nahverkehrs scheint es mir manchmal geradezu provinziell. Zwar gibt es ein Straßenbahnnetz, doch dieses ist schon seit Jahren völlig überfordert und hat ein gewaltiges Nadelöhr im Stadtkern. Der gesamte Nordwesten der Stadt ist nicht angeschlossen, und trotz jahrzehntelanger Diskussionen tut sich hier nichts. Nun sollen stattdessen bestehende Strecken um jeweils ein paar Hundert Meter verlängert werden, anstatt endlich die wirklich wichtigen Punkte wie die zweite Strecke in der Innenstadt und die Anbindung des Nordwestens anzugehen. Auf eine U-Bahn oder zumindest einige unterirdische Teilstrecken in der Innenstadt (wie in Hannover) muss man gar nicht erst hoffen.

Lieber spielen die Verantwortlichen mit Elektrobussen auf Induktionsbasis, versenken viele Millionen in die entsprechenden Busse und die notwendige Infrastruktur wie induktive Ladestationen, um damit genau eine (!) Linie zu bestücken. Wobei Elektrobusse, die im regulären Verkehr mitfahren müssen, niemals die Zuverlässigkeit und Schnelligkeit einer Straßenbahn erreichen können.

Aber ich bleibe tapfer! Jeden Tag stopfe ich mich zu allen anderen armen Pendlern in die Züge, Straßenbahnen und Busse. Damit der Schweiß im Sommer üppig fließt, und der Fisch in der Dose auch schön stinkt!

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