You can say you to me

Schulbildung ist nicht immer alles!

Ist Ihnen beim Lesen dieser Überschrift auch ein Schauer über den Rücken gelaufen? Fanden Sie sie witzig? Oder eher peinlich? Auch wenn diese gruselige Satzschöpfung gerne benutzt wird, um den Unterschied zwischen deutscher und englischer Anrede zu veralbern, so steckt dahinter doch ein weitgehendes Problem, vor allem in dem, was einem an einer deutschen Schule über Englisch (nicht) beigebracht wird.

Als ich das Gymnasium verließ und somit 9 Jahre lang Englischunterricht genossen hatte, teilweise sogar als Prüfungsfach, dachte ich eigentlich, man hätte mir die wichtigsten Aspekte dieser Sprache beigebracht, und vor allem: Keine Fehlinformationen. Leider weit gefehlt…

Seit nunmehr 30 Jahren beschäftige ich mich nun auch beruflich mit der englischen Sprache (meist als Konsument, oft aber auch als Produzent). Und fast diese ganze Zeit hat es gebraucht, bis mir endlich (und zufällig) eine der vielen Fehlinformationen bewusst wurde, die mir in der Schule beigebracht wurden.

Glaubte ich jahrelang, im Englischen würden sich alle duzen, so weiß ich mittlerweile, dass es genau anders herum ist: Es wird immer gesiezt! „How are you feeling?“ bedeutet direkt übersetzt „Wie fühlt Ihr Euch?“ (zweite Person Plural), sinngemäß im Alltagsdeutsch eher zu übersetzen mit „Wie fühlen Sie sich?“ – aber eben nicht „Wie fühlst du dich?“.

Wollte man im Englischen tatsächlich jemanden duzen, hieße es „How art thou feeling?“ Doch das macht schon seit langem kaum jemand mehr. Außer vielleicht im hohen Norden der britischen Insel, in Gebeten oder beim guten alten Shakespeare. Die Engländer haben einfach mal eine Form der Anrede als unnütz unter den Tisch fallen lassen und kollektiv beschlossen, einfach immer höflich zu sein!

Und faul, wie Englischsprechende oftmals sind, wurde eine möglichst kurze und einfache Universalform übrig gelassen. Wenn auch nicht frei von Missinterpretationsmöglichkeiten, da „How are you feeling?“ eben auch als echte Plural-Anrede genutzt wird, wenn eine ganze Gruppe gemeint ist.

Die einzige Unterscheidung zwischen formeller und informeller Anrede besteht darin, dass bei der formellen Anrede „Mr.“, „Mrs.“, oder „Ms.“ verwendet wird (teilweise auch „Sir“ oder „Madam“). Sobald es etwas vertrauter wird, wird stattdessen der Vorname verwendet, was aber nicht notwendigerweise informell sein muss, und noch lange nicht dem Deutschen „du“ entspricht.

Entsprechend ist die Schwelle im Englischen zur Ansprache mit Vornamen auch wesentlich leichter überschritten als zum Duzen im Deutschen. Stellt sich jemand mit Vornamen vor, erwartet er auch als Antwort einen Vornamen.

Was bedeutet das nun für mich? Gerade jetzt, wo ich mir des Unterschieds bewusst bin, sehe ich die Unterscheidung zwischen „du“ und „Sie“ viel gelassener, ich kann sie viel besser würdigen und spüre keinen Drang mehr, auf Biegen und Brechen alle zu duzen. Ich finde es gut, dass es in der deutschen Sprache die Unterscheidung der beiden Anreden (noch) gibt, auch wenn ich finde, dass das „du“ durchaus wesentlich öfter genutzt werden könnte.

Es wäre schön gewesen, wenn das schon während des Englischunterrichts in der Schule thematisiert worden wäre. Das hätte mir Jahrzehnte falschen Sprachempfindens erspart!

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Daten auf Wolke Sieben

Ich habe meine Daten lieber vor Ort im Zugriff!

Seit Jahren zieht sich das Thema „Cloud“ durch die IT-Welt. Wahre Wunder wurden dieser Wolke zugesprochen und allen, die sie ignorieren, wurde der Untergang prophezeit. Doch was ist die Cloud eigentlich?

Primär ist die Cloud ein ausgelagerter Datenspeicher irgendwo auf der Welt, auf den alle Berechtigten über das Internet zugreifen können. In der Cloud werden aber auch ganze Lösungen angeboten, d.h. Systeme aus Software und Daten, wie beispielsweise Datenbanken oder Warenwirtschaftssysteme.

Sie hat durchaus Vorteile: Die Daten liegen zentral an einem (logischen) Ort, der eine quasi unbegrenzte Kapazität hat. Betrieb und Wartung der benötigten Technik übernimmt der Cloud-Anbieter, genauso wie die Sicherung der Daten und den Ausbau der Infrastruktur. Mit all dem hat man als Nutzer also keinen Aufwand. Man speichert und nutzt einfach seine Daten und gut. Klingt gut, oder?

Gerade erst konnte ich lesen, dass laut Analysten von Gartner viele Unternehmen in Deutschland zwar auf die Cloud umgestellt hätten, aber von den ersten Abrechnungen nach Regelbetrieb regelrecht entsetzt gewesen seien. Die Kosten waren teilweise deutlich höher als ursprünglich angenommen und somit auch höher als die Kosten für die Datenspeicherung vor Ort gewesen wäre.

Dazu kommt, dass vielen Unternehmen erst im Regelbetrieb mit entsprechend vielen Nutzer auffällt, dass selbst 50 oder 100 MBit/s für den Datentransport nicht wirklich schnell ist. Von den Latenzen beim Zugriff auf Server, die beispielsweise in Irland oder gar in den USA stehen, mal ganz abgesehen. Dabei hätte einem das der gesunde Menschenverstand schon vorher sagen können.

Ich entsinne mich da an meine Jahre als externer Entwickler bei einem Anbieter für Eisenbahnsteuerungssysteme, bei dem die Entwickler oft mehrere Stunden pro Woche damit verbrachten, auf ihre Versionsverwaltung mit der dahinter liegenden Datenbank zu warten. Denn der Zugriff auf den Datenbankserver erfolgte zwar lokal im Haus, aber mit einer einzigen 100 MBit/s Leitung für alle mehr als 100 Entwickler vor Ort – macht nur noch 1 MBit/s pro Arbeitsplatz. Ungefähr so muss sich die Cloud in größeren Firmen anfühlen!

Wichtiger für meine Vorliebe, Daten lieber vor Ort zu speichern, sind aber andere Aspekte. Da wäre vor allem die Datensicherheit. Damit meine ich nicht, ob Daten verloren gehen, sondern wer sich die Daten alles ansehen kann: Der Betreiber der Cloud, dessen Mitarbeiter theoretisch alle meine Daten einsehen können. Alle Hacker weltweit, denn immer, wenn ich Daten speichere oder abrufe, sind sie im Internet unterwegs. Zwar mehr oder weniger gut verschlüsselt, aber wer weiß?

Zum anderen ist da die Frage der (vor allem in Zeiten der DSGVO wieder aktuell gewordenen) Datensparsamkeit. In einer geschäftlichen Cloud, die in der Regel mit unbegrenzter (oder zumindest exorbitant großer) Speicherkapazität wirbt, ist man als Nutzer versucht, einfach mal alles abzuspeichern. Egal, ob und wann man es je wieder braucht.

Liegen Daten hingegen lokal vor Ort, ist jemand aus dem eigenen Betrieb für deren Speicherung und Sicherung zuständig. Derjenige wird im Zweifelsfall die Notbremse ziehen und den Mitarbeitern die korrekte Datenspeicherung erläutern. Ein Cloud-Anbieter wird das nicht tun – denn sein Ziel ist es, Ihnen noch mehr Kapazität für noch mehr Geld zu verkaufen!

Zentral kann man Daten auch vor Ort speichern. Ein NAS-System lässt sich in jedem Netzwerk integrieren, mit umfangreichen Einstellungen zu Zugriffsrechten und Datenvolumen für jeden einzelnen Benutzer. Die Größe ist praktisch unbegrenzt, und Datensicherung ist bereits integriert im Form von Redundanzen und regelmäßiger Sicherung auf andere Speichermedien. Warum also meine Daten kreuz und quer durch die Welt jagen, wenn sie zuhause viel besser aufgehoben sind?

Natürlich gibt es auch einige Anwendungen, für die eine Cloud sinnvoll ist. Aber die sind erstens selten und zweitens umfassen sie dann meist nur wenige Daten. Meine Firma wird Sie gerne beraten bei der Suche nach einem optimalen Weg für Ihre Daten.

Ich bin jedenfalls froh, dass sich 99% meiner Daten lokal vor Ort befinden!

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Pünktlichkeit ist eine Zier

Warum hält sich niemand mehr an Zeiten?

Angeblich sind wir Deutschen ein Volk, welches Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit hoch hält. Doch leider kann ich davon derzeit kaum etwas spüren, und es wird immer schlimmer.

Da wäre vor allem der öffentliche Nahverkehr. Dieses Thema wird schon öffentlich diskutiert: Kaum ein Zug, kaum ein Bus, kaum eine Straßenbahn fährt wirklich pünktlich. Mit „pünktlich“ meine ich den klassischen „Dienst nach Vorschrift“! Wenn also die Abfahrt laut Fahrplan 8.41 Uhr sein soll, dann erwarte ich, dass sich das Gefährt keinesfalls vor 8.41 Uhr, aber auch nicht viel später als 8.41 Uhr in Bewegung setzt – das ist immerhin ein Zeitfenster von 60 Sekunden. Dabei hat es egal zu sein, wieviel los ist!

Aufgrund der engen und unflexiblen Planung aller Fahrpläne ist dies allerdings kaum möglich. Zu Zeiten des Berufsverkehrs ist manchmal so viel los, dass allein das Ein- und Aussteigen mehrere Minuten dauern kann. Das müsste eigentlich bedeuten, dass der Bus oder die Bahn bereits entsprechend früher an der Haltestelle eintreffen muss (also beispielsweise um 8.39 Uhr), um pünktlich um 8.41 Uhr wieder abfahren zu können. Aber nein – zumeist wird mit „Ankunftszeit gleich Abfahrtszeit“ geplant. Das kann nicht funktionieren!

Außerdem werden die Fahrzeiten unabhängig von der Tageszeit geplant. Da benötigt der Bus nachts um 23 Uhr angeblich genauso lange für die 15 Kilometer lange Strecke mit mehr als 20 Haltestellen wie morgens oder nachmittags im dicksten Berufsverkehr. Wie soll das gehen?

Ein etwas lockerer gesetzter Fahrplan mit realistischen Fahrzeiten würde hier einiges bewirken. Aber das trauen sich die Verantwortlichen nicht, da dann nominell die Fahrtzeit erhöht wird. Praktisch wäre dies natürlich nur eine Anpassung an die realen Zeiten, aber trotzdem wird davor zurückgeschreckt. Lieber werden chronische Verspätungen in Kauf genommen.

Und ganz besonders schlimm wird es in unserer Stadt, weil hier Fahrscheine immer noch (fast ausschließlich) beim Fahrer gekauft werden müssen. Sogar Mehrfach- und Monatskarten kann man beim Fahrer kaufen. Haben Sie eine Vorstellung, wie lange es am ersten Schultag eines Monats dauert, wenn an einer Haltestelle 10 Fahrgäste mit Kartenkaufwunsch einsteigen, davon mehrere Schüler, bei denen der Fahrer zusätzlich jeweils noch eine Kundennummer abtippen muss?

Ticketautomaten sind zwar mittlerweile im Gespräch, aber erst einmal nur in den Straßenbahnen. Selbst an großen Hauptknotenpunkten, an denen regelmäßig 20 oder mehr Fahrgäste einsteigen, stehen immer noch keine Automaten. Sowas von ineffizient, vor allem, wenn man die Zeit in Betracht zieht, die alle Fahrgäste, die bereits an Bord sind, durchs Warten auf die neu einsteigenden Fahrkartenkäufer verlieren!

Doch nicht nur im Verkehr wird Pünktlichkeit nicht mehr ernst genommen. Auch in Funk und Fernsehen werden Zeiten bestenfalls noch als Richtlinien benutzt. Kaum eine Sendung fängt genau zu der Zeit an, die im Programm angegeben ist. Einige Minuten früher oder später ist schon der Regelfall. Vor allem bei den Privatsendern, aber zunehmend auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern.

Da beginnt die Nachrichtensendung im Radio nicht um Punkt 8 Uhr, sondern schon zwei Minuten früher – prompt verpasst. Ein Bericht soll angeblich um 21.30 Uhr ausgestrahlt werden, beginnt aber ohne erkennbaren Grund (keine Programmänderung!) erst um 21.40 Uhr. Was soll dieser Blödsinn?

Ich habe das Gefühl, dass die Programmverantwortlichen entweder absolut unfähig sind, ein Programm im Voraus exakt zu planen, oder uns ganz bewusst verarschen wollen. Denn wenn diese verlässliche Unpünktlichkeit absichtlich herbeigeführt wird, kann das eigentlich nur einem Zweck dienen: Eine mündige Planung des Fernsehgenusses zu verhindern.

Denn wenn Programmzeiten bestenfalls noch Richtwerte sind, ist eine bewusste, zielstrebige Auswahl von Einzelsendungen so gut wie unmöglich. So wird man gezwungen, neben den paar guten Sendungen auch noch eine unangenehm große Menge Müll drumherum zu sehen!

Für mich ist Pünktlichkeit wirklich eine Zier, denn sie macht allen das Leben leichter!

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Muss das Runde ins Eckige?

Es gibt ein Leben neben dem Fußball!

Jetzt ist es wieder soweit: Vor allem durch die allgegenwärtige Werbung bekommt man gerade das Gefühl, dass es für uns alle in den nächsten Wochen nur noch ein Thema geben darf: Die kommende Fußball-Weltmeisterschaft!

Jedes Geschäft bietet Fußball-Fan-Artikel, Fußballsammelbilder, Fußballsammelfiguren, WM-Sonderangebote und -Aktionen. Alle Werbeprospekte kennen nur noch dieses Thema. Das ganze natürlich dekoriert mit ganz viel Schwarz-Rot-Gold und Rasengrün. Wie mich das ankotzt…

Zuerst einmal: Fußball ist ein Sport. Mit Betonung auf „ein“, denn es ist nur ein Sport unter ganz vielen. Für mich ein ziemlich langweiliger Sport. Wenn 22 Menschen stundenlang mehr oder weniger unkoordiniert über den Platz laufen und versuchen, sich gegenseitig den Ball abzujagen und „das Runde ins Eckige“ zu bekommen, passiert zwar einerseits immer irgendetwas, aber kaum etwas Besonderes. Für mich als Zuschauer ist das ungefähr so (un)spannend wie ein Straßenradrennen oder ein Marathonlauf.

Und damit dem Zuschauer die Langeweile nicht so leicht bewusst wird und ihn komplett übermannt bis zum Tiefschlaf, gibt es einen oder mehrere Kommentatoren, die ständig quasseln, dass einem die Ohren nur so qualmen. Dazu werden vor dem Spiel, in der Pause und nach dem Spiel ganz wichtige Experten vor die Kamera gestellt und dürfen so wichtige Sätze sagen wie: „Wir hätten den Sieg verdient!“

Plötzlich ist alles „wir“. Der Reporter spricht von „wir“, die Experten sprechen von „wir“, der Trainer spricht von „wir“, die Spieler sprechen von „wir“. Einzig den Spielern gestehe ich dies zu in der Hoffnung, dass sie sich tatsächlich als eine Mannschaft sehen und nicht als viele Einzelkämpfer. Aber mit welchen Recht sprechen die anderen von „wir“?

Auch strategisch und regeltechnisch ist Fußball meines Erachtens kein guter Sport. Die meisten Fußballspiele sind geprägt von nicht enden wollendem Hin- und Her-Gerenne auf dem Platz, unterbrochen durch ein paar eindrucksvolle Fouls und ganz selten mal von einem nennenswerten Torschuss. Oder meist eher: Torschussversuch.

Einerseits gibt es klare Regeln, was alles nicht erlaubt ist (vor allem im Bereich des Körperkontakts), andererseits wäre das Spiel ohne diesen Körperkontakt noch viel langweiliger, als es sowieso schon ist. Weshalb ein Großteil der eigentlichen Fouls ungeahndet bleibt.

Und wenn sich dann mal wieder ein Spieler anscheinend von Schmerzen geschüttelt auf dem Boden wälzt, um einen Frei- oder Strafstoß für die eigene Mannschaft herauszuschinden, läuft die Zeit auch noch weiter, um dann gegen Ende der Halbzeit umständlich mittels Nachspielzeit ausgeglichen zu werden.

Da lobe ich mir Sportarten, die solche Fälle besser im Griff haben. Nehmen wir beispielsweise American Football. Da gibt es eine echte, auf die Sekunde ermittelte Netto-Spielzeit und keine Schiedsrichterwillkür bezüglich einer Nachspielzeit. Die Regeln sind vielleicht etwas komplexer, dafür wird aber viel mehr abgedeckt. Und im Zweifelsfall gibt es eine Videoanalyse.

Alles in diesem Sport ist darauf ausgelegt, möglichst viele „tolle“ Momente pro Spiel zu erschaffen. Nicht endlose Langeweile! Das ganze Drumherum wie Cheerleader und Stadionsprecher ist vielleicht schon eine Nummer zu viel (typisch amerikanisch), stört aber nicht wirklich.

Noch lieber ist mir allerdings Snooker. Ein hochgradig strategischer Geschicklichkeitssport, der immer im direkten Duell zweier Spieler gegeneinander ausgetragen wird und völlig ohne jedes Brimborium drumherum auskommt. Extrem reizvoll und entspannend zugleich!

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Ich glaube nicht

Trennt endlich Staat und Kirche!

(Vielleicht kennen Sie ja das gleichnamige Lied von Reinhard Mey. Es ist ein herrlicher Kommentar zur Institution „Kirche“. Doch das nur nebenbei…)

Zuerst möchte ich klarstellen, dass ich durchaus an etwas glaube. Nicht an einen personifizierten „Gott“, wie ihn die vorherrschenden Weltreligionen verehren, aber doch an so etwas wie eine höhere Macht. Eher im technisch-wissenschaftlichen als im spirituellen Sinn, aber dennoch mit allmächtiger Wirkung auf das gesamte Sein aller Dinge und Wesen.

Und ich halte die Kirche als Institution insofern in gewissem Rahmen für sinnvoll, als sie sich lokal vor Ort um das Seelenheil und den Zusammenhalt der Gemeinde kümmert. Aber dann hört es auch schon auf…

Mit welchem Recht erdreistet sich beispielsweise ein einzelner Mann in Rom, seinen Millionen von Schäfchen auf der Welt vorzuschreiben, was Gott für richtig oder falsch hält? Wurde er von seinen mehr als eine Milliarde Untertanen demokratisch gewählt? Oder kam Gott persönlich auf die Erde und sprach vor unabhängigen Zeugen zu ihm: „Du sollst mein Stellvertreter sein“? Mitnichten.

Doch das soll hier nicht das eigentliche Thema sein. Viel schlimmer als die verbalen Ergüsse der jeweiligen Inhaber des Papststuhls (die aufgrund ihrer Sterblichkeit häufig wechseln) und die Tatsache, dass diese Kirche immer noch ein reiner Männerverein ist, ist die ständige Einflussnahme der Kirche auf das tägliche Leben aller Menschen.

Es beginnt mit der Woche. Sie hat sieben Tage – wegen der Erschaffungsgeschichte der Erde in der Bibel. Der Sonntag ist für Christen ein heiliger Tag – weshalb die Kirche dem Staat vorschreibt, dass dieser Tag eine Sonderstellung haben muss! Es darf nur eingeschränkt gearbeitet werden, die meisten Geschäfte dürfen nicht öffnen.

An einigen Feiertagen, beispielsweise dem Totensonntag, sind sogar öffentliche Veranstaltungen verboten, die Freude in Form von Musik und Tanz vermitteln wollen. Unfassbar! Die Kirche schreibt dem Staat als Ganzes (und nicht nur den Gläubigen als Einzelnen) den Sonntag und die Feiertage vor. Und Kirchengelände gilt sogar immer noch als neutral.

Zusätzlich hat es die Kirche auch noch geschafft, den Staat als willigen Handlanger einzuspannen, der für sie die Kirchensteuern eintreibt. Es würde mich interessieren, ob die Kirche dafür wenigstens eine happige Verwaltungsgebühr zahlen muss. Aber auch da hat der Staat wahrscheinlich wieder aus Angst vor der Kirche den Schwanz eingekniffen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – ich habe kein Problem damit, wenn Menschen einen Glauben haben und diesen ausleben. Ich kann gut damit leben, wenn jemand aufgrund seines Glaubens an bestimmten Wochentagen grundsätzlich nicht arbeiten möchte, sei es nun der Freitag oder der Sonntag. Wenn er an bestimmten Tagen im Jahr grundsätzlich frei hat.

Aber nur, solange alle die, die keinem solchen Glauben anhängen, das Recht haben, zu allen ihnen genehmen Zeiten zu arbeiten und ihre Geschäfte zu öffnen. Und solange niemand die „Ungläubigen“ zwingt, sich aktiv an die Glaubensregeln anderer zu halten.

Natürlich soll niemand sieben Tage pro Woche rund um die Uhr arbeiten. Aber dafür Regelungen zu finden ist nicht Aufgabe der Kirche, und auch nicht Aufgabe des Staates. Beide mischen sich schon genug ein. Vielmehr ist dies eine klassische Aufgabe für die Gewerkschaften!

Kurz gesagt: Ich fordere Religionsfreiheit auch für Ungläubige! Das wäre die wahre Trennung zwischen Staat und Kirche. Aber ob das jemals Realität wird? Ich glaube nicht…

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Das Rad wurde schon erfunden

Ich will nicht die Arbeit der anderen machen!

Derzeit ist die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in aller Munde, weil sie demnächst wirksam wird. Wie die aufgescheuchten Hühner rennen viele Unternehmen und Berater wild durcheinander und gackern lautstark. Andere verfahren nach der Vogel-Strauß-Taktik und stecken den Kopf in den Sand.

Täglich erreichen mich mehrere E-Mails von Unternehmen, die meine Daten bereits besitzen und mit meiner Zustimmung nutzen. Sie alle möchten noch einmal meine Zustimmung haben, diese weiterhin nutzen zu dürfen. Was für ein unnötiger und für mich extrem nerviger Aufwand!

Wie viel Arbeitszeit mögen wohl alle Unternehmen mit Sitz und mit Kunden in der EU insgesamt in Summe aufwenden, um den Anforderungen der DSGVO genüge zu leisten? Das müssen Kosten in Milliardenhöhe sein. Und ein Großteil dieser Aufwände und Kosten würde nicht anfallen, wenn der Gesetzgeber endlich so vernünftig wäre, diese aktiv zu vermeiden. Schuld ist das für mich völlig widersinnige Prinzip, dass jedes einzelne Unternehmen seit jeher verpflichtet wird, das Rad ständig neu zu erfinden. Die DSGVO ist da nur der Gipfel eines riesigen Bürokratie-Eisbergs.

Nehmen wir beispielsweise das Widerrufsrecht für private Endkunden in der EU. Wer ein Produkt online bei einem Unternehmen der EU kauft, hat innerhalb der ersten 14 Tage nach Lieferung der Ware ein Widerrufsrecht, kann also die Bestellung stornieren und die Waren zurücksenden. Im Prinzip eine gute Regelung.

Nur leider hat es sich der Gesetzgeber einfach gemacht: Obwohl das Widerrufsrecht automatisch gilt, ist jeder Unternehmer verpflichtet, den Kunden explizit darauf hinzuweisen. Dabei sind genaue Formen und Abläufe einzuhalten, sogar ein Musterformular für den Widerruf muss er den Kunden zur Verfügung stellen! Warum so kompliziert?

Warum gibt es nicht eine amtliche Online-Seite, auf der dieses Widerrufsrecht für jeden klar verständlich und rechtlich absolut wasserdicht erklärt wird und auf der ein Blanko-Widerrufsformular abrufbar ist. Warum muss jedes, wirklich jedes einzelne Unternehmen sich selbst die Arbeit machen, eben diese Texte zu erstellen, zu pflegen und dem Kunden zur Verfügung zu stellen – wo es doch ein Link auf die eine einzige offizielle Seite tun würde?

Damit werden tausende, wenn nicht Millionen von Arbeitsstunden jedes Jahr verbrannt! Hinzu kommt die Rechtsunsicherheit, da jede Widerrufsbelehrung potentiell Fehler enthält und somit oftmals das Ziel von Abmahnhaien wird, was eine Menge Geld kosten kann und kleinere Unternehmen schnell in den Ruin treiben kann – ohne dass diese irgendetwas falsch gemacht haben außer vielleicht beim Erstellen der Widerrufsbelehrung einen formalen Fehler eingebaut zu haben.

Auch wenn sie die Verfahren immer tadellos angewendet und niemals einem Kunden geschadet haben, können sie kostenpflichtig abgemahnt werden. Was für ein rechtlicher Wahnsinn!

Bei der DSGVO ist es nun ähnlich. Jeder muss eine Datenschutzerklärung verfassen und bereitstellen. Um dabei rechtlich wasserdicht zu sein, ist es notwendig, alle Begriffe sauber zu definieren und zu verwenden. Damit entstehen teilweise Texte, die mehrere Bildschirme füllen und die somit sowieso kein Kunde mehr lesen wird.

Auch hier wäre es viel einfacher für alle Beteiligten gewesen, wenn seitens der Behörden eine Online-Seite mit allen Grundlagen zur Verfügung gestellt worden wäre, auf die jeder verlinken kann. Diese könnte alle potentiellen Formen der Datenspeicherung und -verarbeitung strukturiert auflisten, und das jeweilige Unternehmen müsste nur noch zu jedem Punkt angeben, ob dieser genutzt wird oder nicht. Fertig wäre eine Datenschutzerklärung, die oftmals nur aus 3 Zeilen bestünde:

„Wir speichern Ihre Daten ausschließlich gemäß der Punkte A1, A2 und A5 der aktuellen Datenschutzverordnung [Link] und geben Ihre Daten ausschließlich gemäß der Punkte B3 und B7 an dritte weiter.“

Aber nein, der Gesetzgeber macht es sich einfach und verlangt von allen Unternehmen (die doch eigentlich gefördert und nicht gefoltert gehören), sich mit Rechtstexten zu beschäftigen, die keiner Seite irgendwelche Vorteile bringen. Die einzigen, die sich mal wieder freuen, sind die Rechtsanwälte…

So etwas macht mich einfach wahnsinnig!

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Des Loosers neue Kleider

Kleider allein machen noch keine Leute!

Mein Sohn hat mich kürzlich mit einer Bemerkung überrascht. Als wir morgens unterwegs zum Bahnhof waren, um ins Büro bzw. zur Universität zu fahren, kamen uns einige Passanten entgegen, einer davon in einem auffällig schicken Anzug mit weißem Hemd und Krawatte. Sein Kommentar dazu: „Der ist offensichtlich nicht wichtig genug!“

Woher kam diese Erkenntnis? Ich bin mir nicht bewusst, mit ihm schon einmal über meine Meinung zum Thema Kleidung (und vor allem Anzüge und Krawatten) gesprochen zu haben. Und trotzdem ist er offenbar der gleichen Ansicht wie ich: Jeder Mann, der einen Anzug trägt (oder vielmehr: tragen muss), kann einem einfach nur leidtun. Gleiches gilt natürlich auch für Kostüme und Hosenanzügen bei Frauen.

Der Anzug und das Kostüm sind die Arbeitsuniform der heutigen Büro- und Geschäftswelt. Millionen von Menschen werden von ihren Arbeitgebern genötigt, unverschämt teure, unbequeme und aufwändig zu reinigende Kleidung zu tragen. Am liebsten in dunkelblau oder dunkelgrau, mit weißem Hemd oder weißer Bluse, dazu noch eine Krawatte oder ein Tuch – fertig ist ein Büroroboter.

Und widersinniger weise führen einige Firmen dann im Gegenzug einen sogenannten „Casual Friday“ ein, an dem die Angestellten ausnahmsweise etwas legerer gekleidet bei der Arbeit erscheinen dürfen. Wie unsinnig – zeigt doch gerade diese, vielleicht wirklich gut gemeinte Geste, dass sich der Arbeitgeber durchaus bewusst ist, was seinen Angestellten mit den sonst geltenden, formalen Kleidungsvorschriften angetan wird.

Viele Unternehmen sind der Meinung, dass besonders gut gekleidete Angestellte das Ansehen des Unternehmens fördern, gegenüber den Kunden Verlässlichkeit und Seriosität ausstrahlen und so zu mehr Umsatz und besserer Kundenbindung führen.

Wenn ich allerdings als Kunde in ein Geschäft, eine Bank oder eine Versicherung gehe und mir steht dort ein Mensch in Anzug oder Kostüm gegenüber, dann denke ich nicht: Ist ja toll angezogen! So seriös! Da habe ich gleich ganz viel Vertrauen in die Beratung!

Im Gegenteil, ich denke: Was für ein armer Wicht, braucht einen edlen Fummel, um sich wichtig genug zu fühlen. Oder auch: Wie nötig muss dieser Mensch es haben, mir etwas zu verkaufen, dass eine solche Verkleidung notwendig scheint? Und dazu noch: Diesem Menschen hilt mein vollstes Mitgefühl – muss hier arbeiten und sich dazu auch noch derart verkleiden!

Da finde ich andere Unternehmen wesentlich angenehmer, die offen dazu stehen, dass ihre Mitarbeiter einheitlich gekleidet sein sollen. McDonalds beispielsweise. Oder die Deutsche Post. Da wird mit sinnvoller, praktischer Arbeitskleidung ein einheitliches Bild des Unternehmens mit hohem Wiedererkennungswert geschaffen, ohne dass die armen Mitarbeiter tausende Euro in Anzüge und Hemden investieren müssen.

Ich besitze übrigens einen Anzug. Genau einen. Und diesen auch schon seit mehr als 25 Jahren. Den habe ich zur Hochzeit meiner Schwester gekauft (oder besser: kaufen müssen) und hatte ihn seitdem nur wenige Male an. Wenn ich mich mal durch familiäre Zwänge genötigt sehe, mich etwas formeller zu kleiden, dann können es schon mal Hemd, Krawatte und Sakko sein. Aber nie freiwillig, sondern immer nur, weil andere es von mir erwarten (vor allem meine Frau). Und dann mit absolutem Widerwillen.

Wenn Kleider tatsächlich Leute machen, dann machen Anzüge und Kostüme Leute, die mir wirklich leidtun!

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